Schliengen Betreutes Wohnen statt Pflegeheim

Weiler Zeitung
Das Seniorenzentrum soll auf dem Grundstück an der B 3 zwischen Tankstelle und Tierarztpraxis, direkt unterhalb der Rebberge, gebaut werden. Ursprünglich sollte schon im Frühjahr 2014 Baustart sein. Nun ist man bestrebt, noch 2015 den ersten Spatenstich zu setzen. Archivfoto: Claudia Bötsch Foto: Weiler Zeitung

Von Claudia Bötsch

Schliengen. Gravierende Veränderungen gibt es bei den Planungen zum Seniorenzentrum, das an der B 3 am nördlichen Ortsausgang von Schliengen entstehen soll. Nach derzeitigem Stand wird es dort – entgegen des bisherigen Konzepts – keine stationäre Pflege geben, teilte Dr. Karl-Heinz Huber, Leiter des Bereichs Altenhilfe beim St. Josefshaus Herten, auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Statt stationärer Dauer- und Kurzzzeitpflege wolle man sich nun ausschließlich auf betreutes Wohnen mit ambulanter pflegerischer Versorgung konzentrieren. Dieser Bereich sollte eigentlich nur einen kleineren Teilbereich ausmachen. Ursprünglich war bekanntlich angedacht, ein Pflegeheim mit 54 Plätzen zu schaffen, kombiniert mit einer Kurzzeitpflegegruppe und betreutem Wohnen.

Noch liegt kein fertiges Konzept vor

Zu den neuen Plänen gibt es allerdings noch kein fertiges Konzept. „Wir befinden uns noch mitten im Überarbeitungsprozess“, betont Huber. Die Architekten seien mit der neuen Bauplanung zu Gange. Sobald das neue Konzept steht, werde man die Gemeinde und den Gemeinderat informieren und dann auch der Öffentlichkeit die neuen Pläne vorstellen.

Dass das St. Josefshaus in Schliengen nun doch kein klassisches Seniorenpflegeheim bauen wird, hat mehrere Gründe. Huber verweist auf veränderte gesetzliche und finanzielle Rahmenbedingungen, die sich im vergangenen Jahr ergeben hätten. In diesem Zusammenhang nennt er das neue Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz, das im Mai 2014 vom baden-württembergischen Landtag beschlossen wurde und ambulante Wohnformen forciere. Darüber hinaus hätte die neue Heimbauverordnung des Landes gewisse Anpassungen erfordert, durch die der ursprünglich gefasste Kostenrahmen nicht zu halten gewesen sei.

Dazu kämen die generell erhöhten Baukosten, die mit der guten Baukonjunktur einhergingen, so Huber.

Bei den Überlegungen zum neuen Konzept, das eine stationäre Pflege ausschließt, spielt außerdem ein weiterer Aspekt eine Rolle. „Es wird zunehmend schwerer, Pflegefachkräfte zu bekommen“, so der Leiter des Bereichs Altenhilfe.

Im Sommer 2014 hatte das St. Josefshaus den Termin für den Baustart des Pflegeheims zudem maßgeblich davon abhängig gemacht, ob es einen Zuschuss vom Landkreis für den Bereich der Kurzzeitpflege gibt. Dieser kam letztlich jedoch nicht zustande.

Kooperationspartner sollen ambulante Pflege anbieten

Neben den nötigen Planänderungen wegen der neuen Heimbauverordnung hatte dieser Umstand dafür gesorgt, dass sich der zunächst für Frühjahr 2014 anvisierte Baustart immer weiter verzögerte.

Nun setzt man also auf ambulante Pflege, die über Kooperationspartner angeboten werden soll. Während der Träger der Einrichtung, das St. Josefshaus Herten, die Betreuung der Wohnanlage übernehmen soll. Bei diesem Konzept würde das St. Josefshaus die Begleitung der Menschen, aber nicht die Pflege übernehmen, erläutert Huber.

Derzeit sei das St. Josefshaus im Gespräch mit zwei ambulanten Pflegediensten aus der Region – darüber, wie das Wohnen mit ambulanter Pflege und Betreuung sich konkret gestalten könnte. Man sei dabei, verschiedene Varianten und Optionen zu prüfen. Zu klären gebe es auch noch Fragen hinsichtlich der Baugestaltung.

Die Pläne sollen dann öffentlich vorgestellt und zur Genehmigung vorgelegt werden. Man gehe davon aus, noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen zu können. Die Bauzeit wird auf eineinhalb bis zwei Jahre veranschlagt.

Erhalten bleibt beim neuen Konzept die Planung, dass auch Gesundheitsdienstleister – Ärzte und auch eine Apotheke – ins Gebäude einziehen sollen. Eine mögliche Konkurrenzsituation könnte sich indes dadurch ergeben, dass diese Sparte auch im neuen Märktezentrum auf dem naheliegenden Vollmer-Areal bedient werden soll, wo im Frühjahr Spatenstich sein soll.

So hat das Schliengener Hausarztzentrum, das ursprünglich Interesse am Seniorenpflegeheim gezeigt hatte, im Dezember angekündigt, in diesem Jahr aufs Vollmer Areal umziehen zu wollen (wir berichteten).

Gesundheitsdienstleister und Begegnungsstätte

Bestand hat laut Dr. Karl-Heinz Huber bei den neuen Plänen nach wie vor der Wunsch einer intensiven Zusammenarbeit mit der Gruppe „Menschen für Menschen“. So soll eine Begegnungsstätte geschaffen werden, die Raum für verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen bietet.

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