Schliengen Das badische Kartenspiel

Alexander Anlicker

Eigentlich sollte sich am Sonntag im Schliengener Bürger- und Gästehaus Gstieß, Könige, Damen, Reiter und Buben drehen stehen. Coronabedingt hat die Abteilung Schliengen der Freiwilligen Feuerwehr jedoch ihr traditionelles Cego-Turnier abgesagt. Was den Reiz des Spiels ausmacht und ob man nicht auch online spielen könnte, wollten wir vom Organisator Fridolin Orth wissen.

Von Alexander Anlicker

Schliengen. Schon mehr als 30 Mal fand das Cego-Turnier im Feuerwehrgerätehaus in Schliengen statt. Initiiert wurde die Traditionsveranstaltung im Jahr 1990 vom ehemaligen Schliengener Abteilungskommandanten Fridolin Orth. Termin ist immer der dritte Sonntag im Januar. Wie bereits im vergangenen Jahr wurde nun auch das diesjährige Turnier aufgrund der Pandemie abgesagt.

„Cego gibt es auch online zu spielen. Ich selbst mach es nicht. Wenn ich spiele, will ich meine Mitspieler auch vor mir haben“, erklärt der 70-jährige auf Nachfrage.

Bis in die 1980er Jahre gab es ein Cego-Turnier in Niedereggenen. Als dieses eingestellt wurde, kam Orth auf die Idee, selbst ein Turnier auf die Beine zu stellen. Seither ist er für die Organisation verantwortlich. Das Turnier ist unkompliziert. Wer kommt darf spielen, lautete vor Beginn der Pandemie die Devise. Zu den Turnieren kamen immer zwischen 28 und 50 Teilnehmern. In den vergangenen Jahren seien es durchschnittlich 35 Spieler gewesen, berichtet er.

Cego wird fast ausschließlich in Baden gespielt. Badische Soldaten sollen das Spiel während der napoleonischen Kriege aus Spanien mitgebracht haben, erklärt Orth. Die genaue Herkunft des Spiels ist nicht belegt. Das Kartenblatt mit 54 Karten entspricht den in der einstigen Habsburgermonarchie verwenden Tarock-Karten, allerdings mit den Farben Kreuz, Pik, Herz und Karo aus dem 76 Blatt zählenden französischen Tarot. Der Name cego stammt aus den romanischen Sprachen und wird vom lateinischen caecus für blind abgeleitet.

Das Blatt besteht aus 21 nummerierten Trumpfkarten sowie dem Gstieß, den Bildern König, Dame, Ritter und Bube sowie den leeren Karten in den Farben Kreuz, Pik, Herz und Karo.

Cego kann man zu dritt oder zu viert spielen, erklärt Orth. „Zu viert ist es interessanter, weil man mehr Spielmöglichkeiten hat“, sagt er. „Mein Bruder Oskar und ich haben das Spiel von unserem Opa gelernt, als ich acht Jahre alt war“, berichtet der gebürtige Neuenburger. Orth gibt das Wissen um das traditionelle Badische Kartenspiel auch gerne weiter. So hat er beispielsweise in früheren Jahren auch Cego-Lehrgänge mit den Schliengener Feuerwehrkameraden gemacht.

In Schliengen gab es auch zwei Cego-Stammtische. Im Gasthaus „Am Berg“ und in der „Krone“, wo sich immer vier bis fünf Cego-Spieler getroffen haben. Beide Stammtische seien coronabedingt eingeschlafen, bedauert Orth. Sobald es wieder geht, und sich vier bis fünf Cego-Interessierte finden, will er wieder einen Kurs anbieten.

Cego ist ein vielfältiges und kameradschaftliches Spiel, nicht ganz so ernst wie beispielsweise Skat, erklärt er, was für ihn die Faszination des Spiels ausmacht.

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