Seit einigen Tagen hat Schliengen wieder einen Einwohner mehr. Und der ist sehr fleißig. Tagein tagaus schneidet er die Reben entlang der Ortsdurchfahrt auf der Höhe der Winzergenossenschaft. Der Mann im blauen Winzerkittel kennt keine Müdigkeit, er ist nämlich aus Bronze.

Von Dorothee Philipp

Schliengen. Es war die Idee von Bürgermeister Werner Bundschuh, mit dem Vermögen des im November 2016 aufgelösten Schliengener Museumsvereins eine Skulptur für den öffentlichen Raum zu kaufen. Das sei eine gute Idee gewesen, meint Horst Iburg, der den 1989 gegründeten Verein seit 1995 bis zu seiner Auflösung geleitet hatte. Was hätte man sonst mit dem Geld machen sollen? Es an die 32 Mitglieder zu verteilen sei nicht in Frage gekommen, da in den 8000 Euro der Schlussbilanz auch Spenden steckten. Da sei eine solche Skulptur doch viel besser. „Schliengen ist eine Winzergemeinde, auch die Umgebung lebt vom Weinbau, da liegt es doch nahe, der Arbeitswelt vieler Einwohner ein kleines Denkmal zu setzen“, meinte Iburg im Gespräch mit unserer Zeitung. Es war dann auch Bürgermeister Bundschuh, der eine Firma in Offenburg ausfindig gemacht hatte, die auf Bestellung Bronzefiguren für den Außenbereich anfertigt. Da die Restsumme des Museumsvereins nicht ganz für eine lebensgroße Figur, wie sie die Schliengener haben wollten, ausreichte, legte die Gemeinde den Restbetrag obendrauf.

Damit die Jacke des bronzenen Winzers auch richtig ausgeführt wird, schickte Iburg dem Hersteller eine aussagekräftige Fotografie des Kleidungsstücks. Das ist offensichtlich gelungen. „Ich habe mit dem Künstler, der das gemacht hat, gesprochen. Er hat gesagt, er habe großen Spaß an dem Auftrag“, berichtet Iburg. Auch Bürgermeister Bundschuh hat seine Freude am neuen Einwohner. Hat er doch immer bei der Durchfahrt durch ein Nachbarstädtchen einen etwas neidischen Blick auf den fröhlichen Bronze-Zecher geworfen, der dort an prominenter Stelle den Passanten freudig mit seinem Weinglas zuprostet. In Schliengen wird aber nicht nur geprostet, sondern eben auch geschafft.