Schliengen Der Bogen von heute zum Ursprung

Jonas Büchin
Festlich geschmückt mit Weihnachtsbaum und großem Stern präsentiert sich die St. Leodegar-Kirche. Foto: Alexander Anlicker

Am Anfang war – kein Interesse. In den ersten drei Jahrhunderten spielte Weihnachten für die Christen keine Rolle. Erst im vierten Jahrhundert änderte sich das, als die Theologen darüber debattierten, wie es sich mit der menschlichen Natur Jesu verhalte. War er Mensch oder ein Gott in menschlicher Gestalt?

Von Jonas Büchin

Schliengen. Diese Frage wurde auf dem Konzil von Nicäa behandelt und geklärt (Jesus war beides, Gott und Mensch zugleich). Kaum war diese Frage geklärt, ging man der Frage nach, wann Jesus geboren wurde. Im Oströmischen Reich (vor allem Ägypten) setzte man den „Geburtstag“ auf den 6. Januar, den Festtag der alten Nilgottheit, im Weströmischen Reich wurde der 25. Dezember festgelegt, der Tag des „Sol invictus“, des unbesiegten Sonnengottes. Erst im Laufe des fünften Jahrhunderts bildete sich aus beiden Tagen unser Weihnachtsfestkreis von Geburt und Erscheinung des Herrn. Doch wie feierte man Weihnachten damals?

Die Quellenlage für frühchristliche Liturgie ist sehr dünn, vieles bleibt im Dunkeln. Aber eine Sache dürfte heutige Gottesdienstbesucher, gerade an Heiligabend, irritieren. Eine Eucharistiefeier gab es nicht. Die Eucharistiefeier war für den Sonntag oder den Festtag vorbehalten, an den Vorabenden fanden Vigilfeiern statt. Das waren Gottesdienste, die eine Mischung aus einer Wort-Gottes-Feier und der Tagzeitenliturgie darstellten. Dort wurde auf die Verkündigung des Wortes Wert gelegt, es wurden Psalmen und Hymnen gesungen. Die tägliche Feier des Wortes Gottes war für die ersten Gemeinden von hoher Bedeutung, so der Liturgiereferent Wolfgang Meurer aus Aachen. Wie Weihnachten im Heiligen Land gefeiert wurde, wissen wir dank eines Pilgerberichts. Die Pilgerin „Egeria“ bereiste zwischen 381 bis 383 den Osten des Römischen Reiches und beschrieb die Gottesdienste zu Weihnachten, Ostern und anderen Festen. Der Bericht der Egeria beschreibt eine Art Stationengottesdienst, der sich in drei Abschnitte unterteilen lässt: Andacht, Wortgottesdienst, Lichtfeier.

Bei Bethlehem versammelte sich die Gemeinde am Abend des 5. Januar auf dem sogenannten Hirtenfeld zu einer Andacht. Danach zog man die Grabeskirche, genauer in die Grotte, die als Ort der Geburt Jesu galt. Dort fand ein von Schriftlesungen geprägter Wortgottesdienst statt. An diesen schloss sich der Gang hinauf nach Jerusalem, angeführt vom Bischof und unter Singen von Psalmen, an. Jerusalem erreichte man so in der Nacht oder der Morgendämmerung des 6. Januars. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Teilnehmer mit Lampen nach Jerusalem zogen. In Jerusalem angekommen, erhielten die Gläubigen den Segen des Bischofs in der mit Lampen erleuchteten Auferstehungskirche und gingen dann nach Hause. Eine solche Lichtfeier (Prozession in die dunkle Kirche) nennt sich Luzernar und dürfte heute nur noch aus der Feier der Osternacht bekannt sein.

Am Morgen des 6. Januars fand dann der eigentliche Weihnachtsgottesdienst mit anschließender Eucharistiefeier statt. Erst im Laufe der Jahrhunderte hat die Eucharistiefeier alle anderen Gottesdienstformen fast verdrängt. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Feier von Wort-Gottes-Feiern als „sacra Verbi Dei celebratio“, als eigenständige liturgische Feierformen, wieder neu belebt.

Wort-Gottes-Feier an Heiligabend

In Schliengen gibt es dieses Jahr eine Premiere. Zum ersten Mal findet die Christmette als Wort-Gottes-Feier statt. Musikalisch wird sie vom Musikverein Schliengen mitgestaltet. Sie wird durch eine Lichtfeier in der Kirche eröffnet. Da der Heiligabend noch in die Adventszeit fällt und diese als liturgische Farbe das Violett hat, werden die Ministranten statt wie bisher üblich rot (die Priester tragen eigentlich weiß) violette Gewänder tragen. Mit dieser Feier wird der Bogen vom Heute zu den Ursprüngen des Weihnachtsfests geschlagen, um eine alte gottesdienstliche Feierform wieder neu zu entdecken. Es gibt noch eine weitere Besonderheit. Im Fokus der Feier liegt nicht nur die Verkündigung und Auseinandersetzung mit dem Evangelium, sondern ein Lied, das vor genau 250 Jahren geschrieben wurde. Gestaltet wird die Feier von Jonas Büchin.

Weitere Informationen: Die Christmette beginnt um 17.30 Uhr in der Kirche St. Leodegar in Schliengen.

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