Schliengen Die Finger wirbeln über die Tasten

Silke Hartenstein
Alessio Piussi spielt die Wettbewerbsstücke auswendig, darunter auch Jenö Takacs rasante „Toccata opus 54“. Foto: Silke Hartenstein

Der 17-jährige Klaviervirtuose Alessio Piussi aus Liel spielt über das Pfingstwochenende im Konzert- und Ballhaus in Zwickau. Er ist einer von sieben Musikschülern der Musikschule Müllheim, die sich für das Bundesfinale im Wettbewerb „Jugend Musik“ qualifizierten.

80 Klavierspieler zwischen 17 und 18 Jahren reisen bald aus ganz Deutschland nach Zwickau zum Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. Einer von ihnen ist Alessio Piussi aus Liel. „Der Weg ist das Ziel“, sagt er auf die Frage, wie wichtig ihm die Platzierung bei diesem Wettbewerb ist.

Höchstzahl an Punkten

Vom 25. Mai bis 1. Juni zeigen junge Musiker in Zwickaus Konzert- und Ballhaus ihr Können. Der 17-jährige Lieler ist einer von sieben Schülern der Musikschule Müllheim, die dort antreten werden. Fünf davon sind Klavierschüler von Dorothee Graf-Schwehr und erreichten beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ in der Solowertung Klavier erste Plätze. Annelie Rieber aus Dattingen und Alessio Piussi erwarben zudem die Höchstzahl von 25 Punkten. „Es ist extrem ungewöhnlich“, sagt Graf-Schwehr am Telefon zur hohen Zahl der Erstplatzierten: „Ein schöner Erfolg“.

Auch Alessio Piussi freut sich über seinen Erfolg, bleibt jedoch unaufgeregt. Lampenfieber kenne er schon, doch nur solange, bis es los gehe auf der Bühne und: „Wenn man auf Adrenalin ist, kann man viel schneller spielen“. Wie schnell er spielen kann, zeigt sich beim Fototermin. In atemberaubendem Tempo wirbeln Piussis Finger über die Tasten bei Jenö Takacs zeitgenössischer „Toccata opus 54“. Nebenbei schafft er es, der Bitte der Fotografin nach Blicken in die Kamera nachzukommen. Das geht, weil er sowohl Takacs’ rasante Toccata als auch die beiden anderen Wettbewerbs-Stücke, Robert Schumanns „Aufschwung“ aus den Fantasiestücken No 2 und Ludwig van Beethovens Sonate in D-Dur, 2. Satz, auswendig spielt. Zusammengezählt dauern die drei Stücke knapp 20 Minuten.

Zeit für andere Hobbys

Als Vierjähriger fing Piussi mit Klavierspielen an. Auslöser war seine Mutter Jenny, die ihren Jüngsten damals zu ihren eigenen Klavierstunden mitnahm. Als dann ihr Sohn Interesse am Piano anmeldete, erhielt er erst Privatstunden, später Unterricht in der Klavierklasse der Musikschule Markgräflerland und seit zwei Jahren bei Graf-Schwehr. Bei ihr hat er einmal pro Woche eine Klavierstunde, der Rest ist Üben daheim. Wer jetzt denkt, die Freizeit des 17-jährigen Gymnasiasten sei komplett mit Üben gefüllt, der irrt. Vor Konzerten übe er maximal eine Stunde täglich, erzählt Piussi. So bleibt Zeit für seine Hobbies Motorradfahren und -schrauben, für Fitnessstudio, Geigenspiel – und für die derzeit laufenden Klausuren.

Privat mag er Chopins und Schumanns mitreißende Kompositionen der Romantik, Bachs strukturierte Werke des Barock, Klassik, Hip Hop und House-Techno. Auf die Frage, ob er sein Hobby einmal zum Beruf machen möchte, etwa als Konzertpianist, meint er nüchtern: „Eher nicht. Ich bin nicht sicher, ob es mir so viel Spaß machen würde, acht Stunden täglich Klavier zu spielen.“

Wettbewerb statt Urlaub

Nun tauscht die Familie erst mal ihren über Pfingsten geplanten Italienurlaub gegen die Fahrt zum Bundeswettbewerb in Sachsen. Und damit alle etwas davon haben, steht auch Sightseeing auf dem Programm, in Zwickaus Trabbi-Museum und in der Landeshauptstadt Dresden.

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