Schliengen Ein Trau

Jutta Schütz
Dies ist das opulenteste Brautkleid der Ausstellung „Bedenke, wer sich ewig bindet“ auf Schloss Bürgeln. Das Kleid im Stil des Hochzeitskleides von Lady Di mit Reifrock und langer Schleppe wurde Anfang der 1980er-Jahre an der Fifth Avenue geschneidert. Daneben stehen die beiden Kuratoren der Ausstellung Friederike Völker (links) und Thomas Hofer. Foto: Jutta Schütz

Hochzeitskleidung von 1900 bis heute, festlich gedeckte Tafeln, Erinnerungsfotos an den großen Tag, Brautkronen und Hochzeitswünsche gerahmt hinter Glas – all das ist seit Sonntag auf Schloss Bürgeln in der Ausstellung „Bedenke, wer sich ewig bindet“ zu sehen.

Konzipiert wurde die Ausstellung von den Bürgelnbund-Mitgliedern Thomas Hofer und Friederike Völker, die das Originalzitat „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ aus Schillers „Glocke“ etwas abwandelten.

Die Vernissage fand passend zum Thema in der Schlosskapelle statt – untermalt von zwei bekannten Hochzeitsmärschen, „Treulich geführt“ aus Richard Wagners Oper „Lohengrin“ und dem berühmten von Felix Mendelssohn-Bartholdy aus der Bühnenmusik „Ein Sommernachtstraum“.

Der erste „Hingucker“, ein Traum von einem modernen Brautkleid aus einem Lörracher Brautstudio, ist gleich im Eingangsbereich zur Treppe ausgestellt – dahinter eine roséfarben gedeckter Tisch mit Blumenschmuck und zwei bestickte große Paradekissen. Auf der Treppe steht eine weitere Schaufensterpuppe, angetan mit einem opulenten Fifth-Avenue-Kleid mit Stickerei, Strass und einer langen Schleppe. Unschwer für Fans des englischen Königshauses zu erkennen, ist es dem voluminösen Hochzeitskleid von Lady Di, das diese 1981 trug, nachempfunden. „Von dem Kleid gab es in den 1980er-Jahren viele Kopien“, erinnert sich Völker. Dieses Kleid wurden zur Verfügung gestellt. Hofer hatte festliche Hochzeitskleidung wie zum Beispiel die Markgräfler Tracht in seinem eigenen Fundus, einige Kleider kamen von Bürgelnbund-Mitgliedern, andere aus einem Brautstudio. Auch Völkers schickes eigenes Hochzeitskleid aus den sechziger Jahren ist ausgestellt, dazu noch ein gedeckt grünes „Verlobungskleid“, samt dazu passenden Schuhen und Schmuck von 1947, kreiert vom Modeschöpfer Heinz Oestergaard, der auch Filmstars bekleidete. Ein Boho-Kleid mit Häkelspitze-Einsätzen, ein schlichtes Kleid in A-Linie – beide typisch Sixties, wie Völker weiß – und dann ein Puppenpaar in Markgräfler Hochzeitstracht, er im festlichen Gehrock, sie mit Brautkrone, der typischen Haube und einer Schürze aus schwerem glänzenden Stoff über dem ebenso schwarzen Kleid.

Schon früher haben Damen ihr Hochzeitskleid für andere festliche Gelegenheiten etwas umgearbeitet, um es weiter tragen zu können. Eines der ältesten Kleider stammt von 1912 – „es sieht vom Stil aus, wie die Kleider, die die Damen auf der Titanic trugen“, erläutert Hofer.

Weiße Brautkleider setzten sich in den reicheren Schichten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch – den Trend hatte Königin Victoria bei ihrer Hochzeit mit Prinz Albert gesetzt. Im Volk trug eine Braut länger ein schwarzes Kleid, das mit einem schönen weißen Brautschleier, oft mit Spitze besetzt, und mit dem Brautstrauß aufgehübscht wurde. Schwarze Kleider aus gutem Stoff – wie auch bei der Markgräfler Tracht – hatten praktische Gründe. Im Alltag konnte sie man, etwa bei der Arbeit oder beim Kirchgang, weiterverwenden. „Ab 1900 wünschten dann auch viele Frauen aus der Mittelschicht ein weißes Kleid zur Hochzeit – bis in die 1960er-Jahre hinein aber galt für schwangere Frauen und Witwen, die erneut heirateten, dass man im schwarzen Kleid oder dunklem Kostüm vor den Altar trat, das verlangten sogar viele Pfarrer“, erinnern sich Völker und Hofer.

An den Wänden finden sich Erinnerungsstücke: Brautkronen, die sorgfältig präpariert und gerahmt wurden,dazu Gedichte und Wünsche zur Hochzeit, die ebenfalls als Wandschmuck dienten. Mit feinstem Porzellan sind mehrere Hochzeitstische gedeckt. Kam eine Markgräflerin „unter die Haube“ – am Tag nach der Hochzeit nämlich verschwand das vorher sichtbar getragene lange Haar der Frauen unter einer Haube – wurde im Vorfeld übrigens gebacken, was das Zeug hielt. „Kamen 150 Gäste, dann wurden zuvor fast so viele Linzer- und Mailänder-Torten gebacken, die man als Gegengeschenk mit nach Hause gab“, erfuhren die Besucher.

Ausstellung „Bedenke, wer sich ewig bindet“, Schloss Bürgeln, zu sehen während der Öffnungszeiten und bei Führungen. Internetseite: www.buergeln.de

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