Schliengen Gemeinderat, Schlossarchitekt und Hebelvogt

Karl Mannhardt feiert heute seinen 90. Geburtstag. Die Feier soll im Sommer nachgeholt werden, wenn es die Coronalage wieder erlaubt. Foto: Silke Hartenstein Foto: Weiler Zeitung

Von Silke Hartenstein

Schliengen. In neun Jahrzehnten kann ein engagierter Mensch viel erreichen. Auf Karl Mannhardt, Schliengener Ehrenbürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes, trifft das zu. Heute, an seinem 90. Geburtstag, würden sich in normalen Zeiten die Gratulanten die Klinke in die Hand geben. Stattdessen läuft nun das Telefon heiß. Die Feier möchte der Jubilar im Sommer nachholen.

Ehrungen empfangen

Viele Stationen seines bewegten Lebens hat der Architekt in Büchern und Heften dokumentiert und viele Ehrungen empfangen, darunter die Ehrennadel des Landes, des Gemeindetags Baden-Württemberg, Bundes deutscher Baumeister, Bürgelnbunds, CDU-Ortsverbands und der Sportfreunde Schliengen. 20 Jahre gestaltete er als Schliengener Gemeinderat das kommunale Geschehen mit, bis heute ist der Träger des Schliengener Sonnenstücks Mitglied in 22 Vereinen und Vereinigungen. Für die Menschen im Markgräflerland ist sein Wirken sicht- und spürbar. So verdankt Schloss Entenstein seinen stattlichen Turm und Schloss Bürgeln den einst aus vier Räumen bestehenden Gleichensteinsaal Mannhardts Visionen und Planungen. 37 Jahre lang war er ehrenamtlicher Architekt für Schloss Bürgeln, 19 Jahre im Vorstand des Fördervereins zur Erhaltung des Wasserschlosses Entenstein. Und dass bei den Hebelschoppen in Hertingen bis heute das Andenken an Johann Peter Hebel und die alemannische Sprache gepflegt wird, ist ein weiterer Teil seines umfangreichen Wirkens. Dieses ganz aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Mannhardts Motto: „Es entspricht meiner Grundüberzeugung, dass man dem Staat, der Politik und den Behörden die Gestaltung unseres Zusammenlebens nicht allein überlassen darf. Jedermann soll sich, entsprechend seiner Fähigkeit, an der Gestaltung unseres gesellschaftlichen Lebens beteiligen“.

Zäh bewältigte er Hindernisse, auch die, die ihm der Zweite Weltkrieg in den Weg legte. Am 10. Februar 1931 kam der Sohn eines Zimmermeisters in Holzen zur Welt. Auf den Besuch der Volksschule folgten gut drei Jahre Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach, bis die Schule 1944 geschlossen werden musste. Statt das Abitur erwerben zu können, machte Mannhardt im elterlichen Zimmereibetrieb seine Ausbildung – zum Glück für die vierköpfige Familie wurde sein Vater Karl Ende 1945 aus der Internierung entlassen. Später bildete sich der junge Zimmermann zielstrebig weiter, absolvierte 1958 an der Fachhochschule Karlsruhe die Prüfung als Ingenieur für Hochbau und begann seine Laufbahn als selbständiger Architekt im Elternhaus in Holzen. Es folgten Planung und Bau seines Hauses samt Wohnung und Büro in Schliengens Eisenbahnstraße. Von 1962 bis 2002 beschäftigte er dort bis zu fünf Mitarbeiter, bildete Bauzeichner aus, übernahm die Planung und Bauleitung für Wohn – und Industriebauten, 25 Aussiedlerhöfe und kommunale Bauten.

59 Jahre lang stand ihm seine Ehefrau Hildegard tatkräftig zur Seite. Mannhardt: „Ich hab’ das große Glück gehabt, dass ich eine gute Frau gefunden habe. Sie fehlt mir jeden Tag“. Aus der Ehe gingen drei Kinder und sechs Enkel hervor.

Heute verhindert Corona seine Geburtstagsfeier, doch ihm kann das Virus demnächst nichts mehr anhaben. Ende Februar erhalte er seine zweite Impfung, erzählt Mannhardt. Und wenn sich das Impftempo erst mal beschleunigt, könnte es dann auch etwas werden mit einer weiteren Idee des passionierten Tänzers: Tanzabende auf Schloss Bürgeln.

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