Schliengen Idealer Lebensraum für Biber

Alexander Anlicker
Peter Kern (v. l.), Franziska Parton und Florian Thielmann beim Biberdamm. Foto: Alexander Anlicker

Im Umfeld des Rückhaltebeckens „Altinger Matten“ hat ein Biber seine Heimat gefunden. Unsere Zeitung war auf Spurensuche mit den Biberexperten von Regierungspräsidium und Landkreis.

Inmitten des Rückhaltebeckens „Altinger Matten“ bei Schliengen wurde beim Bau ein kleines Auwäldchen als Ausgleichsmaßnahme angelegt. Dort wo der Hohlebach das Wäldchen verlässt, befindet sich seit einiger Zeit ein kleiner Damm, der den Bach aufstaut. Baumeister ist ein Biber, der seit ungefähr zwei Jahren hier eine Heimat gefunden hat.

Die Umweltwissenschaftlerin Franziska Parton vom Büro BHM, das im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg seit kurzem auch für das Bibermanagement im Landkreis Lörrach verantwortlich ist, sowie Peter Kern und Florian Thielmann von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lörrach, machen sich bei einem Termin vor Ort auf die Suche nach Spuren des Bibers. Auf die Anwesenheit des nachtaktiven Nagers lassen neben dem Biberdamm auch die Bissspuren an Bäumen schließen.

„Wir wissen seit zwei Jahren vom Biber, der hier auf der Ausgleichsfläche aufgetaucht ist“, sagt Florian Thielmann. Der örtliche Jagdpächter habe die Bissspuren entdeckt und bei Gemeinde und Naturschutzbehörde gemeldet. Eine Wildtierkamera des Jagdpächters lieferte dann auch die ersten Fotos.

Kinderstube am Rhein

Thielmann und Parton gehen davon aus, dass das Tier seine Kinderstube am Rhein hatte und dann auf der Suche nach einem Revier den Hohlebach hinaufgewandert ist. Im Bereich des Rheins zwischen Weil am Rhein und Bad Bellingen seien fünf Biberburgen dokumentiert, berichtet Thielmann. Beim Biber am Hohlebach handelt es sich, wie auch bei einem Biber an der Kander, vermutlich um ein Einzeltier. Zwei Biberburgen gebe es an der Wiese. Die genaue Zahl der Biber im Landkreis ist unbekannt. Bekannt sind verschiedene Biberburgen mit jeweils zwei bis vier Tieren sowie einige Einzeltiere. Im Landkreis dürften es um die 30 Tiere sein, schätzen Thielmann und Kern von der Unteren Naturschutzbehörde.

Der Biber war in Baden-Württemberg ausgestorben und breitet sich nun zum einen von der Schweiz kommend entlang des Rheins sowie aus Bayern kommend entlang der Donau in den Schwarzwald aus, erklärt Franziska Parton.

Frische Spuren

Am Rand des Auwäldchens liegt eine große Weide flach auf der Erde, am unteren Ende sind deutlich die Spuren des Bibers zu sehen, der den stattlichen Baum erst vor wenigen Tagen mit seinen scharfen Zähnen gefällt hat. Die Rinde des Baums wird dem Biber eine ganze Zeit lang Nahrung liefern. Das schlimmste was der Mensch jetzt tun kann, wäre, den Stamm wegzuräumen, erklärt die Bibermanagerin. Der Biber müsste dann den nächsten Baum fällen um seinen Hunger zu stillen. Der übrig bleibende Stamm erfüllt anschließend als Totholz seine ökologische Aufgabe, er dient beispielsweise Käfern als Lebensraum, sagt die Parton. Sie empfiehlt, Bäume die auf einer angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Wiese liegen, nicht einfach wegzuräumen sondern in den Wald zu ziehen.

Keine Konflikte

Thielmann, Kern und Parton erwarten an dieser Stelle keine Konflikte. Konflikte gebe es mit der Landwirtschaft, aber auch zwischen verschiedenen Tierarten. „Der Dohlenkrebs mag lieber flaches Wasser, für diesen ist der Biberdamm eher schlecht“, nennt Thielmann ein Beispiel. Der Dohlenkrebs ist in Deutschland vom Aussterben bedroht und kommt im Hohlebach vor. Glücklicherweise nicht an dieser Stelle, erklärt er. Weißfische wie Döbel und Nasen profitierten hingegen vom höheren Wasserstand. Allerdings gebe es im Auwäldchen einige ältere Bäume, wo Fledermäuse ihre Höhlen haben. Hier beobachten die Naturschützer die Situation, um bei Bedarf Schutzmaßnahmen für einige Bäume zu ergreifen. Parton schlägt vor Bäume, in denen Fledermäuse nisten, mit „Wöbra“einzupinseln. Dabei handelt es sich um einen Anstrich mit Quarzsand, der dem Biber nicht „schmeckt“.

Um Konflikten vorzubeugen sollten Biber, die an einem Ort neu auftauchen, der Naturschutzbehörde gemeldet werden.

Ehrenamtliche Biberberater

Das Regierungspräsidium Freiburg sucht ehrenamtliche Biberberater. Diese unterstützen die Naturschutzbehörden bei der Beratung zum Umgang mit dem Biber. Sie sind erste Ansprechpartner vor Ort bei der Lösung von Konfliktfällen mit dem streng geschützten Nager zum Beispiel in der Landwirtschaft oder im Straßenverkehr. Dafür werden zweitägige Kurse angeboten. Der erste Kurs an diesem und am kommenden Wochenende ist bereits ausgebucht, aber Anfang nächsten Jahres sei ein weiterer Kurs geplant, berichtet Parton.

Interessierte können sich unter der E-Mail-Adresse bibermanagement@rpf.bwl.de melden.

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