Schliengen Infrastruktur muss mitwachsen

Claudia Bötsch
Blick auf das „Wasengärtle I“, das den Bau von Geschosswohnungen mit dem Bau von Einzel- beziehungsweise Doppelhäusern vereint. Das Neubaugebiet liegt am westlichen Ortsrand, zwischen Gärtnerweg (L 134) und Bellinger Straße, am Ortsausgang Richtung Bad Bellingen beziehungsweise Steinenstadt. Foto: Claudia Bötsch

Diverse Baugebiete lassen Schliengen weiter wachsen: In diesem Jahr wird wahrscheinlich noch die 6000er-Marke bei der Einwohnerzahl geknackt (wir berichteten). In den nächsten Jahren soll es dann aber zunächst keine weiteren neuen Baugebiete geben. Erst einmal muss die Infrastruktur für die vielen neuen Bürger entsprechend ausgebaut werden, macht Bürgermeister Christian Renkert im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich.

Von Claudia Bötsch

Schliengen. Hier gebe es noch einigen Nachholbedarf, sagt der Rathauschef und verweist auf Kita, Kindergarten und Schulen. „Wir müssen Kindergartenplätze nachziehen, außerdem steht der weitere Ausbau der Grundschulen an“, zählt der Bürgermeister auf. In Niedereggenen ist die Grundschule bereits erweitert, Liel und Mauchen sollen noch folgen. Einen genauen Zeitplan gebe es noch nicht, eventuell könnten beide Projekte jedoch auch gleichzeitig erfolgen, so Renkert.

„Gemeinde soll nicht überfordert werden“

Mögliche neue Baugebiete sollen 2022 und 2023 jedenfalls kein Thema sein, darüber sei man sich im Gemeinderat einig gewesen. Erst einmal sollen die aktuellen Projekte abgewickelt und die Infrastruktur auf Stand gebracht werden.

„Die Gemeinde soll auch nicht überfordert werden mit Wachstum“, betont Renkert. Dabei verweist er auch auf die Vielzahl der Baugebiete: „Wir haben so viel getan in den vergangenen Jahren – es gibt wohl kaum eine Umlandgemeinde, die ähnliches entwickelt hat.“ Bevor neue Baugebiete in Angriff genommen werden, soll zuerst eruiert werden, wohin die Gemeinde sich entwickeln will.

Jugend und Senioren im Blick

Neben den Kindern hat die Gemeinde auch die Senioren im Blick: „Jugend und Senioren werden in den nächsten Jahren unsere Themen sein“, kündigt der Bürgermeister an. Zwar sei man froh, dass sich der Landkreis mit dem Bau des Pflegeheims in der Gemeinde engagiere. Allerdings sei klar, dass diese Plätze nicht reichen werden, verweist Renkert auf die Alterspyramide. Ziel sei es, weitere Seniorenwohnplätze anbieten zu können, damit auch Bürger mit Unterstützungsbedarf in der Gemeinde alt werden können.

Wachstumsschub für Schliengen

Neben kleineren Baugebieten in Obereggenen, Liel und Mauchen, die derzeit gleichzeitig laufen, wird vor allem das „Wasengärtle“ im Kernort für einen Wachstumsschub sorgen.

Mit einer Fläche von 3,7 Hektar ist es das größte Baugebiet in der Geschichte Schliengens. Insgesamt sollen im „Wasengärtle“, das seit 2020 bebaut wird, rund 400 Menschen eine neue Heimat finden.

Eigentumswohnungen und geförderte Mietwohnungen

Auf 27 Grundstücken werden Einzel- beziehungsweise Doppelhäuser gebaut. Auf den übrigen fünf Grundstücken entsteht Geschosswohnungsbau, zusammen 135 Wohneinheiten. Allein das Siedlungswerk Stuttgart baut sieben Gebäude mit 69 Wohnungen. In vier Gebäuden entstehen Eigentumswohnungen. Die drei anderen Gebäude sind für Mietwohnraum vorgesehen (gefördert und frei finanziert). Für die Sozialwohnungen benötigt man einen Wohnberechtigungsschein vom Rathaus, der das Anrecht auf eine verbilligte Wohnung bestätige, informiert Renkert. Die Mischung von Eigentums- und Mietwohnungen sieht der Rathauschef als „durchaus glückliches Modell“, das sich vielerorts bewährt habe.

2023 Bezug der Siedlungswerk-Wohnungen

Die Bezugsfertigstellung der Wohneinheiten ist für August/September 2023 geplant. Mit der Vermietung will das Siedlungswerk ein halbes Jahr vor Fertigstellung beginnen, im Frühjahr 2023. Die Eigentumswohnungen wurden, bis auf eine Einheit, bereits alle verkauft.

Optik des „Wasengärtle“ sorgt auch für Kritik

Die Optik des Schliengener Baugebiets, das mit seinem Geschosswohnungsbau eher städtisch anmutet, ist in der Bevölkerung nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Das weiß auch der Rathauschef. Manchem missfalle die zu dichte Bebauung, andere kritisierten, dass der dörfliche Charakter verloren ginge, zumal die Lage am westlichen Ortseingang auch eine „Visitenkarte“ für Schliengen sei.

Die Optik sei Geschmackssache, man gewöhne sich aber oft auch an Neues, meint Renkert dazu. Im „Wasengärtle“ werde ohne Frage „sehr massiv Wohnraum geschaffen“, dieser sei aber auch notwendig. Zudem habe sich die Lage an den Hauptverkehrsachsen und in direkter Bahnhofsnähe für eine solche Verdichtung angeboten, unterstreicht Renkert. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf den ersehnten Halbstundentakt auf der Rheintalbahn, der im Zuge des viergleisigen Ausbaus voraussichtlich 2025 zum Tragen kommen soll.

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