Schliengen Klimaneutralität hat Priorität

Alexander Anlicker
Blick vom Eggenertal auf den Blauen und Schloss Bürgeln. Foto: Alexander Anlicker

Die Windkraftpläne am Hochblauen werden im Schliengener Gemeinderat kontrovers diskutiert. Der Standort in der Nähe des Friedwalds und von Schloss Bürgeln soll weiter untersucht werden.

Der Schliengener Gemeinderat beschäftigte sich am Donnerstag mit den Windkraftplänen am Hochblauen. Die Bürgerwindpark GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der drei Genossenschaften Bürgerwindrad Blauen, Bürgerenergiegenossenschaft Südbaden (BEGS) und Elektrizitätswerke Schönau (EWS), hat den Zuschlag für vier Windräder auf Flächen des Staatswalds (Forst BW) erhalten.

Was ist geplant?

„Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie wir den Standort besser nutzen, die baulichen Anlagen optimieren und die Gemeinden beteiligen können“, erklärte Tobias Tusch, der bei der EWS für die Themen Windkraft und Photovoltaik zuständige Geschäftsführer. Das Kernlayout mit den vier Windkraftanlagen im Staatswald soll um fünf weitere Windräder erweitert werden.

Konflikte

Die drei Standorte WEA 6, WEA 7 und WEA 8 liegen dabei auf Gemarkung Schliengen. Strittig sind dabei die Standorte WEA 6 und WEA 8. WEA 6 liegt in der Nähe des Startbereichs der Gleitschirmflieger auf dem Blauen, WEA 8 ist nur knapp 200 Meter vom Friedwald und nur 523 Meter von Schloss Bürgeln entfernt.

Fragen der Zuhörer

Ein Zuhörer bemängelte beim Tagesordnungspunkt Bürgerfragen, dass das Thema im „Schweinsgalopp“ beschlossen werden soll. Jens Iburg, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Müllheim-Badenweiler, stellte Fragen zu Sicherheit. Unter anderem wollte er wissen, ob die Feuerwehr für Turbinenbrände ausgestattet werde, was beim Austritt von Schwefelhexafluorid passiere und wie verhindert werde, dass Wanderer auf dem nahen Westweg nicht von Eisbruch getroffen werden.

Die Genehmigungen schreiben vor, dass die Feuerwehren eingewiesen werden, erklärte Tusch. Allerdings werde ein seltener Turbinenbrand nicht gelöscht sondern man lasse das Windrad kontrolliert abbrennen. Tusch wies darauf hin, dass die Turbinen mit Sensoren und vollautomatischer Löschtechnik ausgestattet seien.

Schwefelhexafluorid sein ein Inertgas und Bestandteil von allen Schaltanlagen der Hochspannungstechnik, erklärte Frank Hehl, Vorstandsmitglied der Genossenschaft Bürgerwindrad Blauen. Es sei weder brennbar noch giftig. Das Problem sei das hohe CO2-Äquivalent. Durch Undichtigkeiten gelangten pro Jahr zwei Gramm des Gases in die Atmosphäre, was 40 Kilogramm Kohlendioxid entspreche. Bei einer Totalhavarie würde ein CO2-Äquivalent von 60 Tonnen freigesetzt. Allerdings spare ein Windrad pro Jahr etwa 10 000 Tonnen CO₂ ein.

Was das Thema Eisbruch angehe, würden laut Tusch Sensoren bei einer Vereisung eine Unwucht registrieren und die Anlage abschalten. Die Rotorblätter würden dann beheizt, sodass das Eis abtauen könne.

Diskussion im Rat

Kritisch äußerte sich Gemeinderat Thomas Sattler von den Freien Wählern. Salzlecke und Ameisenkopf seien im Windatlas keine guten Standorte. Zudem forderte er eine klare Aussage zu den Gleitschirmfliegern. Er erinnerte daran, dass der Gemeinderat beim jüngsten Bauantrag für das Hotel auf dem Blauenhaus Wert darauf gelegt habe, dass der Startplatz erhalten bleibe. „Wir haben noch keine einvernehmliche Lösung und können nichts zusagen“, erklärte Tusch.

„Windkraft ist schön und besser als Atomkraft“, sagte Karl-Ernst Seemann und ergänzte, dass der Eingriff in die Natur das „Landschaftsbild total versaut“. „Der Blauen liegt mir am Herzen. Er ist für mich Heimat“, unterstrich Seemann. Zudem wollte er wissen, wer im Winter den Weg zu den Windrädern freihalte. In Schopfheim teilten sich Gemeinde und Windkraftbetreiber die Kosten für die Wege, antwortete Tusch. Für Gersbach habe man eigens ein Schneemobil gekauft, um im Winter zu den Windrädern zu gelangen.

Timo Hemmer, Ortsvorsteher von Niedereggenen, bedauerte, dass er nicht mit Abstimmen könne. Er empfinde es so, dass die Gemeinde unter Druck gesetzt werde. Aus seiner Sicht sei die Anlage nur durch Subventionen rentabel.

„Für mich spielt es keine Rolle ob vier, fünf oder mehr Windräder gebaut werden. Wenn man sich dafür entscheidet kann man auch mehr machen“, sagte Gemeinderat Bodo Zimmermann (CDU) auch mit Blick auf die Einnahmen für die Gemeinde. Er erinnerte daran, dass der Gemeinderat beschlossen habe, dass die Gemeinde klimaneutral werden soll. „Ich bin kein Grüner, aber es sprechen ein Haufen Argumente dafür“, sagte Zimmermann.

Sein Ratskollege Hartmut Sommerhalter (SPD) pflichtete ihm bei: „Wir wollen die Energiewende und klimaneutral werden. Es kostet uns nichts und es bringt uns was.“

„Mir ist klar, dass wir klimaneutral werden müssen“, sagte Gemeinderat Matthias Bundschuh und ergänzte: „Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist.“ Er plädierte für mehr Photovoltaik. Dem hielt Tusch entgegen, dass ein Windrad mit sieben Megawatt Leistung ein Hektar an Fläche brauche und Photovoltaik-Anlagen mit gleicher Leistung benötigten eine Fläche von sieben bis acht Hektar benötigten.

Der Obereggener Ortsvorsteher Marcus Siegwolf sprach sich gegen die Windkraft am Blauen aus und würde diese lieber am Schliengener Berg und entlang der Bahn sehen.

Beschluss

Georg Hoffmann sprach sich dafür aus, auch den Standort WEA 8 nahe des Friedwalds weiter zu untersuchen und noch nicht zu streichen. Diesem weiterführenden Antrag wurde mit acht Ja- zu sieben Nein-Stimmen von den Räten zugestimmt.

Vertagt wurden die Punkte b und c der Beschlussvorlage. Die Unterstützung der Windkraftnutzung durch regionale Projekte in Bürgerhand sowie die Beauftragung der Gemeindeverwaltung mögliche Beteiligungsprojekte aufzuzeigen und zu verhandeln, war unter anderem Gemeinderat Thomas Sattler nicht konkret genug.

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