Schliengen Kübelweise kreative Werbung

Die Jugendfeuerwehr Liel wirbt fürs Mitmachen: (v.l.) Raphael Löffler, Raphael Thoma, Alexander Grether und Chris Zimmermann. Foto: Jutta Schütz

Schliengen-Liel - Die Jugendfeuerwehr Liel hat zum ersten Mal nach 30 Jahren keinen Nachwuchs mehr. Die letzten Jugendlichen sind gerade in die Aktivmannschaft, die aus 23 Kameraden besteht, übergetreten. Mit einer besonderen Aktion und einer großen Probe im Juni wollen junge Feuerwehrleute nun für das Mitmachen bei der Feuerwehr Liel werben.

„Die Bürger, vor allem Neubürger, die vielleicht aus Städten nur eine Berufsfeuerwehr kennen und gar nicht wissen, wie wichtig eine funktionierende Freiwillige Feuerwehr ist, sollen ins Nachdenken kommen“, sagt der Lieler Abteilungskommandant Raphael Thoma.

Für alle Bürger ist eine funktionierende Freiwillige Feuerwehr im Notfall überaus wichtig. Ohne Nachwuchs aber sieht es nicht nur im Brandfall, sondern auch bei Unfällen in kleinen Orten wie Liel schlecht aus. Denn die Zeit, bis eine benachbarte Feuerwehr im Notfall vor Ort ist, würde sich unweigerlich verlängern. „Aus dem Internet haben wir eine recht drastische Idee aufgegriffen – die des Löscheimers“, verrät Chris Zimmermann.

Rote Löscheimer mit der Aufschrift „Haushaltslöschkübel“ haben die Feuerwehrleute im Internet bestellt. Es handelt sich also um eine andere Art von „Bucket Challenge“, schmunzeln die Floriansjünger. „Befüllt“ werden die Eimer nicht mit Wasser, sondern mit zwei auf Kartonpapier gedruckten Informationsblättern. Ein Infoblatt beschreibt das Verhalten im Brandfall mit der Anweisung, dass „das Gehirn eingeschalten“ werden soll, so die Feuerwehrleute. Das andere Blatt soll gezielt Jugendliche im Ort ansprechen und für das Mitmachen bei der Jugendfeuerwehr werben. 40 Löscheimer sollen im Dorf verteilt werden, speziell dort, wo jüngere Leute wohnen. „Wir wollen besonders junge Leute zwischen neun und 17 Jahren ansprechen – aber natürlich sind uns auch Erwachsene sehr willkommen, die sich vorstellen können, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren“, geben Alexander Grether und Raphael Löffler weiter. Die Proben bei der Feuerwehr bestehen nicht nur aus dem Erlernen von Wissen und Handgriffen, was im Brandfall oder bei technischen Einsätzen zu tun ist. „Wir haben auch generell ganz viel Spaß zusammen, und es sind natürlich auch Wettkämpfe und Freizeitangebote im Programm“, erläutert Thoma.

Art der Ansprache hat sich verändert

Früher sei es einfacher gewesen, junge Leute für die Feuerwehr zu begeistern, „das meiste hat über den Flurfunk, sprich die Mundpropaganda, funktioniert“, blickt Chris Zimmermann, stellvertretender Abteilungskommandant, zurück. „Mich hat mein Klassenkamerad angesprochen, ob ich nicht mitmachen will“, erinnert er sich.

Heute aber habe sich das Freizeitverhalten geändert – und auch die Ansprache. Meist kontaktiert man sich per Whatsapp, Twitter oder über Facebook. Das sei natürlich weniger persönlich als jemanden direkt „anzuquatschen“, bedauern die Feuerwehrleute, die übrigens berichten, dass in Liel jetzt auch junge Frauen in der aktiven Feuerwehr dabei sind. Dementsprechend setzt man auch auf interessierte Mädchen.

Insgesamt ist der Frauenanteil in den Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland auf über acht Prozent gestiegen. Auch im Markgräflerland gibt es in manchen Jugendfeuerwehren bereits rund ein Drittel Mädchen, die mitmachen.

Große Übung zum Kennenlernen

Am Samstag, 15. Juni, ist von der Feuerwehr Liel um 18 Uhr am Gerätehaus im Ort eine Übung geplant, zu der die Bevölkerung eingeladen ist, um „ihre“ Feuerwehr vor Ort besser kennenzulernen. „Wir werden unsere Fahrzeuge vorstellen, eine Löschübung initiieren und uns auch was zum Ausprobieren und Mitmachen ausdenken“, zählt Thoma auf. „Wir hoffen sehr, dass der eine oder andere sich dann überlegt, bei uns mitzumachen“, meint Chris Zimmermann.

Weitere Informationen: Wer mitmachen will, kann sich melden bei Alfred Zimmermann, Tel. 07635/1493, Raphael Löffler, Tel. 0160/94644390, oder per E-Mail an liel@jugendfeuerwehr-schliengen.de

Der Brandschutz wird in Deutschland nicht etwa durch eine Vielzahl von Berufsfeuerwehren, sondern durch die Freiwilligen Feuerwehren sichergestellt. Von 2000 Städten und Gemeinden haben nur 100 eine Berufsfeuerwehr. 70 Prozent der Bevölkerung aber werden nur durch Freiwillige Feuerwehren, also Frauen und Männer im Ehrenamt, betreut. Auch in Schliengen und Ortsteilen gibt es ausschließlich freiwillige Feuerwehrleute. 18 100 Jugendfeuerwehren mit rund 249 000 Mitgliedern gab es 2018 in Deutschland – einige wachsen, andere, vor allem in Gebieten mit Bevölkerungsschwund oder in Dörfern mit wenigen jungen Familien, haben immer weniger Nachwuchs.

Wer wissen will, wie die Freiwillige Feuerwehr funktioniert, kann dies in einem spannenden Artikel ausführlich nachlesen unter: www.feuerwehrmagazin.de/wissen/so-funktioniert-feuerwehr-in-deutschland-77805

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