Schliengen Neue Anlage für 1,2 Millionen Euro

Silke Hartenstein
Geschäftsführer Heiko Schapitz (l.) und der Erste Kellermeister Michael Nußbaumer stoßen auf die neue Traubenannahme an. Im Hintergrund ist eine Reihe weißer Quetschventile zu sehen. Foto: Silke Hartenstein

Die Erste Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim hat für ihre neue Traubenannahme 1,2 Millionen Euro in die Hand genommen. In gut drei Wochen, wenn die Weinlese 2022 beginnt, soll sie erstmals zum Einsatz kommen.

Von Silke Hartenstein

Schliengen. „Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen, dass wir eine der größten Herausforderungen für die nächsten fünf Jahre jetzt bewältigt haben“, freute sich Geschäftsführer Heiko Schapitz bei der Einweihungsfeier am Samstag.

Pro Stunde 45 Tonnen

Nahezu ein Jahr dauerten die Arbeiten. Nun feierten Aufsichtsräte, Vorstände, Mitarbeiter und am Bau beteiligte Handwerker kurz vor den dreiwöchigen „Füllferien“ der WG Schliengen-Müllheim die neue Anlage. Diese erstreckt sich über drei Stockwerke und kann pro Stunde bis zu 45 Tonnen verarbeiten, allein die Annahmewanne fasst 15 Tonnen. Eine Förderschnecke transportiert die Weinbeeren in die Abbeermaschine, wo die Rappen (Stiele) von den Beeren getrennt werden. Die Beeren werden auf zwei je 3,5 Tonnen tragenden Wiegezellen gewogen und der Zuckergehalt gemessen. Aus den Rappen und abgepressten Beerenschalen entsteht übrigens Energie, sie kommen in die Biogasanlage im Gewerbepark Breisgau.

Auch Bahlinger Trauben

Das Traubengut der WG-Mitglieder wird von 7 bis etwa 20 Uhr in Schliengen angenommen. Übrigens auch das der Winzer aus Bahlingen am Kaiserstuhl, die seit der Fusion 2011 zur Schliengener WG gehören.

Seit 2018 arbeiten Schapitz und der erste Kellermeister Michael Nußbaumer in der WG. Ihnen beiden, so Schapitz in seiner Ansprache, sei seit ihrer jeweilig ersten Woche im Unternehmen klar gewesen, dass die veralteten Abbeermaschinen schnellstmöglich ersetzt werden mussten.

Es habe indes länger gedauert, bis sich drei Anlagenbauer getraut hätten, ein Angebot im Altbestand des Gebäudes vorzulegen. „Besonders statische Fragen können einem da ganz schön den Spaß verderben“, meinte Schapitz, und: „Die Firma Scharfenberger war ein Glücksfall.“

Etliche Hindernisse

Das System der Maischeleitungen stammt von der Firma Destill-Tech, für die Planung holte man die Architekten Lenz Frings Partner mit ins Boot, für die Abriss- und Handwerkerleistungen Firmen aus der Region. Ihnen allen dankte Schapitz für ihre Extra-Einsätze. Etliche Hindernisse mussten überwunden werden: Der blockierte Suezkanal sorgte für lang anhaltende Materialengpässe, infolge der Lockdowns in Shanghai und China wurden verschiedene Elektronikbauteile nicht produziert oder hingen in einem Hafen fest, und durch die Corona-Pandemie fielen hierzulande zeitweise ganze Handwerkerteams aus. Dazu kamen die Bürokratie – hier ging es auch um die EU-Förderung in Höhe von 200 000 Euro – und der Krieg in der Ukraine.

Wie sich die wirtschaftliche Gesamtlage entwickeln werde, wisse man nicht genau, so Schapitz, doch er sei davon überzeugt: „Wir haben den letztmöglichen Zeitpunkt gewählt. Die Auswirkungen der Inflation werden sich kurzfristig nicht mehr umdrehen, die Zinsen werden nicht wieder nach unten gehen und die EU braucht die Zuschusstöpfe für wichtigere Vorhaben.“

Wirtschaftlich besser

Zur wirtschaftlichen Situation der WG stellte er fest, dass man mit der Abschreibung der Investitionssumme plus der Zinsen für die Finanzierung wirtschaftlich besser fahren werde. Zudem seien mit der alten Anlage jährlich wiederkehrende hohe Reparaturkosten, höhere Energiekosten und die Kosten des Anlage-Stillstands verbunden gewesen. Auch brauche man fortan weniger, immer schwieriger zu findende Saisonarbeiter. „Die nächsten Jahre werden für den Markgräfler wie für den Badischen Weinbau kein Spaziergang“, prophezeite Schapitz.

Wieder gefragt

Was die WG Schliengen-Müllheim betrifft, befindet sie sich offenbar wieder in ruhigerem Fahrwasser. Dies wurde bei der Hauptversammlung der Genossenschaft im April deutlich. Aktuell sagte der Erste Kellermeister Nußbaumer auf Anfrage: „Wir merken bei all den Sommerfesten, wie der Wein wieder gefragt ist“.

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