Schliengen/Freiburg - Der Fall schlägt in den sozialen Netzwerken hohe Wellen: Eine Mutter hat am Sonntagnachmittag einen selbstverfassten Fahndungsaufruf auf Facebook gepostet.

Mutter fahndet nach mutmaßlichem Täter auf Facebook

Darin schrieb sie, dass ihre Tochter im Zug von Freibug nach Schliengen sexuell belästigt worden sei. Angehängt waren auch drei Fotos des mutmaßlichen Täters. Zu sehen war ein dunkelhäutiger Mann, der im Zug sitzt. „Wer kennt diesen Mann?“, schrieb die Mutter zu dem Beitrag, der sich in der Folge rasend schnell verbreitete. Bereits am Montagnachmittag war er mehr als 10.000 Mal geteilt worden – bis die Polizei dem schließlich einen Riegel vorschob.

Polizei warnt: Fotos veröffentlichen   ist   eine   Straftat

Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte die Polizei Freiburg am Montagnachmittag ihrerseits einen Eintrag zum Thema „Öffentlichkeitsfahndung durch Privatpersonen“, wobei die Behörde deutlich machte: „So nicht!“. Angehängt war ein stark verpixeltes Bild des ursprünglichen Posts, auf dem kaum mehr etwas zu erkennen war. Dazu erklärte die Polizei: „Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass das Veröffentlichen von Portraitfotos ohne Einverständnis des Abgebildeten eine Straftat darstellt und auf Strafantrag durch die Polizei verfolgt wird. Die Öffentlichkeitsfahndung im Internet samt Lichtbild des Gesuchten obliegt der Polizei und Staatsanwaltschaft und wird nach Beschluss eines Gerichts durchgeführt. Auch das Teilen eines entsprechenden Beitrags kann bereits eine Veröffentlichung darstellen.“

Es sei der Punkt erreicht gewesen, „alle Nutzer einmal über die Rechtslage zu informieren“, meinte dazu Polizei-sprecher Jerry Clark auf Nachfrage unserer Zeitung. Vieles werde einfach gedankenlos geteilt, ohne dass sich der Nutzer Gedanken macht oder bewusst sei, dass es sich um eine Straftat handeln könnte.

Auch die Resonanz auf den Post der Polizei war gigantisch: Bis Dienstagnachmittag wurde er mehr als 1000 Mal kommentiert.

Polizei ermittelt wegen sexueller    Belästigung

Der Post der Mutter wurde zwischenzeitlich gelöscht, bestätigte Katharina Keßler von der Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein. Dort laufen die Ermittlungen zu der mutmaßlichen sexuellen Belästigung. Mutter und Tochter hätten bereits ihre Aussagen getätigt, berichtet sie. Bereits am Sonntag habe die Mutter die Polizei kontaktiert.

Aus ermittlungstaktischen Gründen, und um die weiteren Maßnahmen nicht zu gefährden, will die Bundespolizei zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte geben. Die Sprecherin verweist dabei auch auf Gründe des Opferschutzes.