Schliengen Schicksale, die bewegen

Die Geschwister Sara und Abdoullah Al Zoubi aus Syrien berichten von ihrer Heimat, im Hintergrund Bayan Alhusein. Foto: Dorothee Philipp

Schliengen - Begegnungen sind die wichtigste Zutat für das Gelingen von Integration. „Begegnungen“ lautete deshalb auch das Motto eines interkulturellen Abends, zu dem der Schliengener Helferkreis ins Bürger- und Gästehaus eingeladen hatte.

Das Programm gestalteten Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, und Mitglieder der Helferkreise Schliengen und Kandern gemeinsam. Die Idee kam aus Kandern, wo das Programm auf eine große Resonanz gestoßen war, berichtete Michaela Fohmann vom Schliengener Helferkreis. Bei einem Telefonat mit der dortigen Helferin Angela Schellhorn sei spontan der Entschluss gefasst worden, den Abend auch in Schliengen anzubieten. Es mussten noch Stühle gebracht werden, so groß war der Andrang.

Bayan Alhusein, eine junge Schülerin aus Aleppo, hat nur deshalb überlebt, weil sie an dem Tag, an dem ihre Schule zerbombt wurde, zu spät aufgestanden war. „Ich komme aus einer Heimat, die in Trümmern liegt“, sei die Antwort auf die immer zuerst gestellte Frage „Woher kommst du?“. Ihre Aufzeichnungen über das verlorene Paradies berührten alle im Saal. Der Saz-Spieler und Sänger Samano Altahir und die Sängerin und Gitarristin Anna Gelhaar schufen mit ihrer Musik Räume, in denen sich Gedanken und Stimmungen frei entfalten konnten.

Gefühle und Bilder, beschrieben in Arabisch, Kurdisch, Französisch, Englisch oder sogar Esperanto, fanden ihren Weg auch ohne Übersetzung in die Herzen der Zuhörer. Norbert Hagemann aus Kandern zitierte einen Text, in dem der 1983 geborene regimekritische äthiopische Journalist Addis Mulugeta das Wechselbad aus Angst und Hoffnung beschreibt, in dem die Geflüchteten hier in Deutschland leben. Viele beten, bevor sie zum Termin bei der Behörde antreten. Die Angst, etwas falsch zu machen, einen Stichtag zu versäumen, eine Frage nicht zu verstehen, ist ständiger Begleiter dieser Menschen.

Und nicht unberechtigt, wie der nachfolgende Beitrag drastisch belegte: Gerlinde Kern las einen Leserbrief des Britzinger „Hirschen“-Wirts Martin Schumacher vor, der einen Mitarbeiter aus Gambia eingestellt hatte. Wie man sich aneinander gewöhnt, sich schätzen gelernt hatte und gut zusammenarbeitete, bis der Tag kam, an dem der junge Mann in Handschellen wie ein Verbrecher abgeführt und dann abgeschoben wurde. Zwei Wochen vor Weihnachten 2018, offenbar, um eine Quote zu erfüllen. „Ich schäme mich für Deutschland“, schrieb der „Hirschen“-Wirt.

Geschwisterpaar erzählt aus seinem Leben

Das Geschwisterpaar Sara und Abdoullah Al Zoubi zitierte ein Gedicht über Damaskus des syrischen Dichters Nizar Qabbani, Sara im Originaltext und Abdoullah in einer eigenen Übersetzung. Beide berichteten, wie es Abdoullah mit seinem Vater gelang, übers Meer aus dem zerstörten Syrien zu fliehen. Zwei Jahre später konnten die Mutter und die vier Schwestern nachgeholt werden. „Die Deutschen haben uns sehr geholfen, sonst wären wir gestorben“, sagten die beiden.

Das Motto des Abends „Begegnungen“ ging nach dem Programm vollkommen auf: Helferkreis und Migrantinnen hatten für eine kleine Bewirtung mit Tee und orientalischem Gebäck gesorgt, und so kamen noch viele gute Gespräche zustande.

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