Von Alexander Anlicker

Knapp eine Million Schüler an 3490 Schulen haben sich deutshchlandweit anlässlich der Bundestagswahl an der Juniorwahl 2017 beteiligt. Darunter waren auch die Schüler der Schliengener Hebelschule die bereits am Freitag zur Wahlurne schritten. Ebenfalls mit dabei waren unter anderem die Theodor-Heuss-Realschule und das Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach, das Georg-Büchner-Gymnsasium in Rheinfelden sowie die kaufmännischen Schulen in Müllheim.

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An der Hebelschule waren am vergangenen Freitag die Schüler der siebten bis zehnten Klasse zur Wahl aufgerufen.

9 Uhr: Bereits in der ersten von zwei großen Pausen bildete sich eine lange Schlange in dem Klassenzimmer, das als Wahllokal auserkoren war. Darin waren zwei Wahlkabinen, die Schutz vor neugierigen Blicken gaben und eine geheime Wahl ermöglichten. An zwei Tischen saßen die Wahlhelfer aus der zehnten Klasse, am ersten Tisch mussten die Schüler ihre Wahlbenachrichtigung oder ihren Schüler- beziehungsweise Personalausweis vorlegen. Die Wahlhelfer verglichen die Personalien mit dem Eintrag im Wählerverzeichnis und händigten dann den Stimmzettel aus. Nach dem Kreuzchen machen wurde der gefaltete Wahlzettel am zweiten Tisch in die Wahlurne geworfen.

Alles wie bei einer richtigen Wahl

Mit Wahlurnen, Wahlzetteln und Wahlbenachrichtigungen, die vor der Wahl an die Schüler verschickt wurden, war alles ganz so wie bei der „großen“ Bundestagswahl. Wählen durften rund 200 Schüler von der siebten bis zehnten Klasse.

Als Wahlleiterin beobachtete Zehntklässlerin und Schülersprecherin Meike Wessel den Wahlvorgang. „Ich beaufsichtige, dass alles mit rechten Dingen zugeht, beispielsweise, das niemand während dem Wählen neben der Wahlkabine steht“, erklärte sie auf Nachfrage. Darüber hinaus beantwortete sie Fragen der Wähler und Wahlhelfer. Auf die Frage nach Problemen antwortete sie: „Nein, es gab noch keine Probleme – nur ein Stift wurde aus der Wahlkabine geklaut.“ Nach der Schließung des Wahllokals wird sie die Urne versiegeln und später die Auszählung überwachen.

Es habe keine Probleme gegeben Wahlhelfer zu finden, erklärt Angelika Hahnenfeld. Aus ihrer zehnten Klasse haben sich alle Schüler freiwillig gemeldet. Drei Gruppen waren in drei Schichten als Wahlhelfer eingesetzt, die vierte Gruppe, mit Schülern die nicht auf den Bus mussten, wurde nach Schulende ausgezählt – auch das öffentlich, wie bei einer richtigen Wahl.

Angeregt wurde das klassenübergreifende Projekt zum Schulstart von den Gemeinschaftskundelehrerinnen Angelika Hahnenfeld und Christina Aniol. Je nach Altersstufe unterschiedlich intensiv haben sich die Schüler im Gemeinschaftskundeunterricht auf die Bundestagswahl vorbereitet. Die Zehntklässler haben beispielsweise die Wahlprogramme der großen Parteien analysiert und die wichtigsten Aussagen auf Plakaten illustriert. Die Neuntklässler haben besprochen, wie die Bundestagswahl funktioniert, was Erst- und Zweitstimme bedeuten, und dazu passende Erklärvideos gedreht.

Neben der Beschäftigung mit den Parteiprogrammen haben sich die Schüler überlegt, wie eine eigene Partei aussehen müsste, die ihre Interessen vetritt. So entstanden originelle Wahlplakate für fiktive Parteien, wie „Die bessere Partei“ oder die „Partei für Weltfrieden“.

Im Deutschunterricht mit den Neuntklässlern sei es darum gegangen zu argumentieren, berichtet Aniol. Als Aufgabe hierfür haben sich die Schüler das Thema „Wahlrecht ab 14 Jahren“ ausgesucht.

Für die Schule sei der Gemeinschaftsaspekt bei diesem Projekt wichtig, unterstreicht Aniol und verweist auf die am nächsten Freitag stattfindende Schülervollversammlung, wo eine Gruppe die Ergebnisse der Juniorwahl präsentieren wird.

Die Flüchtlingskinder, weiß Hahnenfeld aus vorbereitenden Gesprächen im Unterricht, würden überwiegend die CDU wählen. Aus Dankbarkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für viele dieser Kinder eine Heldin.

Bundesweit lag die Beteilung bei der Juniorwahl bei 83,1 Prozent. Spitzenreiter bei den entscheidenden Zweitstimmen ist die CDU mit 27 Prozent, gefolgt von SPD mit 19,3 und den Grünen mit 17,9 Prozent. Die FDP erhielt 8,8 Prozent der Stimmen, die Linke 7,3 Prozent. Aber auch die AfD hätte mit sechs Prozent den Einzug in den Bundestag geschafft.

Das Direktmandat im Wahlkreis Lörrach-Müllheim geht auch bei der Juniorwahl an den CDU-Kandidaten Armin Schuster.

Hintergerund der Juniorwahl

Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass sich die Wahlbeteiligung der beteiligten Eltern erhöhte, ebenso wie die Beteiligung unter Erstwählern. Zudem sank der Anteil der Nichtwähler von 22 auf unter sieben Prozent. In Baden-Württemberg haben sich rund 83 000 Schüler an 361 Schulen beteiligt.

Wie haben die Schliengener Schüler abgestimmt?

  Wahlbeteiligung: Von 202 Schülern haben 167 Schüler ihre Stimme abgegeben. Das entspricht einer Wahlbeteiligung vom 82 Prozent.

  Ungültige Stimmen: 6

  Erststimme: Armin Schuster (CDU) 64 Stimmen (39,8 Prozent), Jonas Hoffmann (SPD) 30 (18,6 %), Gerhard Zickenheiner (Grüne) 24 (14,9 %), Christoph Hoffmann (FDP) 16 (9,9 %), David Trunz (Die Linke) 11 (6,8 %), Wolfang Fuhl (AfD) 12 (7,5 %), Sabine Schumacher (Piraten) (2,5 %)

  Zweitstimme: CDU 49 (30,6 %), SPD: 24 (15,0 %), Grüne 39 (24,3 %), FDP 5 (3,1 %), Die Linke 16 (10,0 %), AfD 17 (10,6 %), Piraten 2 (1,3 %), Sonstige 8 (5 %)