Schliengen Schliengen in die Zukunft führen

Das Interesse an der Vorstellung der Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Schliengen war am Montagabend enorm. Etliche Bürger gaben sich im voll besetzten Bürger- und Gästehaus mit Stehplätzen zufrieden, um sich ein Bild von vier der fünf Kandidaten zu machen.

Von Ingmar Lorenz

Schliengen. Denn Sebastian Weil, der sich neben Christian Renkert, Claus Weichel, Claus Czisla und Simone Penner am 1. Dezember zur Wahl stellt, hatte seine Teilnahme an der Kandidatenvorstellung am Montag ohne Angabe von Gründen abgesagt.

Bürgermeister Werner Bundschuh übernahm die Moderation. 15 Minuten habe jeder der Teilnehmer Zeit, sich und seine Ideen zu präsentieren. Anschließend bestehe für eine weitere Viertelstunde die Gelegenheit, den Kandidaten Fragen zu stellen, erklärte Bundschuh das Prozedere.

Entsprechend der zeitlichen Folge, in der die Bewerbungen eingegangen waren, trat zunächst Kandidat Christian Renkert ans Mikrofon.

Der amtierende Bürgermeister von Kandern ließ zunächst die Stationen seiner beruflichen Laufbahn Revue passieren. Seine Tätigkeit als Jurist hatten ihn unter anderem nach Stuttgart und an die Universität Rostock geführt, bevor er vor rund sieben Jahren erfolgreich für das Amt des Kanderner Bürgermeisters kandidierte. Durch seine langjährige Tätigkeit im Kreistag sei er in der Position, mitgestalten zu können. „Davon soll Schliengen profitieren“, erklärte Renkert seine Motivation. Zudem habe er als „Schliengener Urgewächs“ eine Verbundenheit mit der Heimat, die er nicht missen will.

Der aus Münster stammende Claus Weichel erklärte, dass ihn seine berufliche Tätigkeit unter anderem zu großen Pharmakonzernen und zur Bundesopiumstelle in Berlin geführt hatten. Seit acht Jahren wohnt er mit seiner Familie in Mauchen. Er wolle als Bürgermeister vor allem auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern setzen, um neue Ideen zu entwickeln.

Claus Czisla stellte seine beruflichen Erfahrungen im Bereich Management und Logistik vor. Als Pensionär wolle er nun durch seine angestrebte Tätigkeit der Gesellschaft etwas zurückgeben. Er stehe für einen Neuanfang in Schliengen, wobei er nicht alles radikal ändern, sondern in erster Linie auf die Vorschläge der Bürger hören wolle.

Simone Penner stellte ihre Erfahrungen aus ihrer Tätigkeit als Architektin vor. Durch berufliche Stationen unter anderem in der Kanderner Ortsverwaltung und im Landratsamt Lörrach sei sie mit Verwaltungsfragen gerade im Bereich Bau vertraut. Auch ihr langjähriges Engagement im Schliengener Gemeinderat komme ihr zugute. Als Rathaus-Chefin wolle sie aber auch vermitteln und zuhören, um die Zukunft Schliengens zu gestalten, betonte Penner.

Er kenne als Bürgermeister von Kandern die Arbeit mit den Leuten, betonte Christian Renkert. „Ich weiß, wie Bürgerdialog funktioniert.“

Zudem sei er durch seine Tätigkeit – auch im Kreisrat – bestens vernetzt. Das sei nicht zuletzt auch für die Beschaffung von Fördergeldern zentral.

In Zukunft wichtig seien in Schliengen die Themen Mobilität, Siedlungsentwicklung und Landschaftserhaltung. Das Bahnhofsareal schreie zudem nach einer Aufwertung.

Auch den Forst müsse man in Schuss halten. Die Personalentwicklung der Verwaltung sei aus seiner Sicht zudem von entscheidender Bedeutung. „Das ist Chefsache.“

Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärte Renkert, dass er am bisherigen Schulsystem in Schliengen und den Ortsteilen festhalten wolle. Mit Blick auf die Sekundarstufe gebe es entsprechende Strukturen im Kreis, die man nutzen könne.

Claus Weichel freute sich über die Vielzahl der Bewerber für das Bürgermeisteramt in Schliengen. „Das ist gut für die Demokratie.“

In seiner beruflichen Laufbahn habe er viel Verantwortung getragen. Das Amt des Bürgermeisters sei fordernd, aber zugleich eine Passion.

„Wir müssen uns neu erfinden“, sagte Weichel. Auch wenn es der Gemeinde gut gehe, müsse man die Zukunft im Auge behalten. Dazu wolle er in erster Linie auf die Zusammenarbeit mit den Bürgern setzen, etwa durch die Einrichtung sogenannter Kompetenzteams. „Ich lade Sie zur Mitarbeit ein“, sagte Weichel in Richtung des Publikums. Seine Aufgabe als Bürgermeister sehe er dann unter anderem darin, abzuwägen, welche der Vorschläge etwa mit Blick auf die Finanzen umsetzbar seien.

Den Ortschaftsräten wolle er nicht einfach Beschlussvorlagen auf den Tisch legen, sondern deren Vorschläge aufgreifen, erklärte Weichel auf Nachfrage.

Das Markgräflerland sei eine der schönsten Gegenden Deutschlands, betonte Claus Czisla. Dieses Potenzial könne Schliegen noch besser nutzen. Als Bürgermeister von Schliengen wolle er sich dafür einsetzen, die Entwicklungen in der Gemeinde weiter voranzubringen.

Es sei zu beobachten, dass Parteipolitik in der Bevölkerung eine immer geringere Rolle spiele. Stattdessen wollen die Bürger, dass schlicht die Probleme gelöst werden.

Er stehe für den Neuanfang in Schliengen und wolle eigene Schwerpunkte setzen. Etwa die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden könne aus Sicht von Czisla in Zukunft noch ausgeweitet werden.

Auch eine intensivere Zusammenarbeit mit Frankreich und der Schweiz strebe er an.

Zudem müsse die Attraktivität in Schliegen für den Mittelstand erhöht werden. Dazu gehöre auch, vermehrt für Arbeitsplätze im Ort zu sorgen.

Obwohl Schliengen in vielen Bereichen gut aufgestellt sei, gelte es, die weiteren Entwicklungen genau zu beobachten, erklärte Simone Penner. Teilweise würden die Handlungsspielräume enger. „Ich nehme die Herausforderungen aber gerne an.“

Bei vielen Projekten sei eine enge Abstimmung aller Beteiligten erforderlich. Durch ihre langjährige Erfahrung sei sie dabei eine kompetente Ansprechpartnerin.

Die Zusammenarbeit mit den Vereinen will Penner als Bürgermeisterin weiter stärken. „Denn die Vereine sind das Rückgrat.“

Auf Nachfrage erklärte die Kandidatin, dass mit Blick auf die Auslastung der Sporthalle neue Räumlichkeiten aus ihrer Sicht zunächst nicht notwendig seien. Es gelte vielmehr, die bereits vorhandenen Strukturen besser zu nutzen.

Auch die Jugend wolle sie verstärkt in den Blick nehmen, etwa durch die Einrichtung eines Jugendrats, erklärte Penner.

Schliengen (ilz). Alle Kandidaten gingen auf das Thema ÖPNV ein. Christian Renkert sprach sich dafür aus, die Busfrequenzen hochzufahren. Die Reisen müssten auskömmlich und die Versorgung gut sein.

Man könnte Rufbusse einrichten, schlug Claus Weichel vor. Dabei könnten die Bürger sich relativ spontan via Telefon oder App für eine Fahrt anmelden. „Die Technik ist da.“ Die Kosten bezifferte Weichel mit 80 000 Euro pro Jahr. Sein Fazit: „machbar“.

Auch Claus Czisla sprach sich für einen Ausbau des ÖPNV aus. Eine bessere Taktung sei nötig.

Aus Sicht von Simone Penner sei beim Thema ÖPNV besonders die Anbindung der Ortsteile wichtig. „Die Abschaffung einer ganzen Linie ist nicht tragbar.“

Schliengen (ilz). Auch die Ortsentwicklung war im Lauf der Kandidatenvorstellung ein zentrales Thema. Simone Penner erklärte, sie wolle sich als Bürgermeisterin dafür einsetzen, dass die Gewerbeflächen in der Gemeinde ausgebaut werden. Und zwar persönlich. „Das ist Chefsache.“

Christian Renkert betonte, dass es ihm ein wichtiges Anliegen sei, erschwingliches Bauland sowohl für hiesige als auch auswärtige Familien auszuweisen. Dabei gelte es jedoch zugleich, mit der Ressource Land verantwortungsvoll umzugehen. „Wir müssen den Flächennutzungsplan sorgfältig entwickeln.“ Auch das Gewerbe müsse sich ausweiten können, so Renkert.

Claus Czisla sprach sich dafür aus, möglichst bereits versiegelte Flächen zu bebauen.

Schliengen (ilz). Sowohl in den Reden der Kandidaten als auch in den Fragen der Bürger wurden die Themen Landwirtschaft und Naturschutz vermehrt angesprochen. Auf Nachfrage erklärte Christian Renkert, dass hinsichtlich der Zukunft der Forstwirtschaft derzeit alle Gemeinden vor Herausforderungen stünden. „Vieles wird künftig in den Waldumbau gehen“, erklärte Renkert, dass aus seiner Sicht mit finanziellen Einbußen gerechnet werden müsse. Um dem Klimawandel zu begegnen, könne Schliengen künftig vermehrt auf den Ausbau von Solarenergie setzen.

An Claus Weichel richtete sich die Frage, wie er zum Thema „Pro Biene“ stehe. Der Entwurf sei aus seiner Sicht zu radikal, so die Antwort des Kandidaten. Denn der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei gerade im Weinbau notwendig und werde von den Landwirten schon sehr restriktiv gehandhabt.

Auch Simone Penner bezog diesbezüglich klar Stellung: „Ich stehe hinter den Landwirten.“ Naturschutz und Landwirtschaft müssten im Einklang stehen.

Claus Czisla erklärte, dass sich das Klima schneller ändere, als gedacht. „Das müssen wir unter Einbeziehung aller Akteure angehen.“

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