Schliengen Schlingnattern beziehen Quartier

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Die im Jahr 1988 gegründet Arbeitsgruppe Naturschutz Markgräflerland (ANM) hat in den vergangenen 34 Jahren mehr als 80 Hektar Biotopflächen erworben und zusätzlich etwa 25 Hektar zur Pflege übernommen.

Schliengen-Eggenertal. Als „Nebenprodukt“ der Landschaftspflege ist die ANM auch im Weinbau tätig. Auf den 0,5 Hektar Rebflächen vorrangig in Liel und Niedereggenen gilt die Aufmerksamkeit der inzwischen seltenen Rebbegleitflora und historischen Trockenmauern als besonderen Kulturlebensräumen.

Kürzlich trafen sich trotz hochsommerlicher Temperaturen einige Naturschutzwarte des Schwarzwaldvereins, Bezirksvorsitzender Helmut Müller und Ortsvorsteher Timo Hemmer, um die 2020/21 wieder erneuerte Trockenmauer unterhalb des Fasnachtsfeuerplatzes von Niedereggenen einzuweihen.

Angelika Hofer-Hermann, die Vorsitzende der ANM, freute sich darüber, dass eine weitere, besonders schöne und hohe Mauer wieder dem Dornröschenschlaf entrissen werden konnte. In den knapp 20 Jahren Engagement konnte viel für Erhalt, Reparatur und Wiederaufbau der am Freudenberg im 19. Jahrhundert aus Gründen der möglichst weitgehenden Ausnutzung der Landschaft für die Nahrungsmittelproduktion errichteten Trockenmauern getan werden.

Seit den 1950er Jahren sind die steilen und nur in mühevoller Handarbeit zu bewirtschafteten Rebterrassen großteils brach gefallen und die Trockenmauern infolge fehlender Pflege überwuchert, durch Pflanzenwurzeln gesprengt und teilweise ganz verfallen.

Stück für Stück wurden in den vergangenen Jahren die Mauern wieder instandgesetzt, nachdem Günter Braun, der Gründer der ANM, den Hang Ende der 1990er Jahre entdeckt und das herausragende Potenzial als Lebensraum für zahlreiche, im Markgräflerland seltenen Tier- und Pflanzenarten gesehen hat. Seither konnte der historische durch Trockenmauern gegliederte Freudenberg wieder zu einem markanten Landschaftsteil mit hohem Naherholungswert und artenreichen Lebensräumen entwickelt werden.

Die ANM und ihr langjähriger Partner, Landwirt Erich Rütschle aus Adelhausen, konnten die Mauer am Fasnachtsfeuer, deren unterer Teil zunächst ausgegraben werden musste, zum größeren Teil mit Kalkbruchsteinen von einem Abbruch in Liel instandsetzen. Die Arbeiten wurden zu 70 Prozent beziehungsweise mit 13 633 Euro vom Landratsamt Lörrach gefördert.

Als Besonderheit haben dort die ersten Schlingnattern inzwischen Quartier bezogen. Aber auch für Eidechsen, Vögel und Insekten bieten die Hohlräume Nist-, Rückzugs- und Winterquartiere. Dies erfordert allerdings, dass die Trockenmauern entsprechende Hohlräume aufweisen, was bei der traditionellen Bauweise, die einem Puzzlespiel ähnelt – allerdings ohne vorgefertigt passende Steine – regelmäßig der Fall ist.

Werden Trockenmauern mit exakt behauenen und ohne Maschinen nicht zu bewegenden, rechteckigen Steinen realisiert, ist der Biotopwert für Tiere kaum noch vorhanden, weil größere Hohlräume und Ritzen fehlen.

Nach einem kleinen Rundgang mit Erläuterungen zum Rebberg und seinen Lebensräumen endete die Einweihung der Trockenmauer am Fasnachtsfeuerplatz. Dort zeigte sich Ortsvorsteher Timo Hemmer erfreut über die instandgesetzte Mauer und bedankte sich für das Engagement der ANM. Die Teilnehmer genossen bei einem Gläschen Wein mit selbst gemachtem Speckbrot und regem Austausch die wunderbare Aussicht auf Eggenertal und Blauen.

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