Schliengen - In einer nach wie vor sehr schwierigen Situation befindet sich die Erste Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim. Doch nun rechnet Geschäftsführer Heiko Schapitz mit besseren Zeiten.

Dies wurde bei der gut besuchten Generalversammlung für das Geschäftsjahr 2017/18 deutlich, die am Mittwochabend im Bürger- und Gästehaus in Schliengen stattfand. Rund 130 abstimmungsberechtigte Winzer waren vor Ort. Eine offizielle Einladung für die Presse hatte es dazu übrigens – wieder einmal – nicht gegeben.

Rund 100 Hektar weniger

Zu schaffen machen der WG unter anderem die schrum­pfenden Rebflächen durch Kündigungen von Mitgliedern. Rund 100 Hektar gingen der Genossenschaft offenbar in den vergangenen Jahren verloren.

Auszahlungspreise

Nach Informationen unserer Zeitung sank die Zahl auf Schliengener Gemarkung von 197 auf 95 Hektar. In Bahlingen wurde ein Rückgang von 118 auf 26 Hektar verzeichnet. Dazu kommen 47 Hektar von Weingarten. Damit sank die Gesamtfläche von rund 362 auf 268 Hektar. Auf der Homepage der WG ist die Rebfläche indes noch mit rund 380 Hektar angegeben. Die Kündigungsfrist der Flächen für die Winzer beträgt drei Jahre.

Der Weggang der vielen Winzer hängt mit den Auszahlungspreisen zusammen: Nach 5000 Euro für den Jahrgang 2016 lag der durchschnittliche Auszahlungspreis für den Jahrgang 2017 nun lediglich noch bei rund 4100 Euro pro Hektar – ein Tiefstand. Und er wäre noch niedriger ausgefallen, wenn nicht eine halbe Million Euro aus dem Verkauf des Müllheimer Kellereigebäudes in die Auszahlung geflossen wäre. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 betrug das Traubengeld noch 10 000 Euro pro Hektar.

Einsparungen

Der Umsatz der WG ist nach Informationen unserer Zeitung um 1,5 Millionen Euro auf 6,8 Millionen Euro zurückgegangen. Positiv sei indes, dass durch Betriebseinsparungen rund 650 000 Euro eingespart werden konnten.

Der Prüfungsverband hatte in seinem Bericht festgehalten, dass der Umsatz-Rückgang nicht akzeptabel sei. Als „nicht zufriedenstellend“ wurden auch die Betriebsstruktur und der Auszahlungspreis bewertet.

Bessere Zeiten in Sicht

Die Geschäftsführung zeigte sich dennoch optimistisch, dass wieder bessere Zeiten anbrechen. So stellte Geschäftsführer Schapitz, der seit August im Amt ist, den Winzern für das kommende Jahr einen Auszahlungspreis von rund 7000 Euro in Aussicht. Er stützte seinen Optimismus auf die neu eingeleiteten Strukturen und die bereits erfolgten Maßnahmen. Nichtsdestotrotz stünden Winzern und WG zwei weitere schwere Jahre bevor.

Transparenz bei Zahlen

Auf positive Resonanz stießen bei den Mitgliedern das transparente Vorgehen und der Umstand, dass Schapitz die Zahlen so offen kommunizierte.

Die Mitglieder stimmten dem Jahresabschluss mit deutlicher Mehrheit zu. Aufsichtsrat und Vorstand wurden – bei Gegenstimmen – schließlich entlastet.

Lämmlin verabschiedet

Im Rahmen der Versammlung wurde der langjährige Vorstandsvorsitzende Hans Lämmlin aus Altersgründen verabschiedet. Sein Nachfolger ist sein bisheriger Stellvertreter Siegfried Ernst aus Bahlingen.

Vorgestellt hat sich zudem der neue Kellermeister Michael Nussbaumer, der von der Winzergenossenschaft Britzingen nach Schliengen wechselt. Er hat beim damaligen Kellermeister Hermann Zenzen gelernt.

Die WG Schliengen hatte in den vergangenen Jahren eine hohe Mitarbeiterfluktuation zu verkraften, auch beim Posten des Kellermeisters. Hier gab es 2018 zwei Kündigungen.