Schliengen-Niedereggenen - Im 99. Lebensjahr starb am 6. Februar die derzeitige Niedereggener Dorfälteste Helene Hurst nach längerem Aufenthalt im Müllheimer Elisabethenheim. Am 22. Mai wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Viele Höhen und Tiefen durchschritt sie in ihrem langen, arbeitsreichen Leben. Der Kirche sehr verbunden, gehörte Helene Hurst einige Zeit auch dem Kirchengemeinderat an.

Auf dem alteingesessenen Zangerschen Bauernhof wuchs Helene Hurst zusammen mit weiteren Geschwistern auf. Nachdem ihr Ehemann 1939 im Fronteinsatz getötet wurde, absolvierte sie beim DRK entsprechende Kurse zur Schwesternhelferin und wurde daraufhin ebenfalls einberufen.

Im Lazarett in Badenweiler lernte sie den verwundeten Soldaten Willi Hurst aus Vögisheim kennen, den sie bald nach Kriegsende heiratete. Mit ihm zusammen hatte sie eine Tochter und zwei Söhne und bewirtschaftete den elterlichen Hof, den später der älteste Sohn übernahm. Der Ehemann starb 1999.

Brisant und gefährlich zugleich war eine Begebenheit bei Kriegsende, als oberhalb des Zangerschen Anwesens mit einem Jeep französische Soldaten zu einem Getreidefeld fuhren, um dort den Landwirt Hermann Reichert festzunehmen, ihn aber nach gründlichem Verhör wieder freiließen. Dessen Ehefrau und Tochter schrien lautstark um Hilfe, wie sich Helene Hurst erinnerte. Auf Anraten ihres Vaters rannte sie daraufhin verzweifelt hinüber ins Pfarrhaus zu Pfarrer Otto Meyer. „Wir beide haben wie verrückt mit den Kirchenglocken ,Sturm’ geläutet“, wusste Helene Hurst später zu berichten. Eine mutige Aktion, die damals leicht hätte „ins Auge“ gehen können, war man sich nachträglich im Dorf sicher.

Die Trauerfeier für Helene Hurst mit anschließender Beisetzung findet am heutigen Montag, 11. Februar, 14 Uhr, in der Niedereggener Kirche statt.