Schliengen Wenn der Standesbeamte pfeift

Steffen Fante vom SV Liel-Niedereggenen wurde zum besten Schiri Südbadens gekürt. Foto: Ines Bode Foto: Weiler Zeitung

Von Ines Bode

Schon als 13-Jähriger interessierte sich Steffen Fante vom SV Liel-Niedereggenen für die Schiri-Laufbahn – die als Kicker lief nicht sonderlich: „Ich habe zwei linke Füße“. Heute, mehr als 23 Jahre später, ging er aus dem aktuellen Ranking des Fußballverbands Südbaden als Bester hervor.

Die Namen könnten nicht bekannter sein: Philipp Lahm, Mats Hummels und Sami Khedira – sie alle standen mit Steffen Fante auf dem Platz. Auf dem des Münchner Grünwalder Stadions respektive im Heimatstall des VfBs Stuttgart. Fante war damals Schiedsrichter-Assistent (von Ralf Brombacher aus Kandern), und die DFB-Elfer waren Amateure. Auch Jogi Löw traf er auf dem Rasen, der war noch Stuttgarter Cheftrainer, zeigte sich dem Frischling gegenüber fair.

Wer nun so früh Schiri werden will, hatte meist ein Vorbild. Fante hatte zwei. Vater Friedhelm zog regelmäßig los, um Trillerpfeife und eventuell die beliebten Karten zu aktivieren – den Sohn im Schlepptau. Dieser beobachtete und lernte. Nummer zwei kam mit einem wilden Spiel im Elsass, üblich im Zuge der Vereinspartnerschaft. Fante Senior hatte zwei rote Karten gezückt, die Fans im Stadion probten den Aufstand: „Das war ein mega Gebrüll“. Doch der Vater konnte den Laden beruhigen – sollte Dank für die gute Spielleitung erhalten. „Ich war etwa zwölf und schwer beeindruckt.“ Alsbald machte der Junior den Neulingslehrgang (plus Prüfung) und die Leistungsprüfung (Fragen/Fitnesstest). Ans eigene erste Spiel erinnert er sich gut: Er war 14, hatte 18/19-Jährige aus Haagen und Tumringen zu pfeifen. „Vier, fünf Jahre älter – das ist enorm, wenn man 14 ist.“ Zudem sei die Klientel dafür berüchtigt, gern die Größten zu mimen. „Ich hörte sie schon flüstern.“ Es kam, wie es kommen musste, doch das „heimliche“ Battle entschied Fante für sich. Nach 20 Minuten gönnte er einem Rüpel fünf Minuten Erholung. Der Platzverweis wirkte.

Generell brauche ein Schiri Ahnung und Durchsetzungsvermögen, sagt er. Hinzu komme Persönliches, er sei ein Gerechtigkeitsfanatiker. Aber wie läuft es, wenn Ü 40er auf einen Jungspund treffen? Bekanntlich spielen weit Ältere in A-Teams. Vier Platzverweise setzte es in einem denkwürdigen Match (Warmbach-Rheinfelden). Heute würde er erst mal zum Interview bitten, mit Worten arbeiten. Der Mensch lerne halt. Etwa Fehler einzugestehen und mit Kritik umzugehen. Wozu eine Karriere gut sein kann. Mit 17 fand er sich in der Bezirksliga, mit 18 in der Landesliga, mit 20 in der Verbandsliga, gefolgt von der Oberliga Baden-Württemberg. Immer wenn der Standesbeamte pfeift, ließe sich bei Fante sagen – in Anlehnung an den großen Markus Merz („Immer wenn der Zahnarzt pfeift“), Vorbild von Vater Friedhelm. Steffens Vorbild ist Felix Brych, im Einsatz an der WM, und eines der offiziellen schwarzen Schiri-Shirts findet sich auch in Fantes Schrank. Und so lange er noch brenne, stehe er auf dem Platz, schmunzelt der Hauptamtsleiter der Gemeinde Auggen.

Weitere Informationen: Wer Interesse an einem Anfänger-Kurs für Schiedsrichter hat, kann sich bei Anton Dixa unter E-Mail anton@ dixa.org melden. Beginn ist Mitte oder Ende September.

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