Schönau „Bankrotterklärung für den Verband“

Hans-Jürgen Hege
Die Entscheidungsfindung für den Verbandswerkhof des GVV – dieser soll nun auf dem Willig-Areal entstehen – gestaltete sich schwierig. Foto: pixabay

Es ist jetzt zwar amtlich, aber das Thema ist noch nicht gänzlich vom Tisch. Mit Aitern, Böllen, Tunau, Wembach und schließlich der Kernstadt votierten bei der Verbandsversammlung am Donnerstagabend fünf von neun Gemeinden dafür, einen Verbandswerkhof zu installieren. Vier Kommunen entschieden sich gegen die interkommunale Zusammenarbeit.

Von Hans-Jürgen Hege

Schönau. Trotz ihres Votums gegen die Einrichtung des Verbandswerkhofs machten die vier Kommunen bei der Abstimmung im Bürgersaal deutlich, „froh“ darüber zu sein, „dass es den Verwaltungsverband gibt“ und dass in vielen anderen Bereichen durchaus erfolgreiche effektive Zusammenarbeit zu verzeichnen sei. An seinen Grundfesten sollte denn auch nicht gerüttelt werden, konstatierten die Mitglieder, die glauben, mit den bisherigen Verfahren der Arbeitsvergaben in ihren Dörfern, mit eigenen Mitarbeitern oder ehrenamtlichem Einsatz der Dorfbewohner, mit Arbeitsvergaben an Fremdfirmen sowie – wie in Utzenfeld – mit dem eigenen, erst vor kurzem neu eingerichteten Werkhof, der im Fall der Beteiligung hätte aufgelöst werden müssen, günstiger über die Runden zu kommen.

Auch in Fröhnd habe man diese Meinung am Vorabend der Verbandssitzung vertreten. Die Entscheidung habe man sich dort nicht leicht gemacht, versicherte ein Fröhnder Ratsmitglied, gab aber auch zu, ziemlich erwundert gewesen zu sein von der in der Zeitung veröffentlichten Aussage eines Schönauer Ratsherrn, der die Selbstständigkeit der Verbandsgemeinden gefährdet gesehen hatte. „Das gehört sich vor einer solch wichtigen Entscheidung nicht. Und es gehört schon gar nicht in die Zeitung“, monierte der Fröhnder und fügte hinzu: „Es muss unser Recht sein, über unsere finanziellen Möglichkeiten selbst zu befinden.“

Neue Bedingungen aushandeln

Auf dem Willig-Areal wird nun auf alle Fälle der Werkhof entstehen. Dazu, so der stellvertretende Verbandsvorsitzende und Sitzungsleiter Manfred Knobel, werden sehr bald schon die fünf Bürgermeister zusammenkommen, um die wegen der nun veränderten Lage notwendigen neuen Bedingungen auszuhandeln. Rechtfertigungen der Projektgegner wiegelte der Vorsitzende mit dem Hinweis ab, dass jede Gemeinde das Recht habe, eine Entscheidung zu treffen. Knobel wies aber auch darauf hin, dass man die gemeinsamen Ziele nicht aus den Augen verlieren dürfe. Die Debatten um den Werkhof seien „viel zu emotional“ geführt worden. Das halte er „für nicht so gut, schon gar nicht, wenn es teilweise ins Persönliche geht“. Insgesamt müssten sich alle Verbandsmitglieder darauf besinnen, „dass wir einen GVV haben, in dem man zusammenstehen und gemeinsam vorangehen muss“.

Ein starker GVV werde vor allem in diesen Zeiten benötigt. „Wir alle brauchen diese Stärke, auch die Stadt“, plädierte Knobel für ein künftig geschlossenes Auftreten. Gemeinsames Handeln sorge schließlich dafür, dass nicht ständig über eine Gefährdung der Selbstständigkeit debattiert werde, gab der Vorsitzende und Bürgermeister seinen Kollegen zu bedenken, denen er versprach, dass die jeweils getroffenen Entscheidungen von allen respektiert werden, weil das zu einer Demokratie einfach dazugehöre. Allerdings müssten alle damit klarkommen, dass sie für mögliche Nachteile ihrer Entscheidung selbst die Verantwortung tragen.

„Große Chance“ mit Beschluss verwirkt

„Zämme rutsche“ lautete die Devise von Knobel. Das glaubt auch der Schönauer Gemeinderat Alexander Knobel, der daran erinnerte, dass alle Gemeinden derzeit schwere Zeiten durchleben. Viele Krisen seien zu meistern, alles werde teurer, die öffentlichen Kassen seien stark belastet. „Wir haben jetzt eine Chance gehabt, einen Verbandswerkhof gemeinsam aufzustellen und den effizient zu gestalten. Das haben wir mit dem heutigen Beschluss verwirkt“, sagte er. Außerdem habe man verwirkt, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, zeigte sich Alexander Knobel enttäuscht. Es werde in Zukunft nicht einfacher werden, Gemeinsamkeit zu demonstrieren. Frustriert kam Alexander Knobel zu dem Schluss: „Was heute Abend hier passiert ist, ist meiner Meinung nach eine Bankrotterklärung für den Verband.“

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