Schönau Corona bremst Straftäter nicht aus

Die Zahl der Straftaten ging im oberen Wiesental 2020 deutlich nach oben. Die Polizei führt dies vor allem auf das Treiben einer bestimmten Jugendgruppierung zurück.Foto: Archiv Foto: Markgräfler Tagblatt

Einen deutlichen Anstieg von 48 Straftaten – das sind 6,4 Prozent – verzeichnet der Polizeiposten Oberes Wiesental in seiner Jahresstatistik 2020. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 803 Delikte registriert. Der Mittelwert der letzten fünf Jahre liegt bei 748 Fällen. Fazit der Ordnungshüter: Die Pandemie hat sich im oberen Wiesental nicht positiv auf die Entwicklung der Straftaten ausgewirkt.

Von Peter Schwendele

Oberes Wiesental. Drei Städte und neun Gemeinden mit 17 600 Einwohnern, verteilt auf einer Fläche von 210 Quadratkilometern, hat der Polizeiposten Schönau zu betreuen. Dabei können die Beamten auf eine Aufklärungsquote von 64,4 Prozent verweisen. Das sind 2,7 Prozent mehr als im Jahr 2019. Der Mittelwert der letzten fünf Jahre liegt hier bei 67,2 Prozent.

Den Anstieg der Straftaten, der besonders bei der Straßen- und der Diebstahlskriminalität sichtbar wird, führt Lothar Mühl, der Leiter des Polizeipostens, maßgeblich auf das Treiben einer jugendlichen Tätergruppierung zurück, der im Kern fünf Jugendliche angehörten und der seit Mitte 2019 durch aufwendige Ermittlungen etwa 150 Straftaten, hauptsächlich Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum, später auch Diebstähle aus abgestellten Fahrzeugen und Einbrüche, nachgewiesen werden konnten. Nachdem der Rädelsführer Mitte 2020 inhaftiert worden war, beruhigte sich die Lage, so Mühl, der von „kriminellen und außergewöhnlich intensiven Aktivitäten“ spricht. Mittlerweile sind fast alle Mitglieder dieser Gruppierung verurteilt. Zeitweise waren noch etwa zehn weitere Jugendliche in wechselnder Zusammensetzung an den begangen Straftaten beteiligt.

Körperverletzungen

In diesem Bereich registrierte die Polizei ein Plus von 19 Fällen, was einen deutlichen Anstieg um knapp zwanzig Prozent bedeutet. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 112 Delikte aufgenommen.

Gewaltkriminalität

Die Zahl der Fälle, etwa gefährliche Körperverletzungen oder Raubstraftaten, stieg von 17 im Jahr 2019 auf 23 im Jahr 2020. In Prozentzahlen bedeutet dies einen Anstieg um 35,3.

Diebstahl

Auch hier verzeichnete die Polizei einen Anstieg von 166 auf 170 Fälle (2,4 Prozent). Die Aufteilung: 13 Ladendiebstähle, zwei Wohnungseinbrüche, zwölf Firmeneinbrüche, neun Gaststätteneinbrüche, 18 Fahrraddiebstähle, vier Kraddiebstähle, ein Pkw-Diebstahl und 23 Diebstähle aus Fahrzeugen.

Straßenkriminalität

Die Zahl der diesbezüglichen Delikte stieg von 128 Fällen im Jahr 2019 auf 144 Fälle im vergangenen Jahr. Dies bedeutet eine Zunahme um 12,5 Prozent. Der Fünf-Jahres-Mittelwert in diesem Bereich, zu dem unter anderem Sachbeschädigungen und Körperverletzungen im öffentlichen Raum gehören, liegt bei 112 Fällen.

Rauschgiftdelikte

Auch in diesem Segment verzeichneten die Ordnungshüter 2020 einen deutlichen Anstieg, und zwar um 15 Fälle auf insgesamt 57 Fälle. Die Steigerung beträgt 35,7 Prozent.

Vermögensdelikte

Hierunter fallen Betrug, Erschleichen von Leistungen, Untreue, Urkundenfälschung oder Geld- und Wertzeichenfälschung. Die Fallzahl sank in diesem Bereich um 17 Delikte (minus 13,4 Prozent) auf 110 Fälle.

Zell

In der Schwanenstadt wurden 2020 insgesamt 367 Straftaten registriert (2019: 369; 2018: 253). Die Aufteilung nach Delikten: 73 Körperverletzungen, 55 Diebstähle, 55 Vermögensdelikte, 19 Rauschgiftverstöße, 16 Gewaltdelikte und 73 Fälle von Straßenkriminalität.

Schönau

In Schönau ist die Zahl der Straftaten von 198 im Jahr 2019 und 195 im Jahr 2018 auf 190 im vergangenen Jahr gesunken. Verzeichnet wurden 16 Körperverletzungen, 39 Diebstähle, 21 Vermögensdelikte, 31, Rauschgiftdelikte, sechs Gewaltdelikte und 27 Verstöße im Bereich Straßenkriminalität.

Todtnau

In Todtnau ist ein steiler Anstieg der Fallzahlen zu registrieren: Insgesamt wurden 242 Delikte gezählt. 2019 waren es nur 170 gewesen, 2018 lag die Zahl bei 182. Die Verteilung sieht wie folgt aus: 19 Körperverletzungen, 74 Diebstähle, 33 Vermögensdelikte, zehn Rauschgiftdelikte, ein Gewaltdelikt, 46 Fälle von Straßenkriminalität und zwei Wohnungseinbrüche. Die größten Steigerungen finden sich in den Bereichen Diebstahl und Straßenkriminalität.

Tatverdächtige

Die Ordnungshüter registrierten 395 Tatverdächtige, darunter 278 Erwachsene, 33 Heranwachsende, 73 Jugendliche und elf Kinder. Der gestiegene Anteil der Jugendlichen bei den Tatverdächtigen sei in weiten Teilen auf die bereits erwähnte Jugendgruppierung zurückzuführen, so Lothar Mühl.

Etwa 33 Prozent der Tatverdächtigen sind Nichtdeutsche; bei den unter 21-Jährigen liegt der Anteil der Nichtdeutschen bei 14,5 Prozent und bei den Jugendlichen sind nur 6,8 Prozent nichtdeutsch.

Fazit

Die Polizei hält in ihrer Jahresbilanz fest, dass ein „hohes Niveau“ bei den Fallzahlen zu konstatieren ist. Bei der Aufklärungsquote des Postens Schönau sei eine „gute Entwicklung“ festzustellen; man sei bemüht, diese weiter zu erhöhen. Während andernorts die Corona-Pandemie für einen Rückgang der Delikte gesorgt hat, habe sich die besondere Situation im Jahr 2020 auf die Entwicklung der Straftaten im Bereich des Polizeipostens Oberes Wiesental nicht positiv ausgewirkt, stellt Postenleiter Lothar Mühl fest. Eine erfreuliche Entwicklung sei bei den Wohnungseinbrüchen zu verzeichnen, die nur noch eine untergeordnete Rolle spielten.

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