Schönau Corona: Einschneidende Spuren

Ein großes Sorgenkind in Schönau ist derzeit der Stadtwald. Die Preise fürs Holz sind weiter in den Keller gerauscht (Archivfoto). Foto: Markgräfler Tagblatt

Schönau - Als überaus schwierig bezeichnete es Rechnungsamtsleiter Jürgen Stähle in der jüngsten Gemeinderatssitzung, derzeit unter Corona-Bedingungen eine verbindliche Aussage oder Prognose zur Haushaltsentwicklung 2020 zu geben. Doch schon jetzt stehe fest, dass die Auswirkungen der Pandemie im Schönauer Stadtsäckel einschneidende Spuren hinterlassen werden.

Als großes Sorgenkind wird derzeit der Gemeindeforst gesehen. Die Prognose, so Stähle, habe man in enger Abstimmung mit den Forstbehörden und dem zuständigen Revierleiter erarbeitet. Noch einmal deutlich gefallen ist gegenüber dem Planansatz der Holzpreis von 25 Euro je Festmeter auf mittlerweile 20 Euro, was einen zusätzlichen Verlust von 150 000 Euro mit sich bringen wird. Das zu erwartende Gesamtdefizit aus dem Stadtwald für 2020 bezifferte Stähle auf rund 320 000 Euro. Das werde das Haushaltsergebnis zusätzlich mit 90 000 Euro belasten.

Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer liegen aktuell um rund 335 000 Euro unter den Planansätzen für 2020. Indes sollen die in diesem Jahr anfallenden Verluste durch einen pauschalen Ausgleich teilweise durch den Bund und das Land kompensiert werden. Inwieweit die Stadt Schönau davon partizipieren wird, steht allerdings in den Sternen.

Auch bei der Einkommens- und Umsatzsteuer sind nach jetzigem Stand erhebliche Mindereinnahmen zu erwarten. Die Ausfälle könnten bis zu 350 000 Euro betragen, sagte Stähle. Ob der angekündigte Schutzschirm für Kommunen kommen wird, sei noch völlig offen.

Durch die coronabedingte Schließung sämtlicher Spielhallen und Gaststätten wird auch bei der Vergnügungssteuer mit einem deutlichen Minus gerechnet. Die zu erwarteten Ausfälle dürften bei rund 29 000 Euro liegen.

Bedingt durch die temporäre Schließung des Gymnasiums rechnet man mit einer Defizit-Verringerung von zirka 27 000 Euro, wobei unter günstigen Bedingungen unterm Strich ein Defizit von 51 000 Euro herauskommen könnte. Anders sieht es hingegen bei der Mensa aus, die ebenfalls für drei Monate dicht gemacht hatte. Durch fortlaufende Personalkosten bei gleichzeitig ausbleibenden Einnahmen dürfte sich hier das geplante Defizit auf 40 000 Euro erhöhen.

Fürs Freibad wird in diesem Jahr mit einem Gesamtdefizit von rund 317 000 Euro gerechnet, von dem die Stadt Schönau rund 254 000 Euro zu tragen hat, während die restlichen 63 000 Euro von den beteiligten GVV-Gemeinden zu erbringen sind.

Das geplante Ergebnis bei der Wasserversorgung dürfte sich im geplanten Rahmen bewegen. Lediglich beim Wasserentnahmeentgelt ist mit deutlichen Abweichungen, sprich mit Mehrkosten von zirka 4000 Euro zu rechnen. Im Bereich der Abwasserentsorgung ist bei den Benutzergebühren mit Mindererträgen von rund 14 000 Euro zu rechnen, die sich jedoch kompensieren lassen. So werde die Kanalsanierung im Johann-Peter-Hebel-Weg auf 2021 verschoben, was in der Ergebnisrechnung eine Entlastung um 70 000 Euro bringen wird. Durch weitere Einsparungen beim Verbandssammler werden zirka 27 000 Euro an Entlastungen erwartet, so dass ein um zirka 83 000 Euro besseres Ergebnis erwartet wird.

Das derzeitige Risiko, bedingt durch Corona, liegt allein in den Bereichen Steuern, Zuweisungen und Umlagen bei rund 600 000 Euro, die sich nicht aus dem laufenden Haushalt ausgleichen lassen, weshalb Rücklagen deutlich stärker als geplant angegriffen werden müssen. Insgesamt sei für 2020 mit einem Defizit von bis zu einer Million Euro zu rechnen, da, so Jürgen Stähle, in diesem Zwischenbericht nicht alle Kostenstellen enthalten sind.

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