Schönau Die Chance ergriffen

Christine Würzberg, die neue Pfarrerin für Schönau und Todtnau, liebt Musik, Tiere und hält sich gern in der Natur auf. Foto: zVg

Sie ist Pfarrerin, mag Tiere, die Natur und Punk-Rock – und sie hat ihren Traumjob gefunden. Am Mittwoch hat Christine Würzberg ihre neue Stelle als Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinden Schönau und Todtnau angetreten.

Von Peter Schwendele

Oberes Wiesental. Dies ist einerseits ein wichtiges Ereignis für die beiden Kirchengemeinden, denn die Protestanten in Todtnau mussten drei Jahre lang, die in Schönau sogar sechs Jahre lang ohne eigenen Seelsorger auskommen. Entsprechend groß dürfte die Freude unter den Gläubigen sein, endlich wieder eine Pfarrerin vor Ort zu haben.

Lang gehegter Wunsch

Eine bemerkenswerte Neuorientierung ist die Stellenübernahme im oberen Wiesental aber vor allem für Christine Würzberg selbst, hat sie doch am Mittwoch nicht nur ihre erste eigene Pfarrstelle angetreten, sondern sich damit auch eine Art Lebenstraum erfüllt. „Ich hatte schon während des Studiums den Wunsch, einmal in einer kleinen Gemeinde südlich von Freiburg Pfarrerin zu werden“, erzählt die 55-Jährige im Gespräch mit dem Markgräfler Tagblatt.

Dass es im fortgeschrittenen Alter nun doch noch so gekommen ist, hatte sich lange Zeit nicht abgezeichnet. Würzberg wurde 1964 in Wuppertal geboren, ihre Eltern zogen allerdings nach Rastatt, als sie erst fünf Monate alt war. In der nordbadischen Stadt wuchs sie in einem protestantisch geprägten Elternhaus auf und studierte später in Heidelberg evangelische Theologie. Vor der Familiengründung war Würzberg in der sozialen Arbeit im Asylbereich tätig, nach der Geburt von Sohn und Tochter und der ersten intensiven Familienphase ging sie dann in den Schuldienst.

Erst 2003 startete sie die zweite Ausbildungsphase mit dem Lehrvikariat, das man braucht, um Pfarrerin der Badischen Landeskirche zu werden, was Würzberg seit 2005 denn auch ist. Bis zum Ende dieses Schuljahrs unterrichtete die neue Pfarrerin dann evangelische Religion an der Josef-Durler-Schule in Rastatt, einer Berufsschule mit Technischem Gymnasium. Die Arbeit an der Schule habe ihr viel Spaß gemacht, sei aber auch oft herausfordernd gewesen, erzählt die 55-Jährige. „Fingerspitzengefühl“ sei unerlässlich, um jungen Menschen Religion nahezubringen; wer missionieren wolle, habe dagegen schlechte Karten.

Christine Würzberg bringt ins obere Wiesental aber auch wichtige Erfahrungen in der Seelsorge mit, denn in den vergangenen vier Jahren hat sie neben dem Schuldienst in der Notfallseelsorge gearbeitet und ist dabei Angehörigen bei plötzlichen Todesfällen, Unfällen, Suiziden und anderen Unglücken und menschlichen Katastrophen helfend zur Seite gestanden.

„Das hat mich nicht mehr losgelassen“

Bewusst eine Neuorientierung hat die Pfarrerin nicht gesucht. Aber als sie vergangenes Jahr ein Flyer der Kirchengemeinden Schönau und Todtnau erreichte, mit dem ein Seelsorger fürs obere Wiesental gesucht wurde, kam sie ins Grübeln. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, so Würzberg, „und ich dachte mir, wenn ich mein Leben noch einmal verändern möchte, dann ist das jetzt die Chance.“

Und da sich die 55-Jährige selbst durchaus als offen und abenteuerlustig einschätzt, nahm sie die Herausforderung nach kurzem Zögern an. Ob es ein Zufall war, dass das Angebot mit ihrem Jugendtraum korrespondierte? Das glaubt die neue Pfarrerin schon allein von Berufs wegen eher nicht.

Wie geht sie die Arbeit an ihrer ersten eigenen Pfarrstelle an? „Ich bin neugierig, was alles auf mich kommt, aber zuversichtlich und voller Vorfreude“, sagt Christine Würzberg. Ihr oberstes Ziel sei es, die Gemeinden zukunftsorientiert aufzustellen, denn in der Badischen Landeskirche sei derzeit ganz viel im Umbruch, insbesondere strukturell, erklärt die Pfarrerin, und es helfe nichts, krampfhaft an Vergangenem oder Althergebrachtem festhalten zu wollen. „Wir sollten daran arbeiten, dass die Christen im oberen Wiesental sich mehr und mehr als zusammengehörig empfinden“, meint Würzberg und verweist auf mögliche weitergehende Kooperationen. So sei es zwar noch nicht spruchreif, aber angedacht, dass die evangelische Kirchengemeinde Zell mit denjenigen aus Schönau und Todtnau zusammengeführt wird.

Auch wenn es beruflich vor allem in der Anfangszeit viel zu tun geben wird, will die neue Pfarrerin natürlich ihre Freizeitbeschäftigungen weiter pflegen. Dazu gehört vor allem die Tierliebe: Drei Hunde und zwei Katzen bevölkern ihr eigenes Haus in Todtnau (die Landeskirche hat Würzberg entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheiten von der Pflicht, in einer Dienstwohnung zu leben, entbunden). Außerdem geht die Seelsorgerin gerne wandern, wofür sie in der hiesigen Gegend optimale Bedingungen vorfindet. Sie hat es auch nicht weit nach Freiburg, ihrer „absoluten Lieblingsstadt“, wie Christine Würzberg bekundet.

Punk-Rock als Ausgleich

Und sie greift sehr gerne zur Gitarre – und dabei kommt dann nicht nur geistliches Liedgut zur Geltung. Würzbergs nicht nur heimliche Liebe gehört vielmehr dem Punk-Rock (Lieblingsband: Sum 41). Diesem Stil frönt sie – durchaus ungewöhnlich für eine Pfarrerin – gerne auf sechs Saiten und hält auch viel vom Abrocken auf Konzerten: „Das ist eine ganz andere Seite in mir, die ich so ausleben kann. Zum Runterfahren, zum Stressabbau ist das einfach genial.“

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