Schönau Die künstlerische Begabung fördern

Peter Schwendele
Ganz schön talentiert: Ingo Nitzsche zeigt Bilder, die in der Kindermalgruppe „Zelele Sabesa“ in Schönau und Atzenbach entstanden sind. Foto: Peter Schwendele

Die künstlerische Ader von Kindern fördern und gleichzeitig die Integration vorantreiben – diese Ziele vereinigen sich im Wirken der Kinder-Mal- und Theatergruppe „Zelele Saseba“, die der Kunstförderer und Ausstellungskurator Ingo Nitzsche im Sommer mit Kindern aus Schönau und Atzenbach ins Leben gerufen hat.

Von Peter Schwendele

Schönau/Zell-Atzenbach. Genauer gesagt handelt es sich bei der Kindergruppe im Wiesental um eine Dependance einer seit 30 Jahren in Stühlingen bestehenden und seit Corona-Beginn auch als Malgruppe aktiven Kindertheatergruppe. Nitzsche führt in Stühlingen zusammen mit seiner Mutter das private Kunst- und Kulturzentrum „Schwarzer Adler“, in dem in den letzten 15 Jahren über hundert Veranstaltungen stattgefunden haben und wo er sich seinen Schwerpunkten Integration und Inklusion widmet. Nachdem drei Kinder aus Stühlingen im vergangenen Jahr nach Atzenbach gezogen sind und der Kontakt bestehen blieb, entschloss sich Ingo Nitzsche, im Wiesental eine eigene Gruppe aufzubauen.

Einige der Kinder kommen aus Deutschland, andere aus der Türkei und aus Syrien. Der Name „Zelele Saseba“ setzt sich aus den jeweils ersten beiden Anfangsbuchstaben der Vornamen der Kinder zusammen, die als erste dabei waren: Zeynep, Leonie, Leonora, Samira, Seraphin und Babus. Mittlerweile sind weitere Kinder dazugekommen; alle sind mit Begeisterung und großem Interesse bei der Sache.

Eigene Schwerpunkte

Die Kinder aus Atzenbach und Schönau treffen sich ein bis zweimal die Woche, gestern wie so häufig bei Hildegard Seger in Schönau, die das Wirken der Gruppe interessiert und freundschaftlich begleitet. Eifrig und stolz zeigen die Kinder, die zwischen sieben und dreizehn Jahre alt sind, ihre jüngsten Werke und interpretieren gern auch die Arbeiten der anderen. Die Kinder malen großformatig mit Acryl- oder Wasserfarben, mit Seccorell oder Wachsmalstiften.

In den Bildern zeigen sich erste Schwerpunkte der jungen Künstler, so sind sowohl expressionistische als auch impressionistische Ansätze deutlich erkennbar. „Wir schauen uns auch Kunstbücher an und sprechen darüber, dass und wie Bilder etwas aussagen können“, erklärt Ingo Nitzsche und zeigt ein weiteres großflächiges Motiv eines jungen Künstlers, das deutlich von Flüchtlingserlebnissen geprägt ist. In der Gruppe wird auch über solche Erfahrungen diskutiert.

Wer das Programm des Schönauer Heimatmuseums Klösterle verfolgt, weiß, dass Mitglieder der Gruppe auch schon auf eine erste Ausstellungserfahrung zurückblicken können. In die Ausstellung „Tiere unserer Heimat“ im Herbst nahm der Förderverein drei Bilder der Kindergruppe auf.

Das Malen und die Gespräche über Kunst sind aber nicht die einzigen Inhalte bei „Zelele Saseba“. Vielmehr ist die Ausgangsposition von Ingo Nitzsche, dass sich jedes Kind künstlerisch so ausdrücken kann wie es ihm entspricht und sich einfach auch mit Ideen ausprobieren darf. So hat Zeynep jüngst im „Schwarzen Adler“ eine Diskussion über Kinderrechte mit moderiert, Sham plant, einen Eiscremeladen zu eröffnen und Leonie beschäftigt sich gern mit dem Schönauer Wassergeist, der ihren Angaben zufolge bisweilen an der Wassertretstelle anzutreffen ist. Für die musikbegeisterte Sherin wurde Geigenunterricht vermittelt. Und nicht zuletzt wird auch Theater gespielt; derzeit probt man regelmäßig für ein Theaterstück um die freiheitsliebende Königin Zenobia.

Lebhafte Mischung

Diese lebhafte Mischung hat in Kunstkreisen schon für einiges Interesse gesorgt. So waren bereits ein Vertreter des Kunstwissenschaftlichen Instituts der Leibniz-Universität Hannover sowie eine Sozialpädagogin aus Schwerin vor Ort, um Eindrücke für Fachstudien zu sammeln. Pläne gibt es auch, gemeinsam mit einem Cousin von zwei Mädchen aus der Gruppe, der Kunst studiert, eine Ausstellung im Klösterle zu veranstalten.

Nitzsche freut sich darüber, wie sich die Kinder-Mal und Theatergruppe im Wiesental entwickelt hat: „Es ist schön, wenn etwas organisch wächst und nicht von oben aufgepfropft wird.“ Und seiner Einschätzung nach profitieren alle von dieser Form der Kunstförderung, natürlich die Kinder, die sich entfalten und ausprobieren können, aber auch er selbst bekommt viel aus seinem Engagement und dem, was daraus erwächst, zurück. „Ich fühle mich beschenkt“, sagt Ingo Nitzsche.

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