Schönau E-Antriebe für flotte Flitzer

Gerald Nill
Sauerländisch-schwarzwälder Koproduktion von Elektro-Karts: (hinten von links) Stephan Spielmann, Vertriebsexperte von Heinzmann, sowie Daniel Nolte und Nils Roters von Rimo, im Cart Alex Zumkeller, Heinzmann. Foto: Gerald Nill

Schneller und leiser, weiter und emissionsfrei rauschen die Go Karts nur so dahin. Der nach eigenen Angaben führende deutsche Komplettanbieter von Kartbahnen, das Unternehmen Rimo Germany in Hemer im Sauerland, setzt beim Antrieb seiner flotten Flitzer auf den Antrieb des Motoren-Spezialisten Heinzmann aus Schönau. Aktuell werden die neuesten Elektromotoren und Kontrolleinheiten in das Chassis der Mini-Boliden eingepasst.

Von Gerald Nill

Schönau. Stephan Spielmann, Vertriebsexperte bei den elektrischen Antrieben der Firma Heinzmann, hat die kompakte, handliche Antriebseinheit aus dem Lager geholt und in einen Prototypen des Kart-Herstellers Rimo aus dem sauerländischen Hemer eingebaut. Die Antriebsachse des kleinen Flitzers ist aufgebockt und die Räder schnurren willig los, als Alex Zumkeller sachte aufs Gaspedal tritt. Mit dem feinen Unterschied, dass es im Fall des Elektrokarts kein Gaspedal gibt, weil Verbrenner langsam aus der Mode kommen. Auch beim Kart-Spaß.

„Wir bauen seit 2010 gemeinsam mit der Firma Heinzmann unsere Karts“, blickt Rimo-Mitarbeiter Nils Roters auf die fruchtbare Zusammenarbeit zurück. „Damals haben wir zum ersten Mal eine Kartbahn mit elektronischem Antrieb für einen Kunden in München errichtet.“ Die Zusammenarbeit zwischen Sauerland und Schwarzwald entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte. Aktuell rüstet Rimo mit Heinzmann ein weiteres Kreuzfahrtschiff mit einer Kartbahn aus. Die Motoren der Rimo-Elektrokarts stammen wieder von Heinzmann.

Elektromotor ist ein wartungsfreier Antrieb

Für den Kart-Produzenten aus Hemer liegen die Vorteile des alternativen Antriebs klar auf der Hand: „Das fängt schon beim Wartungsaufwand an. Verbrenner benötigen neue Zündkerzen und brauchen frisches Öl, neben dem Kraftstoff.“ Dagegen ist der Elektromotor ein wartungsfreier Antrieb. Das Abgas der Verbrenner in der Halle sei ein zunehmend unerwünschter Begleiteffekt. Sicher gebe es noch immer das Klientel, das die Dämpfe aus dem Auspuff geradezu liebe, bestätigt Roters auf Nachfrage. „Aber wenn die erst einmal mit dem E-Kart ein paar Runden gedreht haben, merkt man, wie sie von der neuen Technik angetan sind“, hat Roters beobachtet.

Womit er zum Thema Spitzenleistung kommt. Zwei 26 Kilowatt starke Motoren beschleunigen das Cart in weniger als drei Sekunden auf die in der Halle erwünschte Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. Da sieht der Verbrenner alt aus. Das Beste sei, dass das Leistungsprofil des E-Karts einfach an die jeweiligen Kundenbedürfnisse angepasst werden kann. Mit ein und demselben Kart können so mit wenigen Handgriffen dank App und WLAN-Modul das Motorcontrolling angepasst werden und schon Kinder und Anfänger sicher ihre Runden drehen, aber auch Rennen gefahren werden.

Der Konkurrenzdruck durch den Elektroantrieb bringe die Betreiber manch klassischer Kartbahn ins Grübeln, stellt Roters fest. „Das merkt man deutlich am Aufschwung im Elektroantrieb“, bestätigt Heinzmann-Vertriebler Spielmann. „Im Vergleich zum Verbrenner ist unser Motor schön ruhig.“

Man wird nicht taub, die Klamotten stinken nicht

Rimo-Mitarbeiter Roters nickt: „Das E-Kart wird bei Firmenevents und Familienfeiern zunehmend attraktiv. Man wird nicht taub und die Klamotten stinken nicht.“ Und noch etwas: „Die Akzeptanz des E-Karts bei Frauen ist wesentlich höher im Vergleich zum Verbrenner und daher steigen sie nun gerne auch mal ein.“

Die Batterieleistung reicht für rund eine Stunde, dann blickt ein rotes Ladelämpchen und die flotte Kiste muss zum einstündigen Boxenstopp an die Steckdose. Der Experte aus dem Sauerland weiß, dass auf den Hallendächern der Kartbahnen zunehmend Photovoltaik-Panels montiert sind, so dass die Spaß-Fahrzeuge preisgünstig vor Ort „betankt“ werden können. Rimo betreibt selbst eine eigene Werks-Kartbahn. Diese wird mit der eigenen PV-Anlage, die auf dem Dach der Produktion installiert wurde, ab diesem Frühjahr betrieben.

„Wir bauen in Hemer pro Jahr rund 1000 Karts selbst“, berichtet Roters. In jedem zweiten stecke inzwischen die Antriebseinheit aus Schönau. Tendenz steigend. „Bis April wollen wir noch mindestens 200 E-Karts bauen“, kündigt Rimo an. Den Heinzmann-Mitarbeiter freut es. Einer der Pluspunkte der Spezialisten aus dem oberen Wiesental ist schließlich, dass es keine Lieferengpässe gibt.

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