Schönau „Ein Wolfsmanagement ist nötig“

In die nagelneue Schönauer Mehrzweckhalle eingeladen hatte die CDU-Bundestagskandidatin Diana Stöcker zur Podiumsdiskussion mit Peter Hauk (CDU), Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg. Dass Themen zur Landwirtschaft den Bewohnern des Südschwarzwaldes auf den Nägeln brannten, zeigte die stattliche Besucherzahl von rund 60 Personen.

Von Gudrun Gehr

Schönau . Allerdings forderte die Einladung von den Besuchern etwas Geduld, da sich der Minister rund eine halbe Stunde verspätete. Nach seinem Erscheinen begrüßte Alexander Knobel, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Schönau, die Gäste. Bürgermeister Peter Schelshorn bedankte sich bei Hauk für die Zuschüsse des Landes für den Hallenbau in Höhe von 500 000 Euro und 250 000 Euro für die Außenanlage.

Fokus auf den Steilflächen

In seinem Eingangsreferat zur Agrarpolitik sprach Hauk zunächst über den Rahmen der kommenden Förderperiode. Ausgangssituation seien 270 Euro pro Hektar bewirtschafteter landwirtschaftlicher Fläche als Direktzahlung, ergänzt durch die Landesförderprogramme. Ein Teil der Direktzahlung würde künftig an Bedingungen geknüpft. Mindestens vier Prozent der landwirtschaftlichen Flächen müssen Brachland sein. 25 Prozent der Direktzahlungen würden nur ausgeschüttet, wenn bestimmte Öko-Regeln umgesetzt würden. Auch die Förderung der Grünlandflächen wird neu justiert. Es soll neue Vorstöße bei der Bezuschussung von steilen Flächen geben. Künftig würden nur noch digitale Anträge berücksichtigt.

Der Umgang mit dem Wolf nahm einen großen Teil des Vortrags ein. Der Naturschutz würde mittlerweile erkennen, dass es nicht so einfach sei mit dem Schutz einer einzigen Art. Für Hauk steht fest: „Die eine Art darf nicht die Artenvielfalt insgesamt gefährden.“ Hier sei ein ordentliches Wolfsmanagement notwendig. Wirklichkeitsfremd sei derjenige, der an den steilen Hängen des Schwarzwaldes Schutzzäune anbringen will. Man müsse dafür sorgen, dass der Wolf von der „roten Liste“ entfernt wird, genauso wie der Milan, beide seien nicht mehr gefährdet.

Auch die Thematik Klimaschutz kam zu Wort. Der Schwarzwald sei nur deshalb lebenswert, weil Grünland und Wald sich abwechseln, daher würde man sich hier wohler fühlen als anderswo.

Diana Stöcker ergriff das Wort: „Wenn es einen Berufsstand gibt, dem zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wurde, ist es derjenige des Landwirtes.“ Als politisch Verantwortliche gelte es, Zeichen zu setzen.

Hauk versprach: „Neben der Grünland-Flächenprämie wird es ab 2023 eine Kopfprämie für Ziegen, Schafe und Kühe geben.“ Themen waren Probleme der Anbindehaltung, der Schlachtung und der Bewirtschaftung von Steillagen. Auch die Wertschätzung von Lebensmitteln fand Erwähnung. Hauk meinte: „Wer regionale Lebensmittel will, muss auch den regionalen Produzenten unterstützen.“

Da durch die Landesregierung der Bau von 500 Windrädern in den Raum gestellt wurde, meldeten sich besorgte Bürger aus dem Kleinen Wiesental zu Wort, einige Besucher präsentierten eine Leinwand mit der Beschriftung „Keine Windräder im Schwarzwald“ .

Hier ist der Bau von Windrädern projektiert. Ein Besucher meinte: „Da werden Windräder geplant, die zwei mal so hoch sind wie der Turm des Freiburger Münsters, und dann fehlen immer noch 20 Meter.“ Er meinte weiterhin, die naturverbundene Bevölkerung des Schwarzwalds wolle das nicht haben und wünschte, dass dies von der Regierung auch so respektiert werde. Auf den Betonsockeln der Windräder und auf den breiten Zufahrtswegen würde hunderte von Jahren kein Baum mehr wachsen.

In zweiter Reihe

Ein weiterer Besucher erkundigte sich, weshalb im Schwarzwald als eine der windschwächsten Regionen des Landes Windräder geplant werden. Auch die niedrigen Abstandsregelungen wurden kritisiert. Hauk meinte, es komme auf den Mix der regenerativen Energien in Deutschland an, da könne man den Schwarzwald nicht in Schutz nehmen. Wenn die Windräder in der Kammlinie der Berge stehen, wäre er ebenfalls dagegen, aber in der zweiten Reihe seien Windräder personen- und landschaftsverträglich.

Auf die Frage eines Besuchers antwortete er, auch er würde kein Windrad vor der Türe wollen und würde sich dagegen wehren. Allerdings sei er nicht für diese Problematik zuständig, diese würde in das Ressort der Umweltministerin fallen.

Weitere Themen von Nachfragen waren die Düngeverordnung, CO2-Abgabe, Stallbauförderung und Aufforstungsprämien des Waldes. Bruno Schmidt, Bürgermeister von Häg-Ehrsberg, zeigte sich über den Zugang des Wolfes besorgt.

Sabine Glaser aus Hägelberg, Landwirtin in der 7. Generation, erkundigte sich, wie ein Familienbetrieb mit kleinen Strukturen künftig von seinen in Deutschland erwirtschafteten Produkten leben soll. Hauk meinte, die Politik könne nur die Rahmenbedingungen stützen. Die Antwort auf ihre Frage könne nur der geben, der ihre Produkte verkauft.

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