Schönau „Eine Schule ohne Rassismus“

Maria Greshake und Richard Böhler im Gespräch. Foto: Vanessa Seger

Schönau - Kürzlich fand ein etwas anderer Schultag am Gymnasium Schönau statt. Der gesamte Tag stand unter dem Motto „Toleranz und Vielfalt am Gymnasium Schönau“.

Bereits in der zweiten Schulstunde fand in der Kirche Mariä Himmelfahrt ein Gottesdienst statt, der von Schülern der Klassenstufen Neun bis Jahrgangsstufe 2 mit der Hilfe deren Lehrer gestaltet und organisiert wurde. In den Vordergrund gerückt wurden Themen wie Rassismus, Kinderarmut, Diskriminierung und Gewalt. Diese könne man bekämpfen, aber dazu müsste ein jeder weltoffener und toleranter gegenüber Fremden werden, so die Botschaft der Schüler. Exakt diese Weltoffenheit sollte das Programm im weiteren Verlauf des Tages fördern.

Interessierte Schüler aus den Klassenstufen 9 bis Jahrgangsstufe 2 hatten die Möglichkeit, bei einem Zeitzeugengespräch Informationen über das Leben in Schönau während der Zeit des Nationalsozialismus zu erlangen. Dazu wurde Richard Böhler, der von 1977 bis 1993 Bürgermeister der Gemeinde Schönau war, von Maria Greshake, Referendarin am Gymnasium Schönau, interviewt.

Falsche Werte vermittelt

Böhler erzählte aus seiner Kindheit und dem unbewussten Aufwachsen unter einer Regierung, die falsche Werte vermittelte. Er selbst sei ein recht guter Sportler gewesen, erklärte Böhler. Aus diesem Grund wurde er Führer der Hitlerjugend in Utzenfeld und sogar persönlich auf die Adolf-Hitler-Schule eingeladen, die nur von den besten Führungsmitgliedern aus ganz Deutschland besucht werden durfte. Erst bei seinem Einzug zur „Schweren Flak“ nach München wurde Böhler bewusst, dass der Nationalsozialismus sich massiv gegen die Bevölkerungsgruppe der Juden richtete.

Von dem Krieg an sich hatte Böhler in seiner Heimat nur wenig erfahren, denn außer dem Fliegerangriff 1944 auf den Bahnhof in Schönau, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen, hatte er lediglich von seinem älteren Bruder ein paar Eindrücke erhalten.

In Dachau sah er das Massenvernichtungslager und war entsetzt über diese Art von Gewaltanwendung, wusste jedoch auch da noch nicht, dass Juden dort auf grausame Art und Weise getötet worden waren. Mit dem Einzug der Amerikaner in München wurde Böhler selbst zum Kriegsgefangenen und wurde in einem Lager mit 80 000 weiteren Soldaten untergebracht, die vermutlich wie er seit ihrer Kindheit für den Krieg trainiert worden waren. Bei einem Fluchtversuch wurde man erschossen. „Am Morgen fuhren sie mit einem Laster über den Platz und sammelten die Leichen ein, um diese fortzubringen“, berichtete Böhler. Nach zwei Jahren Gefangenschaft durfte er wieder in seine Heimat zurückkehren. Den Schülern gab er mit auf den Weg: „Fürchte Gott, tue Recht und scheue niemand.“

Gespräch mit jüdischem Schüler

Zeitgleich traten die Schüler der Klassenstufe 10 mit einem jüdischen Schüler ins Gespräch und erfuhren mehr über die heutige Lebenssituation der Juden. Die Schüler hatten sich zuvor Fragen überlegt, auf die der jüdische Schüler ehrlich Antworten gab. Von der jüdischen Kultur waren die Schüler sichtlich beeindruckt. Der jüdische Schüler legte dar, dass die Religion in seinem Leben eine besondere Rolle spielt. Durch die Erzählungen seiner Großeltern konnte er ebenfalls über die Situation der Juden im Nationalsozialismus berichten.

In den letzten beiden Unterrichtsstunden hieß es „Willkommen beim Weltfrühstück“. Hierfür hatten sich die einzelnen Klassen zuvor Gedanken über die verschiedenen Herkunftsländer der Schüler am Gymnasium Schönau gemacht. Insgesamt wurden 17 verschiedene Länder vorgestellt und deren traditionelle Speisen angeboten. Damit sollen die Schüler aus ihrer Komfortzone treten und lernen, Neues auszutesten und offen gegenüber fremden Dingen zu sein.

Die Arbeitsgemeinschaft „Eine Schule mit Courage – eine Schule ohne Rassismus“ sieht in dieser Veranstaltung die Möglichkeit, die Schüler langsam an Themenfelder wie Rassismus und Diskriminierung heranzuführen. Es wurden auch Zitate präsentiert, die die Schüler selbst zu Themen wie Toleranz, Akzeptanz und Vielfalt verfasst haben.

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