Sehr viel Engagement zeigten die Jugendlichen, die auch dieses Jahr im Zuge der Sternsinger-Aktion im oberen Wiesental von Haus zu Haus zogen, um Spenden für notleidende Kinder zu sammeln.

Von Heiner A. Baur

Schönau. Die 1959 ins Leben gerufene und zwischenzeitlich weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder, „Die Sternsinger“, sammelte seit ihrer Gründung über eine Milliarde Euro. Damit konnten bislang 72 000 Projekte und Hilfsprogramme in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Ernährung, soziale Integration sowie Nothilfe gestartet werden. Die vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in allen 27 deutschen Diözesen durchgeführte Dreikönigssingen-Aktion hat einen jährlich wechselnden Schwerpunkt. Dieses Jahr war der Schwerpunkt „Gemeinsam gegen Kinderarbeit in Indien und weltweit“. Über 300 000 Jugendliche sowie rund 90 000 Begleiter aus 10 328 Pfarreien sammelten 46,8 Millionen Euro. Hierzu konnten die Sternsinger aus der Seelsorgeeinheit Oberes Wiesental etwas beisteuern, die auch heuer in dem großflächigen Pfarreiverbund in der Nachfolge der Heiligen Drei Könige in zahlreichen Haushalten den Segen anbringen konnten.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wurden die etwa 100 Sternsinger, die im oberen Wiesental unterwegs waren, herzlich willkommen geheißen. Nicht wenige „haben auf uns regelrecht gewartet“, beschreibt eine Sternsingerin ihr Engagement gegen Kinderarbeit bei nicht gerade einladenden Witterungsverhältnissen.

„Ihr wart hart im Nehmen“, würdigte der Organisator der Sternsingeraktion, Markus Oehler, den großartigen Einsatz der Jugendlichen bei Regen und Kälte. Im Rahmen des Gottesdienstes am Dreikönigstag im Münster des oberen Wiesentals, der von den Sternsingern der Pfarrei mitgestaltet wurde, skizzierte Gemeindereferent Oehler die diesjährige Sternsingeraktion. Viele Kinder in Indien könnten keine Schulen besuchen, da sie mit ihrer Arbeit zum Lebensunterhalt der Familien beitragen müssen, schilderte er in seiner engagierten Ansprache die gesellschaftspolitischen Hintergründe. „Was nützen Verbote, wenn sie nicht eingehalten und überwacht werden“, prangerte er die Ausbeutung von Kindern an. „Ihr dürft, wenn auch nicht immer froh gelaunt, Schulen besuchen“, unterstrich er die Notwendigkeit von Bildung, um den Armutskreislauf zu durchbrechen.

Sein Appell gegen die Verbrechen an Kindern weltweit richtete sich auch an die Käufer und Konsumenten von Billigwaren. Hinter der Plakatierung „günstig“ stecke oft Kinderarbeit, so Oehler, der zum Kauf von Produkten aus fairem Handel aufrief.

200 000 Kinder im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh arbeiten als Teppichknüpfer, so der Gemeindereferent weiter. Viele Kinder erleiden durch die Arbeit an den Webstühlen und den mit Chemikalien behandelten Garnen dauerhafte Gesundheitsschäden. „Nur jedes dritte Kind, das in der Teppichbranche arbeitet, besucht eine Schule“, analysiert eine Arbeitsstudie des Kindermissionswerkes die katastrophale Lage.

„Mit dem Segen ´Christus mansionem benedicat` (Christus segne dieses Haus) habt ihr Hoffnung und Hilfen gebracht“, dankte Markus Oehler unter großem Applaus der Gottesdienstbesucher den Schönauer Sternsingern, die in ihrer Ferienzeit ein deutliches Zeichen für Solidarität gesetzt haben. 7320 Euro sammelten die Schönauer Jugendlichen an den Haustüren, weitere Spenden gehen noch von den Haushalten ein, deren Bewohner nicht angetroffen wurden.

Ein großer Teil des üppigen Süßwarenkontingents, das die Kinder dabei erhielten, geht an den Tafelladen. Nach der Wortgottesdienstfeier trafen sich die Sternsinger, deren Eltern und Helfer zum schon traditionellen „Dreikönigs-Essen“ im Pfarrsaal.