Schönau „Es geht immer um die Menschen“

Michael Sladek, der „Stromrebell“ schlechthin, wird heute 70 Jahre alt. Foto: Heiner Fabry Foto: Markgräfler Tagblatt

Am heutigen Samstag feiert Michael Sladek in Schönau seinen 70. Geburtstag. Dass der „Öko-Pionier“, und „Vordenker der Bürger-Energiewende mit dem Rebellen-Gen“ in erster Linie auch ein engagierter Landarzt ist, wird bei der Betrachtung des Mitbegründers der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) bisweilen vergessen.

Schönau (hf). „Ich bin einmal gefragt worden, ob ich lieber Arzt oder Energieversorger bin“, berichtet Michael Sladek im Gespräch. „Und ich habe geantwortet, dass ich aus Leidenschaft Arzt bin. Aber bei beiden Herausforderungen ist eines vergleichbar: es geht immer um das Wohl der Menschen, der heutigen wie der künftigen Generationen.“

Nach Schule und Studium praktizierte Michael Sladek zuerst am Krankenhaus Schopfheim, bevor er 1971 eine Arztpraxis in Schönau übernahm. Das einschneidende Ereignis, das zu großen Teilen seinen weiteren Lebensweg bestimmte, war die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986. Ursula Sladek als Lehrerin und Michael Sladek als Arzt standen damals im täglichen Kontakt mit besorgten Eltern, die sich um die Zukunft für ihre Kinder ängstigen. Sie gründeten die EfaZ (Eltern für atomfreie Zukunft), engagierten sich für eine Energieversorgung ohne Atomstrom und luden Kinder aus Tschernobyl in den Schwarzwald ein.

Da in Schönau bekannt war, dass der bestehende Netzkonzessionsvertrag im Jahr 1994 auslaufen wird, begannen die Sladeks mit Mitstreitern den Kampf um das Stromnetz in Schönau. Der bestehende Energieversorger weigerte sich, nur atomstromfreien Strom nach Schönau zu liefern, also entschieden sich die damals „Stromrebellen“ getauften Aktivisten, das Stromnetz der Stadt zurückzukaufen. Die weitere Entwicklung ist bekannt. Nach zwei Bürgerentscheiden können die Stromrebellen 1997 das Stromnetz übernehmen und die EWS ins Leben rufen.

„Bei all unserem Engagement hätten wir kaum diesen unerwarteten Erfolg feiern können, wenn uns nicht an den entscheidenden Punkten immer wieder Menschen zu Hilfe gekommen wären, die über Kenntnisse und Fähigkeiten verfügten, die uns damals noch fehlten“, räumt Michael Sladek ein. Etwa Elektrotechniker wie der Aachener Wolfgang Zander, Ökonomen wie der Unternehmer Adolf Ritter, Finanzfachleute wie der Vorstand der GLS-Bank, Thomas Jorberg oder Martin Halm, der 1997 der erste Mitarbeiter der EWS wurde. Michael Sladek versteht es, solche Menschen zu finden und sie für die gemeinsame Arbeit zu begeistern.

Heute sind die EWS eine Genossenschaft mit 4800 Mitgliedern, bundesweiter Ökostrom-Anbieter und ein ernst zu nehmender politischer Faktor. Michael Sladek ist zwar 2015 aus dem Vorstand ausgeschieden, aber von einem Rückzug kann keine Rede sein. Über den Förderverein FuSS kämpft „der Doktor“, wie er in Schönau heißt, weiter für kommunalfreundliche Stromnetzvergaben in Deutschland.

Ein besonderes Anliegen ist für Michael Sladek das Engagement für Menschen, die aufgrund des Klimawandels in verschiedenen Teilen der Welt ihre Lebensgrundlage, ihre Heimat und manchmal sogar ihr Leben verlieren. „Das ist nicht reiner Humanismus und das Engagement für Menschen in Not“, erklärt Sladek: „Wenn wir uns bewusst werden, dass wir durch unseren CO2-Ausstoß, ungebremsten Energie-Verbrauch, Einsatz fossiler Energieträger und eine Produktion, die nicht an Nachhaltigkeit orientiert ist, maßgeblich zu dieser Entwicklung beitragen, verstehen wir auch, dass wir zu einem Lösungsbeitrag geradezu verpflichtet sind.“

Als Arzt praktiziert Michael Sladek immer noch.

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