Schönau „Es muss endlich etwas passieren“

Oberes Wiesental -  Wer auf dem Belchen aktiv werden will, braucht einen langen Atem – diese Erfahrung hat Klaus-Peter Rudiger in den vergangenen Jahrzehnten bereits zur Genüge gemacht. Mittlerweile ist er mit seiner Geduld aber fast am Ende: Seit knapp einem Jahr wartet der Betreiber des Belchenhauses darauf, dass seine Sanierungspläne für das denkmalgeschützte Gebäude genehmigt werden.

Dass es dem altehrwürdigen, über 150 Jahre alten Gebäude auf dem häufig als schönster Berg des Schwarzwalds titulierten Belchen mehr als gut tun würde, auf Vordermann gebracht zu werden, kann auch der Laie unschwer erkennen. Pläne gab es schon viele, zuletzt war 2017 ein Architektenwettbewerb initiiert worden, bei dem ein 8,5 Millionen teurer Entwurf für eine Generalsanierung mit Anbau herausgefiltert wurde, der mangels entsprechender finanzieller Mittel und fehlender Unterstützung der öffentlichen Hand allerdings wieder in der Schublade verschwand.

„Wenn wir nichts machen, verfällt das Haus immer mehr“

„Aber wenn wir gar nichts machen, verfällt das Haus immer mehr“, sagt Klaus-Peter Rudiger. Deshalb hat er vor rund einem Jahr zumindest eine grundlegende Sanierung des Erdgeschosses des Belchenhauses ins Auge gefasst. Diese beinhaltet eine Verbesserung des brüchig gewordenen Terassenbereichs, der nach vorne um 50 Zentimeter erweitert und um die Stirnseite des Hauses herumgeführt werden soll.

Weiterhin geplant ist die Verschiebung des aus den 60er Jahren stammenden Toilettenbereichs nach hinten und die Verlagerung der Küche in den jetzigen Toilettenbereich. Außerdem hat der Betreiber des Belchenhauses vor, die Zulieferungssituation zu verändern. Die Warenanfahrt soll künftig nicht mehr über den Platz vor dem Belchenhaus, sondern unterirdisch erfolgen, was die Situation im Besucherbereich entspannen würde. „Wir haben vor, hier eineinhalb Millionen zu investieren“, sagt der 70-Jährige, der das Belchenhaus 2001, damals vom Land Baden-Württemberg, erworben hat.

Dass diese Pläne, die er im August 2019 beim Landratsamt Lörrach eingereicht hat, seit einem Jahr in der Warteschleife hängen, kann Rudiger nicht verstehen, zumal er keine klare Rückmeldung erhalten hat, wo es Schwierikeiten in der Umsetzung geben sollte. Die Kommunikation mit dem Bauamt des Landratsamts sei früher wesentlich besser gewesen, so der Gastronom. „Mittlerweile gleicht das Bauamt eher einer Bauverhinderungsbehörde“, kritisiert Rudiger die Verfahrensabläufe.

Ohne Modernisierung droht die Einstellung des Betriebs

Der Aiterner, der auch Geschäftsführer der Belchen Seilbahn GmbH ist, hat kein Verständnis dafür, dass er so lange hingehalten wird: „Es muss endlich etwas passieren.“ Falle die Entscheidung der Lörracher Behörde negativ aus, dann müsse er dies akzeptieren, meint Rudiger, warnt aber davor, welches Schicksal dem Belchenhaus dann drohen könnte. „Es besteht dann die Gefahr, dass es so läuft wie beim Gebäude auf dem Hochblauen“, sagt der Gastronom.

Dieses stehe nach langem Hin und Her wieder leer, so Rudiger, der nicht versteht, weshalb er in seinem Bemühen, auf dem Belchen den Gästen einen akzeptablen gastronomischen Betrieb zu bieten, ständig ausgebremst wird. „Wenn nicht bald etwas geht, zahlen wir die Gesellschafter aus und machen eben zu“, sagt Rudiger, der auf dem Belchen sieben Festangestellte und sieben Aushilfen beschäftigt.

Generationswechsel ist eingeleitet

Dass ihm so wenig Unterstützung seitens der zuständigen Behörden zuteil wird, ärgert Klaus-Peter Rudiger auch insofern, als es in der jüngsten Vergangenheit gelungen ist, den Generationswechsel einzuleiten. Rudigers Tochter Julia Stegt arbeitet im Betrieb des Vaters mit und wäre auch bereit, zukünftig das Belchenhaus zu betreiben – allerdings nur, wenn sich eine realistische Perspektive bietet und ein Betrieb unter modernen Maßstäben in einem akzeptablen Gebäude gewährleistet ist.

Wenn nicht bald etwas passiere, bleibe ihm wohl nichts anderes übrig, als die Landrätin und die Mitglieder des Kreistags auf den Belchen einzuladen, „damit sie sehen, um was es hier überhaupt geht“, so Klaus-Peter Rudiger. Was ihn besonders ärgert, ist das Messen mit zweierlei Maß. So sei beispielsweise auf dem Feldberg oder beim Prestigeprojekt des Landes, dem Nationalpark, sehr vieles möglich, während auf dem Belchen stets sehr defensiv agiert werde.

Sellbahnprojekt: „Man bräuchte zwei Leben“

Die von Rudiger beklagte mangelnde Unterstützung von Behörden führt auch dazu, dass er beim anvisierten Großprojekt Verlängerung der Belchenbahn nicht mehr vorangehen will: „Ich unterstütze das Vorhaben nach wie vor, aber nicht mehr an vorderster Front.“ Um so ein Vorhaben hier durchzusetzen, „braucht man offenbar zwei Leben“, beklagt der Geschäftsführer der Belchen Seilbhahn GmbH, die die bestehende Bahn zwischen Multen und dem Belchengipfel betreibt, den beschwerlichen Weg durch den Behördendschungel.

Dies sei besonders schade, weil das Vorhaben viel Zuspruch aus der Bevölkerung erhalte. Auch von kommunaler Seite her wird das Projekt weiter positiv gesehen, wie Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn erst jüngst bei seiner Wiederwahl betonte. Rudiger würde es jedenfalls begrüßen, wenn Schelshorn an der Sache dran bleibt, „denn es ist ein tolles Projekt, das auch funktionieren würde“.

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