Schönau „Gegen das Vergessen“

Bei der Filmpremiere: (von links) Schulleiter Jörg Rudolf, Regisseur Nico Gerspacher, Michael Schmuck, Paula Gersbacher, Richard Böhler, Markus Gromer, Maria Greshake und Bürgermeister Peter Schelshorn. Foto: Vanessa Seger Foto: Markgräfler Tagblatt

Kürzlich fand in der Aula des Gymnasiums Schönau die Premiere des Dokumentarfilms „Schönau und das Wiesental zur Zeit des Nationalsozialismus“ statt. In dem Film werden Zeitzeugen interviewt, die die Zeit des Nationalsozialismus in Schönau und der Umgebung erlebt haben und bereit waren, ihre Geschichten zu erzählen.

Schönau (vs). Einer dieser Zeitzeugen, Alt-Bürgermeister Richard Böhler, war darüber hinaus bereit, das Interview in der Anwesenheit einiger Schüler zu führen und diesen auch Fragen zu beantworten. Auch Paula Gersbacher, Michael Schmuck, Anna Strecker und Robert Schneider waren ebenfalls bereit, ihre persönlichen Erinnerungen an die NS-Zeit zunächst mit dem Kamerateam, darunter der Regisseur des Films, Nico Gerspacher, und später auch mit jedem Zuschauer zu teilen.

Schulleiter Jörg Rudolf konnte zu Beginn rund 150 Zuschauer begrüßen. Er bedankte sich bei Nico Gerspacher und Markus Gromer für die Verwirklichung des Projektes und das Einbeziehen des Gymnasiums Schönau. Besonders beeindruckt, so Rudolf, habe ihn das Grundmotiv des Films: „Gegen das Vergessen“. Die Erinnerungskultur soll Menschen dazu bringen, alte Fehler nicht wieder zu begehen und langfristig für Frieden in der Welt sorgen. Auch das Gymnasium Schönau möchte sich daran beteiligen, dass Schüler verstärkt über die Zeit des Nationalsozialismus aufgeklärt werden. Der Film soll daher ein fester Bestandteil des Geschichtsunterrichts an der Schule werden.

Mit Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus beschäftigt sich auch die Arbeitsgemeinschaft „Eine Schule mit Courage, eine Schule ohne Rassismus“. Das Ziel ist hierbei, die gleichnamige Auszeichnung für die Schule zu erhalten. Hierfür werden in einigen Klassenstufen Projekte durchgeführt, die das Verständnis eines respektvollen Umgangs miteinander ohne den Ausschluss einzelner Gruppierungen stärken sollen.

Jedes Jahr fährt die zwölfte Klassenstufe des Gymnasiums zum Konzentrationslager nach Struthof. Den Schülern soll damit verdeutlicht werden, dass die Geschehnisse des Nationalsozialismus auch in ihrer Region stattgefunden haben. Gezeigt werden Gefängniszellen, originale Sträflingskleidung, ein Seziertisch, ein Verbrennungsofen und eine Bilderausstellung, bei denen Leichen der Häftlinge zu sehen waren. „Die Ausmaße der NS-Ideologie werden hier erst richtig sichtbar“, so eine Schülerin der Oberstufe.

Nico Gerspacher, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Schönau und Regisseur des Films, betonte ebenfalls, dass die Aufklärung gerade bei Jüngeren im Vordergrund stehen soll. Deshalb sei die Regionalität des Films wichtig, da er somit für Schüler interessanter sei. Darüber hinaus sei in schulischen Geschichtsbüchern nichts über die Zeit des Nationalsozialismus im Wiesental vermerkt.

Der eigentliche Ideengeber ist jedoch Markus Gromer von der Firma Heinzmann in Schönau, die das Projekt finanziell unterstützt hat. Die Idee entstand, als Gromer bemerkte, dass Juden, wie viele weitere Gruppen auch, heute ebenfalls noch diskriminiert und ausgegrenzt werden. Es gebe zwar schon zahlreiche Medien, die Aufklärung leisten, jedoch sollte man alle zur Verfügung stehenden Quellen nutzen und die Geschichten der Zeitzeugen nicht unbeachtet lassen, so Gromer.

Zum Schluss der Veranstaltung wurde bekannt gegeben, dass es vermutlich einen weiteren Film mit anderen Zeitzeugen geben wird, zu denen die politisch engagierte Lehrerin Maria Greshake bereits Kontakt hat. Bei kostenlosen Häppchen konnten Alt und Jung im Anschluss in der Aula noch ins Gespräch kommen.

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