Schönau Gemeinsamer Lauf gegen Atomkraft

Markgräfler Tagblatt, 28.04.2015 23:03 Uhr

Schönau (vw). Die EWS erinnerte am Sonntag an die Atom-Explosion von Tschernobyl, die sich an diesem Tag zum 29. Mal jährte. Und dies mit einer ganz besonderen Aktion: Rund 50 Personen starteten gegen 13 Uhr in Fessenheim einen Lauf nach Schönau.

Nicht alle liefen die gesamte Strecke, ein Teil stieg aus, eine Gruppe stieß in Wieden hinzu, so dass am Ende 30 Läufer in Schönau ankamen. Die Läufer zeichneten nicht nur den Weg nach, weg von der alten, gefährlichen Technologie in Richtung Energiezukunft, gleichzeitig zeigten sie, wie sich eine Strahlenwolke bei Schwachwind bewegen und verteilen könnte.

Der Gau in Tschernobyl war auch die Initialzündung für die Bürgerinitiative in Schönau, aus der die EWS entstand, die am Sonntag parallel zu dem Lauf einen Hock veranstaltete.

Man rechnete in Schönau mit der Ankunft der Läufer abends um halb sechs. Um diese Uhrzeit kündigte Sebastian Sladek an: „Es dauert noch eine Stunde.“ Die Zeit war dann doch sehr knapp bemessen und man habe sich verschätzt. Doch schon wenige Minuten später lief der erste Läufer in den Hof der EWS ein, umrahmt von Jubel und Applaus. Christian Burger aus Ehrenkirchen-Ehrenstetten lief für einen Kunden der EWS. Er hatte die 39,2 Kilometer in vier Stunden und einer Minute zurückgelegt. Man sei gemeinsam los gelaufen - mit dem Ziel: „Schaltet Fessenheim ab“ - doch als es zum Wiedener Eck hoch ging, habe sich die Läufergruppe auseinander gezogen.

Der zweite Teilnehmer kam mit dem Fahrrad und kündigte die Laufwolke an - Reinhard Schmutz. Er war bereits um 10 Uhr mit einer Mini-Gruppe von Bollschweil nach Fessenheim zur Kundgebung gefahren, wo 5000 Leute demonstrierten, so viele wie schon seit Jahren nicht mehr. Dann habe er sich spontan der Laufgruppe angeschlossen. „Ich bin lange am hinteren Ende mit langer Zunge gefahren“, erzählte er. Er lobte die Leistung der Läufer und sagte: „Als Läufer hätte ich die Strecke nicht geschafft.“

Seit der Atomkatastrophe 1986 engagiert sich Schmutz gegen Atomkraft; dieses Schlüsselerlebnis als junger Vater führte ihn dazu, seither jedes Jahr an Aktionen in Fessenheim teilzunehmen.

Und dann kam die Laufwolke an – 30 Läufer zwischen 14 und 50 Jahren. Sie wurden von fahnenschwingenden und jubelnden Leuten auf der Straße empfangen und jeder einzelne erhielt eine Medaille. „Der Start in Fessenheim war irre, die Leute haben eine Gasse gebildet und gejubelt“, erzählte Eva Stegen von der EWS begeistert. An Stationen in Staufen, Münstertal und Grinne waren von Freiwilligen Getränke aufgestellt. „Es sind lauter schöne Dinge unterwegs passiert“, so Stegen.

Musikalisch umrahmt wurde der Hock bei der EWS von Daniela Sauter de Beltré (Gesang, Gitarre, Klavier) und Holger Rohn (Saxophon, Klarinette), die mit stimmungsvoller, handgemachter Musik begeisterten und für eine ganz besondere Atmosphäre sorgten. Das Catering übernahm das Black Magic Team des Schönauer Gymnasiums.