Schönau „Ideale Zukunftskonstruktion“

Die Bewirtschaftung der steilen Flächen im oberen Wiesental steht im Mittelpunkt des Projekts „Allmende 2.0“ des Biosphärengebiets Schwarzwald, das in der jüngsten Verbandsversammlung vorgestellt wurde. Foto: Archiv

Einen Überblick über die Aktivitäten des Biosphärengebiets Schwarzwald, das seit 2016 existiert und dessen Geschäftsstelle in Schönau angesiedelt ist, gab Geschäftsführer Walter Kemkes in der jüngsten Verbandsversammlung.

Von Peter Schwendele

Oberes Wiesental. Laut Kemkes sind bisher rund 460 000 Euro an Fördermitteln direkte über das Biosphärengebiet ins Gebiet des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau (GVV) geflossen. Mit diesen Beträgen seien knapp 850 000 Euro an Investitionen ausgelöst worden. Der Geschäftsführer legte den Zuhörern ans Herz, den Geschäftsbericht für das Jahr 2020 zu lesen, in dem dokumentiert ist, was alles im Biosphärengebiet unternommen wird.

Unter anderem läuft derzeit ein Projekt zur Sicherung der Wasserversorgung und man ist dabei, das Thema Regionalvermarktung voranzutreiben. Ebenfalls angelaufen ist ein Projekt zur Untersuchung des im oberen Wiesental üppig vorhandenen Borstgrasrasens. Etabliert haben sich die kulinarischen Hinterwälderwochen, die im Oktober bereits zum dritten Mal stattfinden. Auch die Anzahl der Partnerbetriebe des Biosphärengebiets wächst stetig. Die Ausbildung der sogenannten Biosphärenguides endet im Oktober. Der Zuspruch war sehr hoch. „Wir hätten dreimal so viel Guides ausbilden können“, sagte Kemkes. Im Rahmenkonzept, so der Geschäftsführer zusammenfassend, sind 86 Ziele formuliert und 52 Leitprojekte integriert.

Im Anschluss referierte Biosphärengebiet-Mitarbeiter Florian Brosette über das Projekt Allmende 2.0, das sich mit den historisch gewachsenen gemeinschaftlich genutzten Weideflächen, die sich häufig in steilen Lagen befinden, befasst. Das Projekt, für das mit 44 Landwirten intensive Gespräche geführt wurden, läuft noch bis April 2022. Bisheriges zentrales Ergebnis: Der Erhalt der kleinststrukturierten Landwirtschaft in der Region wird mehrheitlich als „ideale Zukunftskonstruktion“ erachtet. Auch die Bevölkerung vertrete diese Ansicht mit großer Mehrheit, wie eine Befragung ergeben habe, berichtete Brosette.

Zumeist handle es sich bei den Akteuren um Familienbetriebe, fast immer markiert die Landwirtschaft einen Nebenerwerb. Zwei Drittel des Umsatzes werden über Förderungen erwirtschaftet, ein Fünftel über den Fleischverkauf.

Den Ist-Zustand sieht Brosette durchaus positiv. Man habe hochwertiges Grünland, eine abwechslungsreiche Landschaft und viel „Humankapital“, sprich: viele Betriebe und eine motivierte Nachfolgegeneration mit Traditionsbewusstsein und Heimatliebe. Diese würden eine hohe Förderung bekommen und die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit für die Thematik Weidebewirtschaftung im Südschwarzwald steige.

Daraus ableitend gebe es allerdings auch eine Menge zu tun, um den Fortbestand der Strukturen zu sichern, so Florian Brosette, der unter anderem folgende Punkte nannte: Bessere Abstimmung und Bündelung von Aufgaben durch mehr Beratung, Aus- und Weiterbildung, bessere Vermarktung mit einer umfassenden Strategie für die gesamte Wertschöpfungskette, Stallbau, Futterproduktion in Kooperation, Herdenschutz im Zusammenhang mit dem Wolf, Steigerung der Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit und das Zulassen von unterschiedlichen Betriebskonzepten.

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