Schönau Kreuzungsbereich als Knackpunkt

Die Diskussion im Gemeinderat Schönau um die Verkehrsberuhigung in der Luisenstraße konzentrierte sich auf die künftige Gestaltung der Kreuzung zur Gentnerstraße hin. Foto: Peter Schwendele

Wie soll die Luisenstraße künftig aussehen und vor allen Dingen wie soll der Kreuzungsbereich zur Gentnerstraße hin gestaltet werden? Diese Fragen sorgten in der Gemeinderatssitzung am Montag für eine zähe und langwierige Diskussion, bei der man mehr und mehr den Eindruck gewinnen konnte, dass um wenige Meter hin oder her gefeilscht wurde.

Von Peter Schwendele

Schönau. Dabei ging es bei dem Tagesordnungspunkt, bei dem Planungsvarianten für die Verkehrsberuhigung in der Luisenstraße vorgestellt wurden, erst einmal nur um grobe Entwürfe, wie Bürgermeister Peter Schelshorn eingangs betonte.

Drei Basisvarianten

Zur Debatte standen denn auch drei Basisvarianten, die vom Büro dwd vorgestellt wurden. Grundsätzlich soll für die gesamte Straße eine verkehrsberuhigte Zone geschaffen werden (aktuell beginnt diese erst beim Kindergarten). In dieser ist Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben und alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt, weswegen auch eine gemeinsam genutzte Verkehrsfläche ohne Bordsteine (die derzeit zum Teil noch sehr hoch sind) gestaltet werden soll, die sich überdies von den umgebenden Straßen abgrenzt.

In allen drei Varianten sind Parkplätze vorgesehen. Weiter soll es bei einer Einbahnstraßenregelung bleiben, wobei die Zufahrt nur noch für Anlieger und Parkende möglich sein soll. Während sich die Varianten A und B lediglich in Details, etwa der Parkplatzanzahl, unterscheiden, im Wesentlichen aber eine Verschiebung und Verknappung der Ausfahrt zur Gentnerstraße hin als markantes Element aufweisen, wird bei der Variante C der bisherige Straßenverlauf, eine geschwungene Kurve zur Gentnerstraße hin, die für einen üppigen Kreuzungsbereich sorgt, beibehalten.

Kreuzungsgestaltung

Wie Bürgermeister Schelshorn darlegte, habe sich bei einer Informationsveranstaltung mit dem Gemeinderat und Anliegern der Luisenstraße Anfang September klar gezeigt, dass die Varianten A/B favorisiert werden. Auch die Verwaltung und das Büro dwd präferiere diese Ausrichtung deutlich, denn durch die Umgestaltung werde der herrschenden Neigung, zu schnell von der Luisen- in die Gentnerstraße einzubiegen, erheblich entgegengewirkt. Durch die neue Achsengebung werde die Kreuzung übersichtlicher, es werde klarer, dass es sich in diesem Bereich um unterschiedliche Straßen handle und man könne nicht mehr ohne Weiteres von der Luisenstraße über die Gentnerstraße in die Ledergasse preschen. „Wir wollen baulich verhindern, dass zu schnell aus der Luisenstraße herausgefahren wird“, stellte Schelshorn klar.

Meinungen der Räte

In der Sitzung zeigte sich jedoch, dass sich das Meinungsbild im Gemeinderat mitnichten so klar darstellte wie von der Verwaltung erhofft. Mechthild Münzer (CDU) vertrat die Auffassung, dass die gesamte Maßnahme nicht erforderlich ist, denn es sei zu bezweifeln, dass in der Luisenstraße zu schnell gefahren werde. Vor dem Kindergarten gebe es bereits einen verkehrsberuhigten Bereich und die Umgestaltung sei sehr kostspielig, meinte Münzer.

Michael Schröder (SPD) schlug vor, die Achsenverschiebung nicht so extrem zu gestalten, somit die künftige Kurve abzuschwächen und an beiden Straßenseiten einen gewissen Raum zu gewinnen. Ähnlich argumentierte Oliver Gierth (FW).

Michael Sladek (FW) hinterfragte den Platz, der vor dem Haus Luisenstraße 1 durch die Achsenverschiebung entstehen würde und dessen Gestaltung bis zur Detailplanung offen bleiben soll. Dieser Bereich soll laut Bürgermeister Schelshorn zwar ansprechend gestaltet werden, aber keine Aufenthaltsqualität bekommen, da dies eher beim benachbarten, derzeit im Bau befindlichen MTB-Haus angestrebt werde. Alexandra Diewald vom Büro dwd wollte den Bereich ebenfalls nicht überbewertet wissen; es werde sich eher um „eine größere Durchgangsfläche für Fußgänger als einen Platz“ handeln.

Ansichten der Anlieger

Michael Schröder tat kund, dass er nach Gesprächen mit Anwohnern von den Varianten A/B abgekommen sei. Und in der Tat meldeten sich in der Gemeinderatssitzung Anwohner zu Wort und hinterfragten die vorgeschlagene Umgestaltung der Kreuzung. Nicht nur, dass es dort selten bis nie zu einem Unfall komme, es werde auch eine aktuell schöne Grünfläche an dieser Ecke geopfert, meinte ein Anlieger.

Kompromissvorschlag

Bürgermeister Peter Schelshorn griff den Ansatz von Michael Schröder auf und entwickelte eine „Variante D“, bei der im Hinblick auf die Achsenverschiebung im Kreuzungsbereich ein Mittelweg verfolgt wird, bei dem die Kurve nicht so rechtwinklig wie bei den Varianten A/B vorgesehen gezogen wird, so dass auf beiden Seiten der Straße ein gewisser Raum entsteht, der auf verschiedene Art genutzt werden kann. Wie genau, das blieb in der Sitzung offen. Für diesen Kompromissvorschlag sprachen sich acht Ratsmitglieder aus, vier waren dagegen.

Zeitplan

Planerin Diewald stellte allerdings klar, dass mit dieser neuen Variante der ursprünglich anvisierte Zeitplan nicht zu halten ist. Unter anderem stieß dies Alexander Knobel (CDU) sauer auf, der gegen den Beschlussvorschlag stimmte und von einem „Hammer“ sprach: „Wir gehen völlig unnötig einen Schritt zurück. Was ist entscheidend daran, ob diese Straße einen Meter weiter rechts oder links verläuft?“

Das Büro hatte vorgehabt, die Ausführungsplanung bis Mitte Dezember vorzulegen und dann in die Ausschreibung zu gehen. Baubeginn hätte im April oder Mai sein sollen, damit die rund sechsmonatige Bauphase vor dem Winter 2022 abgeschlossen werden kann. Diese, wie Diewald meinte, ohnehin „sehr ehrgeizige“ Zeitschiene sei nun nicht mehr zu halten, da ihr Büro die Variante D planungsmäßig neu erarbeiten müsse.

Kosten

Nichtsdestotrotz zeigte sich die Planerin überzeugt davon, dass die Maßnahme einen „großen Mehrwert für die Anlieger, den Kindergarten und die Stadt“ bringt. Im Zuge der Straßenumgestaltung, die rund 362 000 Euro kosten wird, soll auch der marode Abwasserkanal für 167 000 Euro erneuert und die rund 50 Jahre alte Wasserleitung für knapp 207 000 Euro ersetzt werden. In den Gesamtkosten für das Vorhaben von knapp 736 000 Euro sind auch die Entsorgungskosten für den teilweise mit Arsen und Blei belasteten Erdaushub enthalten.

  • Bewertung
    0

Umfrage

reg_0210_Impfung_dpa_Christoph_Soeder

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hal vorgeschlagen, die „epidemische Notlage von nationaler Tragweite“ Ende November zu beenden. Was halten Sie davon? 

Ergebnis anzeigen
loading