Schönau Lesung war eine einmalige Erfahrung

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„Botschaft der Versöhnung“: Autorin Erika Rosenberg erweckte bei ihrem Vortrag im Gymnasium Schönau die Erzählung zum Leben.            Foto: zVg

Schönau. Obwohl sie mit ihm zusammen 1200 Juden vor dem sicheren Tod rettete, geriet Emilie Schindler beim Erzählen dieser Geschichte häufig in den Hintergrund. Dies wollte Erika Rosenberg ändern, indem sie ein Buch über die wahre Geschichte von „Schindlers Liste“ schrieb – Emilie Schindler tritt darin als Erzählerin auf.

Gedanken über eigene Herkunft veranlassten zum Schreiben

Erika Rosenberg, die eigentlich in Argentinien lebt und dort auch Bekanntschaft mit Emilie Schindler machte, ist derzeit für einige Wochen in Europa. Unter anderem, um in Schulen Lesungen zu halten. Dass auch die Schüler des Gymnasiums Schönau die Chance auf diese „einmalige Erfahrung“ bekamen, wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung ermöglicht, mit der das Gymnasium Schönau in anderen Bereichen wie Demokratieprojekten bereits zusammenarbeitet, heißt es in einer Mitteilung.

Bevor in die Vergangenheit der Schindlers eingetaucht wurde, erzählte die Autorin aus ihrer eigenen Vergangenheit.

Ihre Eltern waren vor der Verfolgung in Nazideutschland nach Südamerika geflohen, wo Erika Rosenberg 1951 geboren wurde. Dass ihre Eltern nie über ihre Vergangenheit sprachen, weckte ihr Interesse an Geschichte. Im Rahmen von Recherchen zu einem Buch über die Einwanderung nach Argentinien lernte sie Emilie Schindler kennen, freundete sich mit ihr an und beschloss mit ihr zusammen, über deren Geschichte zu schreiben. Teilweise mithilfe echter Fotografien, beispielsweise aus Oskar Schindlers Jugend, teilweise durch Vorlesen von Passagen aus ihrem Buch, berichtete Erika Rosenberg.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1935. Zu diesem Zeitpunkt sind Emilie und Oskar Schindler bereits verheiratet, und Oskar Schindler tritt eine Stelle beim Geheimdienst des Deutschen Reichs an. Beziehungen zu einflussreichen Offizieren sind die Begleiterscheinung, die ihm schließlich auch die Übernahme einer Fabrik ermöglichten.

Der Grundstein für die Rettung von 1200 Juden war damit gelegt: Die Zwangsarbeiter erhielten dort ausreichend Nahrung, die Emilie vom Schwarzmarkt besorgte, und Kranken wurde geholfen. Als die „Endlösung der Judenfrage“ vom NS-Regime immer nachdrücklicher verfolgt wurde, brachte das Ehepaar Schindler die bei ihnen beschäftigten Juden auf dem Gelände ihrer Fabrik unter.

Diese Hilfen hätten Emilie und Oskar Schindler bei Bekanntwerden vermutlich das Leben gekostet. Außerdem wandten sie für Bestechungsgelder und die Versorgung von 1200 Menschen nahezu ihr gesamtes Vermögen auf, das sie durch die Fabrik gewannen, heißt es weiter.

Rosenberg lässt in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt, dass auch Oskar Schindler wie jeder Mensch Schwächen hatte. Er fälschte in seiner Jugend seine Zeugnisse und schwänzte oft die Schule, bevor er sie schließlich abbrach. Die Mitgift, die er durch die Hochzeit mit Emilie erhielt, verprasste er, und einige Zeit war er sogar kurz selbst Mitglied der NSDAP. Seine Geschichte zeigt, dass „in jedem von uns die Möglichkeit ist, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen und Großes zu tun“, so die Autorin.

„Jeder kann im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen“

Mit der Mischung aus vielen Fotos, detailreichen Erfahrungsberichten von Emilie Schindler und der Beantwortung von Zuhörerfragen während des Vortrags gelang es Erika Rosenberg, die Geschichte ein Stück weit zum Leben zu erwecken.

Die Botschaft ihres Vortrags war für sie eine „Botschaft der Versöhnung“ an das Land, aus dem ihre Eltern einst fliehen mussten, aber gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass man „nur mit dem Herzen“ gut sieht, welches bei jedem Menschen die gleiche Farbe habe, „nur die Verpackung“ sei anders.

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