Schönau Minimale Tricks mit großer Wirkung

Faszinierende Aquarellkunst: die Brücke im Park. Fotos: Ines Bode Foto: Markgräfler Tagblatt

„Technik“ lautet ein Zauberwort in der Malerei, und die technische Herangehensweise dient auch der Schönauer Künstlerin Renate Schmidt als Handwerkszeug. Die Perfektion ihrer Arbeitsweise fand sie bei einem Amerika-Besuch – förderlich war dabei der pure Zufall.

Von Ines Bode

Schönau. Wer das Atelier der Malerin betritt, wird von naturgetreuer Darstellung gefesselt. Den Besucher empfangen metergroße Werke der Sparte „hohe Aquarellkunst“. Die Motive – oft sind es Landschaften – bieten sich dem geschulten Auge Schmidts vor der Haustür, im Umland oder schlicht „unterwegs“. Der Künstlerin gelingt es, naturgetreue Szenerien einzufangen und diese mit Nuancenreichtum zu versehen.

Oft versteht es die Malerin, die Konzentration auf das zweite Zauberwort der Malerei zu lenken: das Licht. Die Kraft von Lichtströmen, ob als Sonnenstrahl, Mondschein oder gleißende Leuchtflut, nutzt Schmidt für den Charakter ihrer Bilder. Um beide ausschlaggebende Komponenten, die erwähnte Technik und das Licht, möglichst auszukosten, sei sie immer auf der Suche zur Weiterbildung gewesen, erzählt die Autodidaktin. Sie „studierte“ das Schaffen von Vorbildern, widmete sich der Lektüre über namhafte Meister. Darüber hinaus beschäftigte sie sich lange vor ihrem professionellen Einstieg intensiv mit jenem Lernprozess, den man Experimentieren nennt.

Seltene Methode

Im Zuge der Vervollkommnung ihres Stils stieß sie auf eine hierzulande eher seltene Methode: Gummi arabicum. Mit dem Pinsel wird diese Lösung aufs Papier aufgetragen, die von flüssig auf fest wechselt, und Stellen markiert, die weiß bleiben sollen. Das sei der Knackpunkt des Aquarellierens, so Schmidt. Anders als bei Öl- und Acrylfarbe, wo sich selbst auf ein pechschwarzes Bild ein weißer Klecks platzieren lasse, stehe bei Wasserfarbe schon vor dem ersten Pinselstrich fest, was eben weiß bleibe. Freilich sei dies auch mit Wachsstiften möglich.

Schmidt begeistert sich für die Technik des Amerikaners Andrew Wyeth, der in seiner Heimat bis heute als Ikone gilt. Zu ihrem Glück stieß Schmidt auf einen Band in deutscher Sprache über das Idol von der US-Ostküste. Der Preis des Buches schreckte sie zunächst ab, jedoch trug ihr Wissensdrang den Sieg davon.

Nicht erahnen ließ sich, dass es dazu eine Fortsetzung geben wird, die zudem das Wirken Schmidts auf eine neue Ebene hob. Denn Jahre später weilte eine Tochter von ihr in Philadelphia, und die Gasteltern empfahlen der Frau Mama, der Malerin aus Germany, einen Artist, dessen Exponate eine Kunststätte in der Nähe zeige. Völlig perplex registrierte eine sprachlose Schwarzwälderin den Namen: Andrew Wyeth. Allerdings war das Gebäude geschlossen. Wiederum verging Zeit, eine zweite Tochter weilte in Washington D.C., und erst dann war der direkte Zugang zu den Bildern möglich.

Das Mal-Gen meldet sich

Auf all den Reisen meldete sich natürlich Schmidts Mal-Gen, das neue Erfahrungen auslöste. Weit raffinierter genutzt werde in den USA die Gummitechnik, erzählt sie. Zunächst spiele die Menge des Wassers eine Rolle. Auch werde das Papier vielfach bewegt, und mit dem Farbverlauf gekonnt gespielt. Unablässig folge Farbe, unablässig sei die Unterlage in Bewegung. Ständig wird gewendet, gedreht, gewischt und getrocknet. Heraus kommt die verblüffende Verästelung eines Baumes.

Es sind minimale Tricks, die große Wirkung zeigen. Eigene Experimentierfreude lehrte sie, mit dem neueren Wissen kaltes und warmes Licht zu erzeugen – auf einem Blatt. „Wie machst du das?“, fragen Kollegen. Es sind auch die Jahrzehnte der Erfahrung, schmunzelt Schmidt – und die Kunst, im richtigen Moment aufzuhören.

Zu besichtigen wären die Werke Schmidts im Schönauer Frauenstudio „YogAnna“ – sobald es in der Corona-Krise wieder öffnen darf.

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