Schönau Plädoyer für mehr Dezentralität

Claudia Kemfert (Mitte) mit EWS-Mitarbeitern in Schönau: (von links) Peter Ugolini-Schmidt, Ursula Sladek, Michael Sladek, Alexander Sladek, Luis Pfeiffer, Sebastian Sladek, Thies Stillahn und Eva Stegen. Foto: zVg Foto: Markgräfler Tagblatt

Schönau. Energieökonomin Claudia Kemfert informierte sich kürzlich in Schönau über das EWS-Modellprojekt zur intelligenten Bürgerenergie, in dem verschiedene Ansätze verfolgt werden, wie Strom aus kleinen Solaranlagen dezentral vermarktet und gemeinschaftlich genutzt werden kann.

Die Zukunft der Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien gehört den dezentralen Versorgungsmodellen – darüber bestand in dem Gespräch mit Professor Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bei den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) große Einigkeit. „Wir haben in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass mehr Dezentralität nicht nur sinnvoll ist, sondern auch eine kostengünstigere Umstellung der Energieversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare ermöglicht“, sagte die Expertin laut Pressemitteilung.

Dabei verweist sie die Debatten über Geisterstrom und Dunkelflauten in das Reich der Mythen. Diese würden von den Akteuren geschürt, die noch von der fossil-atomaren Versorgungsstruktur abhängig seien und sich mit allen Mitteln gegen eine dezentralere Energiewende wehrten. Dieser Überzeugung sind auch die EWS. „Wir setzen uns sehr dafür ein, die Prosumerrechte zu stärken und die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass endlich auch Bürger ihre Strommengen aus kleinen Solaranlagen sinnvoll vermarkten können“, so EWS-Vorstand Alexander Sladek.

Derzeit werden im Schönauer Modellprojekt der intelligenten Bürgerenergie verschiedene Ansätze getestet, wie Prosumer zum Beispiel ihren selbsterzeugten Solarstrom effizient selbst nutzen und überschüssigen Strom der Gemeinschaft zur Verfügung stellen können.

Auch die Europäische Union fordere, die Bürgerenergie und damit dezentrale Versorgungsmodelle deutlich zu stärken. Demnach soll eine bürgernahe Energieversorgung, zum Beispiel über solaren Mieterstrom in der nationalen Gesetzgebung deutlich vereinfacht werden. Insbesondere Deutschland stehe dabei noch auf der Bremse. „Bislang hat der Gesetzgeber an Förderung der Dezentralität kein Interesse, denn er folgt weiterhin der Sichtweise der großen Konzerne mit zentralistischen Strukturen“, sagte Claudia Kemfert. Sie appellierte daher an alle Vertreter einer dezentralen Energiewende, sich weiter mit Nachdruck für eine bürgernahe Energiewende einzusetzen.

Zur Sprache kam im Austausch mit Claudia Kemfert auch die Relevanz einer wirksamen CO2-Bepreisung. „Das ist eine der ältesten Debatten und weiterhin unerfreulich“, so Kemfert. Es bestand Einigkeit darüber, dass die jetzt im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung vereinbarte Einführung eines Zertifikatehandels für die Sektoren Verkehr und Wärme nicht die richtige Lösung sei. Diskutiert wurde auch die Notwendigkeit, die CO2-Bepreisung sozialer auszugestalten. Dieser Aspekt müsse im Klimapaket der Bundesregierung unbedingt nachgebessert werden.

Abschließend unterstrich Sebastian Sladek die Notwendigkeit, dass jetzt „endlich gehandelt werden muss, um dem voranschreitenden Klimawandel noch Einhalt gebieten zu können“. Der Druck aus der Zivilgesellschaft auf die politischen Entscheidungsträger müsse daher hoch bleiben.

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