Schönau Possenreißer und „Pfiifechöpf“

Schönau - „Wenn’s de Narre im Fiedle juckt, un alli sin e weng verruckt, dann chasch sicher si, es sich sowit: si isch wieder do, die Fasnachtszit!“: Mit diesen Reimen kündigte Oberzunftmeisterin Johanna „Jojo“ Tröndle den Gästen in der Buchenbrandhalle ein außergewöhnliches „Zunftabend-Spektakulum“ an.

Sie bat denn auch, die Darbietungen „mit wildem Geschunkel und Geklatsche“ zu belohnen - und stieß damit nicht auf taube Ohren. Denn die närrischen Besucher waren gut drauf und fuhren total ab auf die Possenreißer, Gaukler, Komödianten, Hexen, Teufel und Flößer. Die zielten mal über, mal unter die Gürtellinie, hüteten sich aber, sich mit der Obrigkeit anzulegen oder den Lokalpolitikern den Narrenspiegel vorzuhalten.

Aber auch bei diesem Zunftabend galt: keine Regel ohne Ausnahme. Die Oberzunftmeisterin zündelte ein wenig im Biosphärengebiet, rügte den „hirngespinstigen“ Plan, das Büro „in de alte ZG“ einzurichten und es mit einer Holzfassade auszustatten: „Holz verfuhlt, Renovierig alli paar Johr - des wird teuer“.

Das erinnere sie an den Baustil der Marktscheuer in der Fröhnd. Denen sei’s jedoch gegönnt, wo die Bürgermeisterin doch bleiben müsse, weil es mit ihrem Traumjob auf dem Feldberg nix geworden sei. Womöglich bewerbe sie sich bei bei der nächsten Wahl in der schönen Au: „Z’letscht mueß de Peter dann zittere un um sin guede Job no bibbere!“

Der bibberte nicht, aber er fieberte dem Moment entgegen, an dem er den Rathausschlüssel an die Narren abtreten durfte. Vögtin „Jojo“ stand parat und forderte ihn zackig zur Kapitulation auf. Ein wenig lädiert sah er aus, als ihn zwei Pagen auf die Bühne schleppten. Die Ozume fragte denn auch spitz, ob ihm die Jumelage mit Villersexel auf den Magen geschlagen habe, die wohl eher einem „französische Senioretreff“ geähnelt habe. Von der Feuerwehr abgesehen, glänzten bei dem Treffen die Jungen durch Abwesenheit. Die Narrenchefin rügte denn auch, beim Nachwuchs sei nichts von Dauer, und sprach diesbezüglich explizit die „Kleine Bühne“ beim Gymnasium an.

Dem „Chrüzritter Kunipeter“ Schelshorn klingelten denn auch die Ohren. Er meinte, für „Burgermeister vo jedere Gmei“ wäre es das Beste, „de Gmeirot wär ä ungradi Zahl zwische null un zwei.“ Dann könnte er durchsetzen, was Geld in die Kasse bringe und auch noch Spaß mache: „Statt Windrädli gäb’s für Fröhnd e Nacktwanderweg“. Dann verabschiedete er sich mit einem Wink mit dem Zaunpfahl an die Gewerbetreibenden und deren Auflösungspläne: „Ganz ernscht vo mir gmeint: Ihr sin nit ganz bache!“

Danach ging die mittelalterliche Party - moderiert von „Fürstabt Johann Georg Blasius“ alias Hannes Kohler –­ endgültig ab. Die Garde tanzte den Narhallamarsch, Klaus Karle „stach“ sich als „Schnoog“ durch die Stadt und lädierte dabei manch Hinterteil, die Schellenteufel erinnerten daran, wer den Schnaps gemacht hat, „Pfiifechöpf“ erzählten die blutrünstige Geschichte eines Duells um die schöne Cinderella, und Alexander Knobel zeigte der Abordnung der FGZ im Saal als „Hürusine“, wie positiv es rüberkäme, wenn sie in der Schwanenstadt nicht einen Hürus, sondern eine „Constanze“ zum Fasnachtsregenten krönen würden.

In einem wilden, toll in Szene gesetzten Tanz schließlich endete die „geheime Versammlung der Hexen“, die vier ihrer Mitglieder auf dem Scheiterhaufen verloren und nun krampfhaft versuchten, mit Damen aus der Stadt die Lücken zu stopfen.

Nach grandiosen Tänzen „verhexter“ Gardemädchen und nach einem humorvollen Luftpumpenkonzert der Flösser durfte noch einmal der Fanfarenzug ran, der schon zum Auftakt des Abends in der voll besetzten Buchenbrand-Burg für Stimmung gesorgt hatte.

Diana Böhler und Jörg Lais erhielten für ihren engagierten Einsatz als Zunftmitglieder über nunmehr 25 Jahre den Holzorden.

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