Schönau „Sprachbrücken“ werden aufgebaut

Peter Schwendele
Auf spielerische Art bieten die Studentinnen der PH Freiburg Sprachförderung an der Buchenbrand-Grundschule Schönau an. Foto: Peter Schwendele

Schulgebäude sind in der Regel in den Ferien verwaist. An der Buchenbrand-Grundschule in Schönau ist dies in den laufenden Herbstferien anders: 15 Kinder nehmen derzeit an dem Projekt „Sprachbrücken“ teil, mit dem Defiziten, die während der coronabedingten Schullockdowns aufgelaufen sind, entgegengewirkt werden soll. Vier Studentinnen der PH Freiburg betreuen die Kinder.

Von Peter Schwendele

Schönau. Angestoßen wurde das Ganze von der Caritas-Außenstelle in Schönau, wo der Bedarf für ein solches sprachförderndes Angebot während der Corona-Hochphase erkannt wurde. Caritas-Mitarbeiterin Anna Gassmann musste feststellen, dass insbesondere auch bei Familien mit Migrationshintergrund während der Lockdowns die übliche Tagesstruktur teilweise weggebrochen war – mit negativen Folgen.

Bis es jedoch gelang, ein Hilfsprojekt aufzugleisen, war einiges an Vorarbeit nötig. „Es ist schon ein Behördendschungel“, sagt Anna Gassmann, die erst nach längerer Suche auf das Angebot der Pädagogischen Hochschule in Freiburg stieß, die zusammen mit weiteren Einrichtungen an der Bildungsinitiative „Sprachbrücken“ beteiligt ist. Die Initiative geht davon aus, dass sich in Folge der Corona-Pandemie durch Lockdowns und Quarantänemaßnahmen die Bildungsbenachteiligung bestimmter Gruppen von Schülern noch einmal deutlich verschärft hat. Insbesondere die Ausbildung der mündlichen sprachlichen Fähigkeiten hat in den vergangenen eineinhalb Jahren gelitten.

Wichtige Praxiserfahrung

An der Buchenbrandschule in Schönau wirken dem derzeit Viktoria Hofherr, Ida Fischer, Sabeen Altwal und Anna Schmitt entgegen. Für die vier Studentinnen der PH Freiburg, die aktuell jeden Morgen 15 Kinder unterrichten, ist das Projekt auch eine Möglichkeit, wichtige Praxiserfahrungen zu sammeln. Das betont etwa Viktoria Hofherr, die ihre Bachelor-Arbeit zum Thema „Deutsch als Zweitsprache“ geschrieben hat und es extrem wichtig findet, dass sich die zukünftigen Pädagogen mit Kindern, die Sprachprobleme haben, auch in der Praxis auseinandersetzen. „Deutsch als Zweitsprache“ werde im Lehramtsstudium nicht weitreichend thematisiert, was Hofherr für problematisch hält, „weil man später an den Schulen doch sehr viel mit Kindern zu tun hat, deren Muttersprache nicht Deutsch ist“.

Auch Ida Fischer und Anna Schmitt, die im fünften Semester studieren, betonen, dass in ihrem bisherigen Studienverlauf eine gewisse Theorielastigkeit erkennbar sei. Insofern empfinden die Studentinnen ihren aktuellen „Job“ an der Buchenbrandschule definitiv als Bereicherung. „Für uns hat das auf jeden Fall einen Mehrwert“, sagt Fischer. Auf der anderen Seite ist es keine Frage, dass Projekte wie die „Sprachbrücken“ für Studenten einen zusätzlichen Aufwand darstellen, weswegen auch viele andere Lehramtsanwärter vor einem solchen Einsatz eher zurückschrecken.

Die Sinnträchtigkeit des Angebots liegt für die vier Studentinnen jedenfalls auf der Hand. In dieser Woche läuft der Unterricht in erster Linie über bewusst offen gehaltene Ansätze, die Möglichkeiten eröffnen, dass Kinder und Unterrichtende sich kennenlernen können. Der spielerische und gestaltende Umgang mit Sprache ist ohnehin ein Kernelement der Initiative „Sprachbrücken“. Und den vier Studentinnen ist es wichtig, dass die Kinder Spaß haben an dem zusätzlichen Lernangebot.

Denn schließlich sollen sie in die Schule gehen, während andere Schüler frei haben. Wobei hinter dem Ganzen kein Muss steht, wie Anna Gassmann betont. Vielmehr handelt es sich um ein freiwilliges Angebot, das von denjenigen, die von der Caritas konkret angesprochen wurden, auch sehr gern angenommen worden sei.

Projekt läuft weiter

Nach den Herbstferien planen die Studentinnen, in die konkrete Lernarbeit einzusteigen. Sie fühlen sich dabei sehr gut unterstützt von der Pädagogischen Hochschule und haben auch ein wissenschaftlich ausgearbeitetes Verfahren im Gepäck. Auf diesem soll eine gezielte Förderung der einzelnen Kinder aufbauen. Laufen soll das Projekt zunächst bis Februar 2022, wobei jeweils dienstags und donnerstags zwei Stunden Zusatzförderung eingeplant sind.

„Wir sind happy, dass die Buchenbrandschule bei dem Projekt mitmacht und wir uns hier einbringen können“, sagt Anna Schmitt. Die Kinder wiederum sollen erleben, dass es Spaß machen kann, Sprachen zu lernen. Für Lernende und Lehrende klingt das – neudeutsch gesprochen – nach einer Win-Win-Situation.

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