Schönau Streitbar und mit Augenzwinkern

Eine engagierte, streitbare Schulleiterin, die für ihre Schule und die jungen Menschen, die dort fürs spätere Leben ausgebildet werden sollen, manches Gefecht ausgetragen hat, sagt auf Wiedersehen: Rektorin Susanne Spiegelhalder-Rinderle wurde am Dienstagnachmittag an der Buchenbrand-Grundschule Schönau offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Von Peter Schwendele

Schönau. Die Feierstunde in der Schule war umrahmt von Videosequenzen, in denen Schüler sich Gedanken machten, wie die scheidende Rektorin etwa ihren Ruhestand verbringen wird oder was sie als Schulleiterin eigentlich den lieben langen Tag so gemacht hat. Die Beiträge der Schüler sorgten für Lachen und Schmunzeln, auch als es darum ging, welchen Berufsweg Susanne Spiegelhalder-Rinderle hätte einschlagen können, wenn sie nicht Lehrerin geworden wäre. Da fiel den Schülern einiges ein, bis hin zu der Möglichkeit, als Bundeskanzlerin zu wirken.

Ob es dafür auch gereicht hätte, bleibt dahingestellt. Einig waren sich jedoch alle Anwesenden, dass sich Susanne Spiegelhalder-Rinderle absolut richtig entschieden hat, als sie ab dem Jahr 2000 ihre Lehrerkarriere auf die Übernahme des verantwortungsvollen Postens der Schulleiterin ausgedehnt hat, zunächst an der Angenbachtalschule Häg-Ehrsberg und dann ab 2006 an der Buchenbrandschule in Schönau. Und dass sie diese Aufgabe mit großem Engagement und auf ihre ganz eigene Weise ausgefüllt hat.

So meinte Konrektorin Franziska Poprawa, das Auftreten der Schulleiterin sei von „Stressresistenz und Tatendrang“ geprägt gewesen. Mit ihrer Devise „Nicht lang rumdenken, sondern machen“ habe sie das Kollegium oft mitgerissen. Dank der Ideen von Spiegelhalder-Rinderle habe die Buchenbrandschule etwa den Status der Naturparkschule erreicht. Insgesamt habe die scheidende Rektorin in ihrer gut 15-jährigen Tätigkeit in Schönau „Meilensteine gesetzt“.

Regina Höfler vom Staatlichen Schulamt in Lörrach verwies darauf, dass Susanne Spiegelhalder-Rinderle in ihren 21 Jahren als Schulleiterin viele Veränderungen erlebte, diesen aber immer auch ein eigenes Profil verliehen habe. Mit „klaren Visionen“ habe sie an der Buchenbrandschule einen besonderen Lern- und Lebensort geschaffen. So sei die Schule beispielsweise bei der Digitalisierung „vorbildlich“ aufgestellt. „Für ihre Ziele haben Sie so manches Gefecht ausgetragen“, sagte die stellvertretende Leiterin des Schulamts zu der scheidenden Rektorin. Der Verantwortung, die ihre Position mit sich gebracht habe, sei sich Spiegelhalder-Rinderle immer sehr bewusst gewesen, sagte Höfler und verwies besonders auf deren Bereitschaft, in personell schwierigen Zeiten zusätzlich die Leitung der Grundschule in Aitern mit zu übernehmen. „Sie haben ihre Aufgaben mit viel Geschick und großem Können gemeistert, immer lebendig und streitbar, und gerne auch mit einem kleinen Zwinkern im Auge“, lobte Höfler.

„Wir verlieren eine streitbare Person“, meinte auch Schönaus Bürgermeister und GVV-Vorsitzender Peter Schelshorn. Susanne Spiegelhalder-Rinderle habe „immer gekämpft in der Sache, immer für die Schüler“, meinte der Rathauschef, betonte aber gleichzeitig, dass der Austausch „stets wunderbar funktioniert hat“.

Den außergewöhnlichen Einsatz der Rektorin für die Schüler hob auch Elternbeiratsvorsitzende Dolly Faßbender hervor. Sie bedankte sich für den Einsatz von Spiegelhalder-Rinderle, gerade auch in schwierigen Zeiten, speziell in der belastenden Coronaphase.

Dann war es an Susanne Spiegelhalder-Rinderle selbst, sich zu verabschieden. Mit einer kurzen Jonglage mit farbigen Tüchern gab sie eine visuelle Arbeitsplatzbeschreibung von Schulleitern: Die Tage seien vielfältig, bunt, alles gehe durcheinander, es gebe Ups und Downs. In dieser Gesamtsituation sei es ihr stets wichtig gewesen, das Miteinander zu pflegen. Ihr Anspruch sei immer gewesen, Impulse von außen aufzunehmen, aber auch, ihre eigenen Ideen einzubringen. Besonders die Ausrichtung als Naturparkschule, die sie als „ungeheure Bereicherung“ empfinde, sei ihr am Herzen gelegen, denn „es ist einfach toll, mit den Kindern unterwegs zu sein“. Dass dies zuletzt nicht mehr so einfach möglich war, habe das Schulleben beeinträchtigt. Zur Coronasituation meinte die Rektorin: „Zur Schule gehören Kinder. Es war schlimm, als sie weg waren.“

Susanne Spiegelhalder-Rinderle erinnerte auch daran, dass ihre Anfangszeit in Schönau nicht einfach war. Damals sei sie auf ein gespaltenes Kollegium getroffen und es habe viel Energie gekostet, diverse Hürden zu überwinden. Ganz anders dagegen sei die Zusammenarbeit mit dem aktuellen Lehrerkollegium, für das die scheidende Schulleiterin voll des Lobes war. Die vorherrschende offene und freundliche Art des Umgangs sei ein „Wohlfühlfaktor am Arbeitsplatz“, meinte Spiegelhalder-Rinderle und bedankte sich bei allen, die dem Schulleben eine positive Note geben und ihr selbst in den vergangenen 15 Jahren Hilfe und Stütze waren.

Vom Lehrerkollegium abschließend besungen und reich mit Abschiedsgeschenken ausgestattet, konnte die Rektorin dann gut gelaunt zu einem Umtrunk überleiten und schon einmal entspannt vorausblicken auf die nahende Ruhestandsphase, die sie mit ihrer Familie genießen will.

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