Schönau Ströme lebendigen Wassers

Über die Evangelien-Abschrift freuen sich Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn, Ronald Kaminsky, Catrin Wuchner und Pfarrer Fred Ritzhaupt (von links). Foto: Dirk Friberg Foto: Markgräfler Tagblatt

Es war ein ehrgeiziges Projekt, das die drei Kirchengemeinden Schönau, Zell und Todtnau am 9. März 2019 gestartet haben: Die insgesamt 86 Kapitel der vier Evangelien aus der Bibel sollten von Hand abgeschrieben werden. Aus dieser handschriftlichen Abschrift soll jetzt ein gebundenes Buch entstehen.

Von Dirk Friberg

Oberes Wiesental. Grundgedanke war, die Evangelien (was übersetzt so viel wie „Frohe Botschaften“ heißt) wieder näher zu den Menschen zu bringen. Deshalb entschied man sich nach Prüfungen der verschiedenen Bibelübersetzungen auch für die Übersetzung des Theologen Fred Ritzhaupt, der in jahrelanger akribischer Arbeit den altgriechischen Urtext in ein verständliches Deutsch übersetzt hat – ohne dabei dessen essenzielle Aussagen zu verwässern oder gar zu verändern.

Projekt dauerte neun Monate

Der Schönauer Kirchengemeinderatsvorsitzende Ronald Kaminsky konnte in der Abschlussveranstaltung des Projekts am Samstag froh und glücklich dessen Fertigstellung verkünden: „Es dauerte insgesamt neun Monate und war so gesehen eine schwierige Geburt.“ Die ersten sieben Monate seien „gut von der Hand gegangen“, aber die letzten zwei Monate hätten sich äußert zäh gestaltet, ging es doch in dieser Zeit auch darum, die Handschriften zu sortieren, zu korrigieren, einzuscannen und noch fehlende Seiten zu ergänzen.

Kaminsky hob hier insbesondere Catrin Wuchner hervor, bei der als Koordinatorin des Projekts alle Fäden zusammenliefen und „deren unermüdliches Engagement und aufopfernder Einsatz wesentlich zum Gelingen beigetragen haben“.

Bei der Feier dabei war auch Übersetzer Fred Ritzhaupt, der den Anwesenden noch Rede und Antwort stand und ihre persönlichen Fragen bereitwillig beantwortete.

Offiziell haben sich 44 Schreiber an dem Projekt beteiligt, es seien aber tatsächlich wesentlich mehr gewesen, sagte Kaminsky. Die genaue Zahl könne man leider nicht beziffern, da sich auch Schulklassen an dem Projekt beteiligten. Wichtig bei dem nun folgenden Buchprojekt, bei dem die handschriftlichen Seiten in gebundener Buchform herausgebracht werden sollen sei der Umstand, dass das zukünftige Buch ausschließlich nur handschriftliche Texte, keine gedruckten Buchstaben enthalten soll. Aus diesem Grund liegen auch das Vorwort, verfasst von Landesbischof Cornelius Bundschuh, sowie das von Fred Ritzhaupt verfasste Schlusswort bereits in handschriftlicher Form vor.

624 handgeschriebene Seiten gefertigt

Auch der Einband des künftigen Druckwerks, das aus insgesamt 624 handgeschriebenen Seiten bestehen wird, ist bereits festgelegt: Den vorderen Buchdeckel wird ein handschriftlicher kalligrafischer Schriftzug mit dem Titel „Wiesentäler Evangelien Abschrift 2020“ zieren, auf dem rückwärtigen Buchdeckel wird eine Grafik des Schönauer Gemeindemitglieds Jürgen Ander zu sehen sein, auf der, so Kaminsky, „wunderbar zu sehen ist, wie Ströme lebendigen Wassers aus dem Buch herausfließen und so dem zugrunde liegenden Gedanken des Projekts bildhaft Ausdruck verleihen“.

Einzig die Inauftraggabe des Druckwerks sei noch nicht in trockenen Tüchern. Angedacht ist eine Auflage von zunächst 150 Exemplaren. Hinsichtlich der Finanzierung des Buchs hofft Kaminsky auch auf Sponsoren, die das Druckwerk, dessen Verkaufspreis, so Kaminsky, „auf jeden Fall“ unter 30 Euro liegen soll, in der gewünschten Weise ermöglichen.

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