Schönau Tempo 30 für mehr Nachtruhe

Wer an der Bundessstraße wohnt, weiß es zu schätzen, wenn die Geschwindigkeit reduziert wird. Foto: Anja Bertsch

Schönau - Nun also doch: Auf der Bundesstraße B 317 im Schönauer-Brand soll die Geschwindigkeit nachts (zwischen 22 und 6 Uhr) von Tempo 50 auf Tempo 30 gedrosselt werden, um den Anwohnern ein wenig mehr (Nacht-)Ruhe zu gönnen. Nachdem der Schönauer Gemeinderat diese Maßnahme vor einem guten Jahr abgelehnt hatte, befürwortete er sie in der jüngsten Sitzung mehrheitlich mit sieben zu vier Stimmen. Die abschließende Entscheidung über das etwa 400 Meter lange Teilstück (zwischen Abzweig Haldenweg und Abzweig Haselbach) freilich liegt beim Landratsamt.

Diskutiert wurde das Thema Tempo 30 in Zusammenhang mit dem Lärmaktionsplan (LAP): Nachdem dessen erster Entwurf bereits 2014 vorgelegen hatte, wurde die endgültige Fassung nun einstimmig verabschiedet.

Die „Lärmkartierung“ im Zuge des Verfahrens hatte gezeigt, dass einige hundert Anwohner der sich durch ganz Schönau schlängelnden Bundesstraße einer hohen (etwa 400 Einwohner) bis sehr hohen (etwa 130 Einwohner) Lärmbelastung ausgesetzt sind. Täglich fahren hier etwa 8 000 bis 9 000 Fahrzeuge.

Der Lärmaktionsplan nun beschreibt etliche Maßnahmen, die den lärmgeplagten Bürgern mehr Ruhe verschaffen sollen: Den Einbau von sogenanntem „Flüsterasphalt“ wann immer der Austausch von Fahrbahnbelag ansteht zum Beispiel, oder die Sanierung beziehungsweise die Verlegung von „deckungsgleichen Einbauten“ wie Kanalschächten, die teils für mächtig Erschütterungen sorgen, wenn Autos darüber fahren.

Im Brand sorgt eine von privat gebaute Lärmwand für Abschottung; beim Kindergarten St. Maria soll ebenfalls bald eine solche Lärmbarriere errichtet werden. Die Temporeduzierung allerdings als weiteres wirksames Mittel für weniger Lärm wurde vom Gemeinderat in einer früheren Diskussion um den LAP ausdrücklich abgelehnt. Angedacht beziehungsweise vorgeschlagen worden war eine solche Drosselung damals für drei Teilstücke in Schönenbuchen und Brand.

Auch in der aktuellen Sitzung wogte die Diskussion hin und her: Gegner der Temporeduktion bezweifelten, dass langsameres Fahren sonderlich viel bringe; wichtiger und wirksamer seien da doch bauliche Maßnahmen wie eben Flüsterasphalt, argumentierten etwa Michael Locker (FW) und Jürgen Strohmeier (CDU). Dieser Vermutung widersprach Bauamtsleiter Klaus Steinebrunner. Die Temporeduzierung senke die Belastung erheblich: „Die Lärmbelastung ist nur halb so hoch“.

Jesko Anschütz (FW) wollte die positive Wirkung einer Maßnahme – „Flüsterasphalt“ – nicht als Gegenargument gegen eine andere Maßnahme gelten lassen: „Dass das eine hilft, ist kein Grund, das andere nicht zu tun“.

Rückendeckung hatte die Befürworter von Tempo 30 durch das Gesundheitsdezernats des Landratsamt, das als einziger „Träger öffentlicher Belange“ massive Einwände gegen den LAP-Entwurf formuliert hatte: Durch die (sehr) hohen Lärmbelastungen sei die „Schwelle zur Gesundheitsgefährdung erreicht“, es bestehe „dringender Handlungsbedarf“. „Natürlich fällt man nicht von jetzt auf gleich tot um. Das ist ein schleichender Prozess“, erklärte Bauamtsleiter Steine-brunner; und: gerade nachts, wenn der Körper zur Ruhe kommen solle, hätten solche Dauerstörungen massiv schädliche Wirkungen.

In der Abwägung von menschlicher Gesundheit einerseits und einem sehr übersichtlichen Zeitverlust (für etwa 400 Meter braucht man etwa 21 Sekunden länger) für eine (bei einer Nachtregelung) sehr übersichtliche Zahl betroffener Autofahrer überwiege eindeutig die Gesundheit, befand Steinebrunner – und hatte damit die Mehrheit der Gemeinderäte mitsamt Bürgermeister Schelshorn hinter sich.

Dass diese Prioritätensetzung nun allerdings nur für eine der drei ursprünglich diskutierten Etappen seinen Niederschlag finden soll, begründete Bürgermeister Schelshorn damit, dass die Anwohner (beziehungsweise ein bestimmter Anwohner) im Brand von Beginn des Prozesses an ihr Anliegen wiederholt vorgebracht habe und die Bitte um Verständnis und Temporeduktion in einem Brief auf die Sitzung hin ein weiteres Mal formuliert hatte.

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