Schönau Tourismus: „Wir sind Belchen“

Markgräfler Tagblatt, 08.07.2016 22:00 Uhr

Von Peter Schwendele

Vor knapp einem Jahr wurde das Strategiepapier für die Neuausrichtung des Tourismus im Gemeindeverwaltungsverband Schönau vorgestellt. Im Zentrum steht dabei das Ideal des sanften Tourismus`. „Wir haben schon einiges geleistet,“ meint Verena Behringer, die Leiterin der Tourismusorganisation Schwarzwaldregion Belchen, „aber es liegt auch noch viel Arbeit vor uns.“

Oberes Wiesental. „Auch heute besuche ich das liebenswerte Schwarzwaldstädtchen Schönau immer wieder gerne, denn hier kann ich wunderbar vom oft hektischen Alltag abschalten. Sie werden das Gleiche spüren, wenn Sie hier zu Fuß oder mit dem Rad auf einsamen Wegen unterwegs sind.“ Das schreibt Fußball-Bundestrainer Joachim Löw im Vorwort des neuen Tourismus-Prospekts der Schwarzwaldregion Belchen – und eine bessere Werbung für die Stadt und die Region kann man sich eigentlich nicht wünschen.

Zumal die Aussagen des prominenten Schönauers optimal zur Zielrichtung des Tourismusangebots in der Belchenregion passen. Event-Tourismus ist nicht angesagt, stattdessen geht es um Naturerleben und Authentizität. „Was uns ausmacht, ist unsere Herzlichkeit“, sagt Verena Behringer, „wir wollen das Sanfte, das Kleine, das Familiäre in unseren Angeboten rüberbringen.“

Neu gestalteter Prospekt

„Wir sind Belchen“ heißt es im neu aufgelegten Prospekt, der in Behringers Augen auch optisch eine klare Verbesserung darstellt – und damit ist der eigentliche Identifikationspunkt der Tourismusregion deutlich benannt. Unter dem 1414 Meter hohen Gipfel mit seinem beeindruckenden Panoramablick lassen sich die einzelnen Orte des Gemeindeverwaltungsverbands als malerisch gelegene Erholungsplätze optimal aufreihen. Mit im Boot ist auch die ebenfalls am Belchen gelegene Gemeinde Münstertal. „Wir haben immer wieder Kontakt, sind gemeinsam auf Messen“, berichtet Verena Behringer, „es ist eine lockere Kooperation, die ausbaufähig ist.“

Noch nicht initiiert wurde dagegen eine Kooperation mit der Gemeinde Kleines Wiesental, die sich über ihren Teilort Neuenweg ebenfalls im Belchengebiet verorten kann. Eine mögliche Zusammenarbeit habe man zwar im Hinterkopf, doch käme dies jetzt zu früh, findet die Tourismusexpertin.

Denn nach der vor knapp eineinhalb Jahren vollzogenen Trennung von der Bergwelt Südschwarzwald müsse man erst wieder lernen, sicher auf eigenen Füßen zu stehen. Und das bringt eine Menge Arbeit mit sich, wie ein Blick auf die für das Strategiepapier identifizierten wichtigsten Eckpfeiler der Konzeption zeigt.

Mountainbike-Konzept

Recht aufwändig war und ist beispielsweise die Erstellung eines Mountainbikekonzepts. Nach etlichen Workshops zu diesem Thema sollen jetzt beim Naturpark Südschwarzwald Anträge auf Bezuschussung gestellt werden. Die Chancen, zum Zug zu kommen, schätzt Behringer als sehr gut ein. Im Idealfall könnte eine große Panoramaroute, die mit mehreren Aus- und Einstiegen für kleinere Touren ergänzt wird, 2017 realisiert werden.

Premium-Wanderwege

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Premiumwanderwegen, die ebenfalls in Kleingruppen intensiv diskutiert wurde. Als Marschroute wurde festgelegt, zunächst einen Förderantrag für die Ausgestaltung eines Premiumwanderwegs am Belchen zu stellen. Dieser soll aber nicht für sich allein stehen, sondern Schritt für Schritt durch weitere lohnenswerte Wegstrecken ergänzt werden. Verena Behringer: „Es spricht nichts gegen mehrere Premiumwege oder Qualitätsrouten.“ Die Leiterin der Schwarzwaldregion Belchen rechnet hier mit einem längeren Prozess, der sich über vier, fünf Jahre hinziehen könnte. Denn klar sei: Die Beschilderung in der Region, zum Großteil aus dem Jahr 2001, „harzt an vielen Stellen“. Bei einer Neuausschilderung des Gesamtgebiets hofft man, eventuell vom neuen Biosphärengebiet Schwarzwald Unterstützung zu erhalten.

Papier mit Leben erfüllt

Grundsätzlich habe man im vergangenen Jahr versucht, „das, was im Strategiepapier ausgearbeitet wurde, mit Leben zu erfüllen“, sagt Verena Behringer. Viele Menschen seien daran beteiligt gewesen, auch deshalb dürften die gewonnen Ergebnisse nicht unter den Tisch fallen. Allerdings würde sich Behringer auch bei der Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse noch mehr Input der Bevölkerung wünschen. So könne man etwa beim nächsten Wanderwege-Workshop seine eigenen Lieblingsrouten vorstellen.

Überhaupt sei der Beitrag der Einheimischen für das Tourismusgeschäft gar nicht hoch genug einzuschätzen, meint die Leiterin der Tourismusorganisation. Verena Behringer: „Wenn sich die Einheimischen wohlfühlen, merkt man das auch als Gast.“