Schönau „Verrückte Idee“ ist ein voller Erfolg

Peter Schwendele
Mittlerweile ein gewohnter Anblick: Seit genau zwanzig Jahren kann man mit der Gondelbahn zum Belchengipfel gelangen. Foto: Fotos: Archiv

Ohne seine Gondelbahn, die pro Jahr rund 140 000 Besucher auf den Belchen transportiert, können sich viele den Schönauer Hausberg nicht mehr vorstellen. Vor zwei Jahrzehnten war die Situation eine andere. „Damals haben viele nicht geglaubt, dass die Idee funktioniert“, erinnert sich Klaus-Peter Rudiger. Fakt ist: Vor genau 20 Jahren, am 22. Dezember 2001, schwebten die leuchtend gelben Gondeln erstmals Richtung Gipfel.

Von Peter Schwendele

Schönau. Bis dahin war es ein langer Weg gewesen, den die Initiatoren und Verfechter der Idee zurücklegen mussten. Dieser Gruppierung um Klaus-Peter Rudiger, den Geschäftsführer der Belchen-Seilbahn GmbH, ging es in den 1990er Jahren darum, den stark von Besuchern frequentierten und schwer vom Verkehr gebeutelten Belchen autofrei zu machen – und gleichzeitig das touristische Angebot zu stärken, also zwei Ansätze, die zu jener Zeit noch viel mehr als heute als Gegenpole gesehen wurden, miteinander in Einklang zu bringen. Skepsis, ob dies mit dem Bau einer Gondelbahn und der parallelen Sperrung der Straße zum Belchenhaus für den Individualverkehr gelingen kann, gab es zur Genüge. Das Spannungsfeld, in dem sich das Vorhaben bewegte: Zum einen brauchte man genügend erholungssuchende Nutzer, damit sich der Betrieb der Bahn rechnet, zum anderen wollte aber niemand, dass der Belchen zu einem Rummelplatz wird.

Heute, zwanzig Jahre später, sind die Befürchtungen längst ausgeräumt. „Der Belchen hat gewonnen dadurch, dass die Autos weg sind, alle sind happy, dass der Berg beruhigt ist, und gleichzeitig ist die Bahn mittlerweile praktisch abgezahlt“, hält Klaus-Peter Rudiger, der mit Herzblut das überwiegend privat finanzierte, knapp 3,4 Millionen Euro teure Projekt vorangetrieben hatte, fest: „Was wir jetzt am Belchen haben, hat sich bestens entwickelt und läuft gut.“

Gegen Widerstand von Behörden durchgesetzt

Vor zwanzig Jahren war die Idee, den Belchengipfel autofrei zu machen, von einigen noch als verrückt bezeichnet worden. Dass die Realisierung des Seilbahn-Vorhabens dennoch gelang, lag in erster Linie an der Beharrlichkeit der handelnden Personen vor Ort. So stellte der damalige Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg bei der offiziellen Einweihung der Bahn im Juni 2002 fest: „Das Ganze wäre nicht gegangen, wenn Sie sich nicht vor Ort hingestellt und sich auch gegen den zeitweiligen Widerstand von Behörden durchgesetzt hätten.“

So sieht es in der Rückschau auch Klaus-Peter Rudiger, dessen wichtigster Mitstreiter der damalige Schönauer Bürgermeister Bernhard Seger war, der sich von Anfang an hinter das Vorhaben gestellt und sich offensiv dafür eingesetzt hatte. „Es hat damals auch nur deswegen funktioniert, weil wir Verbündete bei Behörden auf höherer Ebene hatten“, sagt Rudiger und betont besonders die Rolle des damaligen Landrats Alois Rübsamen. Klar sei auch: „Ohne Idealismus ist so ein Projekt kaum zu stemmen.“

Schönaus Bürgermeister Peter Schelshorn erinnert sich, dass er das Projekt schon bei dessen erster Präsentation im Rahmen einer Gewerbeschau in Schönau im Jahr 1996 interessant und spannend fand. „Es ist toll, dass sich damals verschiedenste Menschen zusammengefunden und diese Vision auf den Weg gebracht haben“, so der Rathauschef, der von einem „sehr, sehr erfolgreichen Projekt“ spricht, das zum einen positiv für den Tourismus, aber auch gut für die hiesige Bevölkerung und den Schutz der Natur sei. „Die Gondelbahn tut unserem Hausberg, der für mich der schönste Berg des Schwarzwalds mit einer einmaligen Rundumsicht ist, und der ganzen Raumschaft gut“, sagt Schelshorn.

Bei dem Erfolg der Gondelbahn, die von der Talstation in Aitern-Multen aus 1093 Meter Höhe bis zur Bergstation am Belchenhaus auf 1363 Meter einen Höhenunterschied von 263 Metern zurücklegt, wird oft vergessen, dass hinter der gegenwärtigen Situation noch eine viel größere Gesamtvision steht: Den Belchen komplett autofrei zu machen, indem die Bahn bis hinunter nach Schönau verlängert wird.

Vision der Verlängerung der Bahn liegt auf Eis

„Das ist auch mein großes Ziel und ich bin immer noch hoffnungsvoll, dass es so kommt“, sagt Bürgermeister Schelshorn und bedauert, dass in der jüngsten Vergangenheit vor allem die Coronaproblematik hier bremsend gewirkt habe. Klaus-Peter Rudiger steht nach wie vor hinter der Gesamtidee, die aus Umweltschutzaspekten viel Sinn machen würde, betont aber: „Bei solchen Projekten muss jemand da sein, der vorangeht.“ Sich selbst sieht der Aiterner nicht mehr in dieser Rolle, dazu müsste er zwanzig Jahre jünger sein, so seine Haltung. Im übrigen schätzt er die Lage so ein, dass das Projekt der Bahnverlängerung – das zuletzt im Jahr 2017 öffentlich diskutiert wurde – grundsätzlich Realisierungschancen hat, dass aber die Verfahrensmühsal bei derartigen Vorhaben in den vergangenen Jahrzehnten nicht kleiner geworden ist. So sieht es auch Peter Schelshorn: „Die bürokratischen Hürden sind heute höher als vor zwanzig Jahren.“

Veränderungen wird es aber in den kommenden Jahren auf jeden Fall geben, denn die Anlage, die zweimal im Jahr einer Revision unterzogen wird, bedarf mittelfristig der Renovierung und der Modernisierung. In fünf bis zehn Jahren müssten die Gondeln, die gern als „Gelbe Zitronen“ bezeichnet werden und an denen der Zahn der Zeit zu nagen beginnt, ausgetauscht werden, kündigt Klaus-Peter Rudiger an. Wie die Optik der Gondelbahn dann zukünftig aussehen wird, steht noch in den Sternen – dass Besucher aber weiter schwebend in Richtung Gipfel transportiert werden, steht außer Frage.

  • Bewertung
    5

Umfrage

e64ef5d6-6fd7-11ec-9ca8-1335ebb5fb94.jpg

Die Narrengilde Lörrach will ihren Fasnachtsumzug und die Gugge-Explosion coronabedingt in den Juni verlegen. Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading