Schönau „Vieles ist gelaufen, was nicht in Ordnung ist“

Das Schönauer Freibad liegt dem Förderverein sehr am Herzen. Foto: Christian Patarcic

Schönau -  Rund 200 Stunden ihrer Freizeit investierten einige Mitglieder des Fördervereins Freibad Schönau in das Bad, das zu erhalten ihr primäres Ziel bei der Vereinsgründung 2012 gewesen sei. Das Gros der Mitglieder allerdings beteilige sich an Arbeitseinsätzen nicht mehr.

Waren es in Zeiten der Vereinsgründung noch 35 bis 40 Helfer, auf die die Arbeit verteilt werden konnte, treffen sich jetzt noch sechs bis sieben zum Aufstellen von Bänken, Hinweisschildern oder Mülleimern, zum Rasenmähen oder zum Vertikutieren der Rasenflächen, die Schwimmmeister Christian Patarcic neben einer guten Wasserqualität und perfekter Sauberkeit besonders am Herzen zu liegen scheinen.

Bei der Jahreshauptversammlung am Freitag im Utzenfelder Gasthaus „Eiche“ wurde mehrmals betont, wie toll das neue Bad sei und wie sehr es dem Förderverein am Herzen liege, seinen Zustand zu erhalten. Trotzdem kündigte der Vorsitzende Armin Savoy an: „Die Vorstandschaft wird in der jetzigen Zusammenstellung bei der nächsten Hauptversammlung im März 2021 nicht mehr antreten.“

 Die wenigen verbliebenen Aktiven im Verein scheinen frustriert. Sie fühlen sich kaum noch wahrgenommen von der Stadt, die – so ärgerte sich mancher – das Geld zum Fenster rauswerfe, während der Verein auf eigene Kosten neue Bäume als Ersatz für die kaputten Birken beschaffe und versuche, durch Arbeitseinsätze Kosten einzusparen. Es werde „brutal viel Geld ausgegeben“, sagte Savoy und nannte als Beispiel das neue Kassensystem, das sich die Stadt rund 20 000 Euro kosten ließ, obwohl das frühere System erst vier Jahre alt gewesen sei und gute Dienste getan habe.

Als vor dem Restaurant Fettflecken den Boden verunzierten, habe die Stadt einen Fettentferner angeschafft, anstatt den damaligen Pächter in die Pflicht zu nehmen. Und jetzt – nach Öffnung des Bads unter Corona-Auflagen – sei mehr Personal eingestellt worden als nötig gewesen wäre.

Die Kommunikation mit der Stadt lasse extrem zu wünschen übrig. Meistens werde der Förderverein vor vollendete Tatsachen gestellt, statt mitreden zu dürfen. So stellte Savoy als schlechten Stil an den Pranger, dass der Verein die Hälfte der Einnahmen des beliebten Mondscheinfests im Freibad, bei dem sich 2019 rund 500 Badegäste im Mondschein tummelten, von vornherein an die Stadt abliefern musste. Dabei wisse in der Verwaltung eigentlich jeder, dass ohnehin sämtliche Einnahmen des Fördervereins ungekürzt dem Schwimmbad zugutekommen.  

„Vieles ist gelaufen, was in unseren Augen nicht in Ordnung ist. Das stößt vielen Mitgliedern im Verein so sehr auf, dass sie einfach nicht mehr mitmachen wollen“, brachte Armin Savoy den Ärger seines Teams auf den Punkt – ein Ärger, der dadurch nicht gemildert wurde, dass an diesem Abend kein Gemeinderat und kein offizieller Vertreter der Stadt oder des GVV anwesend war. „Daran erkennt man deutlich den Stellenwert, den man uns beimisst“, machte Savoy seiner Enttäuschung Luft.

 Doch ein Gemeinderat war durchaus da, allerdings in einer Doppelfunktion, denn Oliver Gierth ist auch Vorstandsmitglied des Fördervereins. Er machte aus der Not eine Tugend, schlüpfte kurz in die Rolle eines Vertreters der Stadt und überbrachte die Grüße des Bürgermeisters, der zur Jahreshauptversammlung des FC Schönau gegangen war, weil dort wichtige Wahlen auf der Tagesordnung standen. Gierth versuchte, die Gemüter zu beruhigen und versicherte, dass gerade Bürgermeister Peter Schelshorn, aber auch die Gemeinderäte, das Engagement des Fördervereins zu schätzen wissen.

Er versprach, die Anliegen der Mitglieder im Gemeinderat vorzutragen und Werbung dafür zu machen, dass sich die atmosphärischen Störungen wieder glätten und dass sich jemand bereit erklärt, die Arbeit des Vereins fortzuführen. Vielleicht die frühere Vorsitzende Greta Hierholzer, die sich „fünf Jahre lang an der Vereinsspitze herumärgerte, dort graue Haare bekam“ und die nun – wie sie sagte – befürchtet, dass ihr „die Haare restlos ausfallen, wenn der Verein aufgelöst werden müsste“.

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