Schopfheim Agathe-Freunde ziehen sich zurück

Sie bleiben „Freunde von St. Agathe in Fahrnau“. Aber den Verein, der im Milleniumsjahr 2000 vom Ehrenbürger Walter Flößer gegründet wurde und in dem sich stets rund 20 Mitglieder um die Sanierung der über 800 Jahre alten Kirche mühten, haben sie nun endgültig aufgelöst.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim-Fahrnau. Und zwar notgedrungen. Denn es fand sich trotz intensiver Suche niemand, der das Ruder übernehmen wollte. Gerhard Brutschin, der Sohn des letzten Fahrnauer Bürgermeisters, Bettina Bethlen und Kassierer Jürgen Jäckh gaben „aus Altersgründen“ auf und stellten zum Ende des Pressegesprächs am Mittwoch mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge fest: „Es tut uns leid, dass es nicht weiterläuft. Es tut weh. Und trotzdem sind wir happy.“

Leid tut es ihnen, weil in das Projekt Walter Flößers, das zum Ziel hatte, eine „ideelle, materielle und praktische Unterstützung und Förderung kultureller Nutzung der alten Kirche St. Agathe nach ihrer Restaurierung im Jahr 2000“ zu erreichen, von jedem einzelnen Mitglied und zahlreichen Spendern „jede Menge Herzblut“ investiert wurde.

Und Geld, womit die beiden treibenden Kräfte an der Vereinsspitze zum „lachenden Auge“ kamen: „Der Zeitpunkt, aufzuhören, ist günstig. Die große Aufgabe, die Außenhaut der Kirche zu sanieren, wurde 20 Jahre nach der Renovation des Innenraums unter Federführung des Vereins erfolgreich abgeschlossen.“ 44 000 Euro wurden gesammelt. Und die noch fehlenden 8500 Euro konnte der Verein zum guten Gelingen beisteuern, obwohl ein vom Verein in Auftrag gegebenes Buch nicht den reißenden Absatz fand, den man sich insgeheim erhofft hatte. Schließlich, so Gerhard Brutschin und Bettina Bethlen ein wenig enttäuscht, ist darin die bewegte Dorfgeschichte und die Geschichte einer Kirche nachzulesen, die ab 1965 nicht mehr gebraucht, als Abstellkammer benutzt und total vernachlässigt wurde, bis sie von der Gruppe um Walter Flößer 1997 und nach Genehmigung durch das Landesdenkmalamt im Jahr 1998 aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde. Stadt und Kirchengemeinde, zwischen denen schon Jahre zuvor ein „Ehevertrag“ geschlossen wurde, hatten plötzlich ein „Kind“, das – so hatte es Walter Flößer umschrieben – „gedieh, nachdem es von einem Paten – den Agathe-Freunden – umsorgt wurde.“

Die Freunde von Agathe begnügten sich aber nicht „nur“ damit, das Kirchlein zu sanieren und bis dahin verborgene Schätze an den Wänden freizulegen. Sie brachten die Unterstützung kultureller Nutzung in Schwung, übernahmen die Mietkosten bei Konzerten der Musikschule und gaben „den Anstoß zur Dämmung der Decke“, für welche die Stadt die Kosten übernahm. Kurz: St. Agathe mauserte sich zum würdigen Rahmen für festliche Konzerte, Vorträge, Ausstellungen und Begegnungen. Ein neuer Abschnitt ihrer Geschichte begann. Walter Flößers Idee hat Früchte getragen. Die Kirche hat einen guten Ruf, Agathe wurde zum wohlklingenden Markenzeichen.

Leider sei es nicht gelungen, jüngere Fahrnauer in die Vorstandschaft zu integrieren. „Rückmeldungen kamen erst, als wir die Vereinsauflösung bekannt gaben“, ärgerte sich Gerhard Brutschin über das frustrierende Ergebnis der Jahre dauernden Rettungsversuche. „Einige kamen, als der Markt verlaufen war.“Aber da sei es zu spät gewesen.

Die Auflösung war initiiert und ist von Ruthard Hirschner vorbildlich abgewickelt worden. Gerhard Brutschin schloss das Kapitel einer überaus bewegten Kirchengeschichte, das „Gott sei Dank“ ein gutes Ende genommen hat: „Nachdem die Mitglieder wegen Corona per Post der Auflösung des Vereins zugestimmt haben, liegt er nun – gesetzlich vorgeschrieben – ein Jahr und drei Tage im Leichenschauhaus.“ Danach ist die Sache endgültig.

Das Vermögen, das sich sehen lassen kann, wird der Stadt Schopfheim übertragen mit der Auflage, die Gelder lediglich in den Erhalt der Gebäudesubstanz zu investieren.

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