Schopfheim Alte und kranke Bäume am Haken

Schopfheim - Mit außergewöhnlichem Aufwand werden derzeit Bäume am Steilhang zwischen Wiese und Entegast gefällt. Eine Spezialfirma aus Todtnau hat einen Seilkran aufgestellt, um die Stämme im 50 Grad steilen Gelände nach oben zu befördern. Für die ganze Aktion sind fünf bis sechs Wochen Arbeitszeit angesetzt.

Selbst Revierförster Stefan Niefenthaler ist fasziniert: „So eine Seilkranfällung sieht man nicht alle Tage.“

Der Schneebruch hat aufgezeigt, wie gefährdet der Wald am Steilhang ist. Schräg gewachsene Bäume werden durch die Schneelast umgeworfen, reißen in einer Kettenreaktion weitere Stämme mit. Umgekippte Wurzelteller sorgen für die nächste Gefahr, sammeln bei Dauerregen Wasser und können schließlich Hangrutsche auslösen. Auch diese Schadensereignisse musste der Förster Ende Januar am Ente­gast-Steilhang beobachten. Da war die Spezialfirma mit dem Seilkran bereits bestellt.

200 Meter lange Seilbahn

Jetzt werden die alten und die kranken Bäume buchstäblich an den Haken genommen. Nur die jungen und die kerzengeraden Exemplare dürfen stehen bleiben. Natürlich weiß Niefenthaler, dass die Wurzeln der Bäume das Erdreich festhalten. „Aber zu viel Gewicht durch schwere Exemplare ist auch nicht gut“, informiert der Experte. Zumal sich die Vegetation auf einer steilen Buntsandsteinschicht befindet, die Hangrutschungen begünstigt.

Der nächste Stamm wird in diesem Moment an der 200 Meter langen Seilbahn den Hang hinaufbefördert und dem Greifarm des Schleppers übergeben.

Ein Stamm ist schon auf den Spazierweg gerutscht

Der Kran ist wiederum an einer dicken Buche fixiert, so dass bis zu drei Tonnen schwere Bäume aus dem Hang befördert werden können. Die ganz großen, schweren Kaliber müssen also zuvor zerteilt werden. Nicht nur technisch, sondern auch personell betreibt der Forst einen hohen Aufwand. Vier Männer sägen, befördern, schleppen weg, einer kontrolliert außerdem, dass die Warnhinweise und Sperrungen nicht missachtet werden. „Ein Stamm ist bereits den Steilhang auf den Spazierweg oberhalb der Wiese abgerutscht“, warnt Niefenthaler. Wenn da ein Mensch verbotswidrig gegangen wäre, hätte er schlechte Karten gehabt.

Die aufwändige Forsttätigkeit mit der Seilbahn hat noch einen großen Vorteil, berichtet Niefenthaler: „Keine Schleifspuren am Boden und auch keine Fahrrinnen.“ Also keine Schäden, die die Erosion am Steilhang fördern. „Das ist genau das, was wir hier am Hang brauchen.“ Dafür greift man tiefer in die Tasche.

Mit über 35 Euro je Festmeter schlagen die Kosten für die Spezialfirma zu Buche. 16 Hektar groß ist die steile Hangfläche. Mit bis zu 2000 Festmetern Ernte hatte Niefenthaler kalkuliert. Aber: „Es wird deutlich mehr wegen dem Schneebruch.“

Ständiges Reagieren auf Schadenereignisse

Dennoch bleibt der Förster optimistisch und rechnet unter dem Strich mit einem Nullsummenspiel, weil im Moment leidliche Erlöse aus der Holzverwertung erzielt werden können. 40 Euro für die Buchen, die in die Palettenindustrie gehen. Beim Nadelholz gibt es nur noch Tageskurse, weshalb der Förster das Material so schnell wie möglich vermarktet.

Einen halben Tag lang arbeiten die Leute an einem Streifen des Steilhangs, dann wird der Seilkran für das nächste Stück umgesetzt.

Marc Kiefer von der Spezialfirma zieht per Fernbedienung die nächste Buche am Seilkran hoch. Sie sieht auf den ersten Blick weder alt, krank, noch krumm aus. Doch der Experte zeigt auf die Fällkerbstelle. Der Stamm war am Schaft gebogen und weist an der Fällstelle bereits einen leichten Riss auf. „Sie stand also schon unter Spannung und musste weg.“

Das, was am Steilhang zurück bleibt, stellt den Revierförster zufrieden: „Schöne Jungbäume, gut durchmischt. Tannen und Douglasien, Buchen und Ahorn.“ Es muss also nichts nachgepflanzt werden am Entegast. Die Natur hilft sich selbst. Und dennoch kann der Forstmann nicht gänzlich zufrieden sein: „In den letzten Jahren reagieren wir fast nur noch auf Schadenereignisse.“

Gefällt wird im Wald, weil Stürme und Hitze, Käfer und Schneelast, Pilze und Insekten den Bäumen zu schaffen machen. Zu 70 bis 90 Prozent besteht die Arbeit nun in der Aufarbeitung von derart geschädigtem Holz, beziffert Niefenthaler. „Ich würde mir mal ein Jahr wünschen, in dem nach Plan vorgegangen wird.“ Wo also gezielt eine ausgewählte Parzelle für einen bestimmten Käufer geerntet wird.

Tatsächlich bestimmen aber dramatische Geschehnisse im Wald wie zuletzt den Alltag. Spektakulär verläuft die Holzernte am Entegast aber diesmal allemal, selbst für den Fachmann.

Nach dem Erdrutsch am Ente­gast, der auch einen Forstweg mitgerissen hat, wird sich ein Wegebaufachmann des Regierungspräsidiums in der kommenden Woche den Schaden genauer ansehen. Er wird laut Revierförster Stefan Niefenthaler anschließend Ratschläge geben, wie der Schaden behoben werden kann und welche Fördermittel für derartige Arbeiten in Aussicht stehen. Niefenthaler: „Wir hoffen auf eine günstige Lösung.“

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