Schopfheim Auf Nummer sicher über die Wiese

Werner Müller

Schluss mit der Hänge(brücken)partie: Die Tage des maroden Stegs über die Wiese in Ehner-Fahrnau sind endgültig gezählt.

Von Werner Müller

Schopfheim - Nach jahrelangem Tauziehen beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit, das Bauwerk abzureißen und durch eine neue Brücke zu ersetzen.

Fast drei Jahre lang hatte sich die Debatte über den Umgang mit der Brücke hingezogen. Ging es anfangs noch darum, das nicht mehr verkehrssichere Bauwerk eventuell zu sanieren und für die künftige Nutzung ein striktes Tempo- und Gewichtslimit zu verhängen, so stellte sich bei weiteren Untersuchungen heraus, dass dies keinen Sinn macht.

Daran ließ auch Dieter Sandmann, Geschäftsführer vom beauftragten Statikbüro, keinen Zweifel aufkommen. Die Brücke sei 1981 als reiner Steg für Fußgänger und Radler in Betrieb gegangen, berichtete er. In Zusammenhang mit der Erschließung des Golfplatzes habe man die Brücke erweitert, um sie für Pkw befahrbar zu machen – allerdings nur bis zu einem bestimmten Gewicht und mit minimalem Tempo.

Viel zu schnell

Bei Verkehrszählungen habe sich indes herausgestellt, dass diese Beschränkungen wirkungslos verpufften. Die meisten Fahrzeuge passierten die Brücke viel zu schnell – einer sogar mit 71 Stundenkilometer statt mit Schrittgeschwindigkeit. Und weit mehr als die Hälfte der Fahrzeuge war zudem viel zu schwer. Binnen fünf Wochen hätten sogar mehr als 200 Schwerlastfahrzeuge die Brücke passiert.

Bei einer Bauwerksprüfung im Jahre 2018 habe die Brücke auf einer Skala von eins bis vier die Note 3,5 erhalten. Sandmann: „Da gehen alle Lampen auf Rot“.

"Brücke massiv überlastet

Das Fazit des Statikers fiel denn auch eindeutig aus. „Die Brücke ist massiv überlastet“. Für die bestehende Brücke sei eine Ertüchtigung nur sinnvoll, wenn sie künftig ausschließlich dem Fußgänger und Radfahrer vorbehalten sei. Aber auch in diesem Fall sei mit erheblichen Kosten zu rechnen.

Wie eine neue Brücke aussehen könnte, schilderte Verkehrsplaner Christof Diemer dem Gremium: vier Meter breit, rund 40 Meter Spannweite, mit Platz für Fußgänger und Radler sowie – einspurig – für Kraftfahrzeuge aller Art, vom Pkw bis zum schweren Lkw. Die Kosten belaufen sich nach derzeitigem Stand auf knapp 1,2 Millionen Euro. Allerdings sei mit Preissteigerungen zu rechnen, warnte Diemer.

Zuschuss für neue Brücke

Für den Neubau kann die Stadt nach seinen Worten allerdings mit Zuschüssen rechnen. So hat das Land die Maßnahme in den Förderkatalog aufgenommen und eine Summe von 547 000 Euro in Aussicht gestellt. Mit dem Bau könne man im April 2023 beginnen und die neue Brücke im Spätherbst in Betrieb nehmen, so der Planer.

Auf Fachleute hören

„Wir haben in den vergangenen Jahren so viele selbst ernannte Statiker gehört. jetzt sind die Fachleute an der Reihe“, gab Bürgermeister Dirk Harscher die Parole aus. Er jedenfalls wolle „auf Nummer sicher gehen“.

Am Ratstisch regte sich dennoch Widerstand. „Wir leisten uns eine Pkw-Brücke, um den Golfplatz zu versorgen“, ärgerte sich Peter Ulrich. In seinen Augen sei das eine „tolle Subvention für ein Privatunternehmen“.

Hingegen vertrat Andreas Kiefer (Unabhängige) die Ansicht, dass die Brückenlösung schon „lange überfällig“ sei – Golfplatz hin oder her. Der seinerzeit abgeschlossene Vertrag mit der Gemeinde Hausen, die Zufahrt zum Golfplatz habe ausschließlich über Schopfheim zu erfolgen, sei einzuhalten.

Pkw-Brücke für Golfspieler  "absurd"

Marianne Merschhemke nannte es hingegen „absurde“, eine Pkw-Brücke für Golfspieler zu bauen. „Die fahren dahin, um Sport zu machen, zum Teil mit großen SUVs“, ärgerte sich die Stadträtin der Grünen.

Der Bürgermeister erinnerte indes daran, dass der seinerzeitige Ausbau der Brücke Voraussetzung für die Genehmigung des Golfplatzes gewesen sei. „Der Zugangsverkehr darf nur über die Brücke rollen, wir stehen im Wort“, so Harscher. Im übrigen wohnten in Ehner-Fahrnau auch Bürger der Markgrafenstadt, die im Notfall für Feuerwehr und Rettungsdienst schnell errreichbar sein sollen.

Teresa Bühler (SPD) wollte wissen, wie zu gewährleisten sei, dass nur Berechtigte die Brücke nutzen und sich keine „Schnellstraße“ nach Hausen herausbilde.

Schrankenlösung hat nicht funktioniert

Da die bisherige Schrankenlösung nicht funktioniert habe, müsse man möglicherweise beim Parkplatz Barrieren aufstellen, meinte Dirk Harscher. Dann seien zum Absperren wohl „richtige Bauwerke“ nötig, befürchtete Thomas Kuri (CDU).

Andreas Kiefer fand die Schranken-Diskussion „zum Lachen“. Schließlich gebe es in Fahrnau eine Firma, die mit ihren Schranken weltweit Erfolg habe.

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