Schopfheim Augenzwinkernde Melancholie

Jürgen Scharf
Mit charmantem französischem Akzent bezauberte die Chansonsängerin Marie Giroux die Zuhörer in St. Agathe. Foto: Scharf

Von Jürgen Scharf

Schopfheim. Eine musikalische Therapie gegen Liebeskummer haben die drei Motivationskünstler Marie Giroux (Gesang), Jenny Schäuffelen (Klavier) und Gunnar Seitz (Gitarre) in der Kleinkunstreihe in St. Agathe vorgestellt: „Blessur d’amour – Anatomie der Liebe“, zum ewigen Thema Liebesleid.

Ein Abend mit bittersüßer Medizin ist dieses französische Chanson-Theaterprogramm, in dem die Musikerinnen und ihr Begleiter das Liebesleben analysieren. Viel ist in diesem nicht nur moderierten, sondern szenisch eingerichteten Konzert die Rede von Emotionen, Leidenschaft, Verliebtsein und Trennungsschmerz – ein gesungenes Brevier über die Liebe.

Die Damen sprechen von Dopamin, Endorphinen, Testosteron, Glücks- und Bindungshormonen, Beziehungsstress, Anziehungskraft, Single-Männern, Dating, Partneragenturen und Keuschheitsgürteln.

Die Musiker versprechen eine Linderung der Symptome Einsamkeit und der Liebeswunden, der „Blessuren“, weil sie wissen, dass traurige Musik glücklich machen kann. Also singen und spielen sie Chansons wie „La maladie d’amour“ und andere Lieder über Verletzungen des Herzens.

Marie Giroux kommt aus Frankreich, was ihren charmanten und verführerischen Akzent erklärt. Sie hat das gewisse Etwas, auch in der Chansonstimme, mit der sie mühelos ins Opernfach wechseln kann, und dort durch eine warme Mezzostimme gefällt. Spürbar in ihrem Element ist sie in den französischen Chansons von Trenet, Sardou, Ferré bis Barbara. In diesen Liedern pocht viel Herzblut wie in dem populären „Boum“ von Charles Trenet, das die Lebensfreude und Aufgeregtheit eines frisch Verliebten ausdrückt, dessen Herz „boomt“.

Magie der Liebe

Das musikalische Programm wird aber mit viel Augenzwinkern dargeboten: ein Themenabend, abwechslungsreich, von einem Trinklied der Troubadoure, zweistimmig und als Mitmachlied, über ein abgewandeltes und etwas komischer gestöhntes „Je t’aime“ bis zu Rio Reisers traurigem Liebessong „Junimond“.

Bei Marie Giroux kommen diese Liebesblessuren mit einigem Sexappeal rüber. Das alte Lied „Plaisir d’amour“ vereint sogar Chanson mit Oper und wird von ihr mit reifem Mezzotimbre gesungen. Für das andere, chansonhafte Stimmgenre hat sie die Leichtigkeit und Esprit.

Sehr eigenständig ist die Begleitung mit Jenny Schäuffelen am Klavier und dem kraftvollen Gitarrenklang von Gunnar Seitz, der eine besondere Beziehung zu seinen Gitarren-„Schätzchen“ hat.

Die Magie, warum man sich verliebt, kann auch das Trio nicht erklären – aber es verabreicht doch die passenden Liebestropfen aus der Notfallapotheke, wenn es mal zum gebrochenen Herzen kommen sollte. So war der Abend nicht nur voller „Solitude“ (Einsamkeit), sondern auch wie es in einem anderen Chanson heißt: „formidable“. Die Musiker gingen davon aus, dass im Publikum viele „Traurigkeitsgenießer“ sitzen – und dem war wohl auch so, denn die melancholischen Seiten der Liebe kamen durchaus gut an.

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